Atom-Krise in Japan

Das Protokoll der Fukushima-Katastrophe

Das Erdbeben in Japan hat die wohl größte atomare Katastrophe des Landes ausgelöst. In Fukushima spitzt sich die Lage zu. Das Drama begann mit einem Brand im Turbinengebäude.

Foto: Infografik WELT ONLINE

FREITAG, 11. März:

Das stärkste jemals gemessene Erdbeben in Japan mit einer Stärke von 9,0 erschüttert die Nordostküste des Landes. Kurz nach dem Beben erreicht eine verheerende zehn Meter hohe Tsunami-Welle die Küste.

In Folge der Naturkatastrophe werden elf der insgesamt 54 japanischen Kernkraftwerke heruntergefahren. Im Atomkraftwerk von Onagawa gerät ein Turbinengebäude in Brand.

In dem 250 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerk Fukushima 1 wird das Kühlsystem eines der insgesamt 6 Reaktoren beschädigt, der Kühlwasserpegel sinkt. Die japanische Regierung ruft den atomaren Notstand aus, die Behörden fordern tausende Anwohner des Kraftwerks auf, ihre Häuser zu verlassen.

SAMSTAG, 12. März:

Eine schwere Explosion im Reaktor 1 von Fukushima 1 zerstört Dach und Mauern des Reaktorgebäudes, Radioaktivität tritt aus. Die japanische Atomaufsicht stuft die Explosion zunächst als „Unfall“ der Stufe vier auf einer Skala von null bis sieben ein. Laut dem Betreiber Tepco wird die Sicherheitshülle des Reaktors nicht beschädigt. Die Behörden schließen nicht aus, dass eine Kernschmelze im Gang ist.

Der Evakuierungsradius um Fukushima 1 wird von zunächst zehn auf 20 Kilometer ausgeweitet. Zehntausende Menschen müssen ihre Häuser verlassen.

SONNTAG, 13. März:

Im Reaktor 3 von Fukushima 1 fallen alle technischen Vorkehrungen aus, um den nötigen Kühlwasserstand aufrecht zu erhalten. Einsatzteams pumpen Meerwasser in die beschädigten Reaktoren und versuchen, so den Ausfall der Kühlsysteme zu kompensieren. Auch im Reaktor 3 wird eine Kernschmelze befürchtet.

Nach Angaben des Betreibers Tepco überschreitet die radioaktive Strahlung in dem Akw die zulässigen Höchstwerte. Bereits rund 230.000 Menschen wurden aus der Gefahrenzone gebracht.

Auch für das Akw Onagawa wird wegen erhöhter Radioaktivität der Notstand ausgerufen, später wird aber Entwarnung gegeben. Im Kernkraftwerk Tokai 120 Kilometer nordöstlich von Tokio fällt eine Kühlpumpe aus, nach Angaben des Betreibers arbeitet aber eine Zusatzpumpe.

MONTAG, 14. März:

Im Reaktor 3 von Fukushima 1 ereignen sich zwei Explosionen, vermutlich Wasserstoffexplosionen. Fernsehbilder zeigen dicke, weiße Rauchsäulen über dem Reaktor. Der Reaktor selbst soll aber nach Betreiberangaben intakt sein. Durch die Explosion wird auch das Gebäude des Reaktors 2 beschädigt.

Auch im Reaktor 2 von Fukushima 1 bricht das Kühlsystem zusammen. Das Kühlwasser sinkt so stark ab, dass die Brennstäbe vollkommen freiliegen. Betreiber Tepco schließt nicht aus, dass es auch in diesem Reaktor zu einer Kernschmelze kommen könnte.

Die japanische Atomaufsicht schließt eine Katastrophe wie vor 25 Jahren in Tschernobyl aus. Das Land bittet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) angesichts der Nuklearkrise aber um die Entsendung eines Expertenteams. Auch die USA werden offiziell um Hilfe gebeten.

DIENSTAG, 15. März:

Im Reaktor 2 des Akw Fukushima 1 ereignet sich eine Explosion. Über die Frage, ob der Schutzmantel beschädigt wurde, gibt es zunächst widersprüchliche Angaben.

Im Reaktor 4 bricht nach einer Explosion ein Feuer aus, das später gelöscht werden kann. Das Feuer ereignet sich in einem Lager für benutzte Brennelemente, der Reaktor selbst war für Wartungsarbeiten stillgelegt.

Die japanische Regierung warnt erstmals vor einer „Gesundheitsgefährdung“ durch erhöhte radioaktive Strahlung. Die Strahlung um die Anlage Fukushima 1 sei „beträchtlich gestiegen“, sagt Regierungschef Naoto Kan. Auch in Tokio werden leicht erhöhte Strahlenwerte gemessen. Es wird erwogen, über dem Meiler aus Hubschraubern Wasser abzuwerfen.