„Bäuerinnen sind sexy“ – meint zumindest Lisa. Die 19-Jährige muss es eigentlich wissen, denn sie ist eine der sechs „Auserwählten“, die leicht bekleidet den Jungbauernkalender 2010 zieren (die anderen sechs Mädchen kommen aus Österreich). Der auf gut 5000 Exemplare limitierte Kalender – die inzwischen fünfte Auflage – hat nicht nur bei den jungen Landwirten inzwischen Kultstatus erreicht, wie der Vorsitzende der Bayerischen Jungbauernschaft, Ludwig Raßhofer, bei der Vorstellung der Kalender-Girls in Finning nahe dem Ammersee sagte. Das „fotografische Kunstwerk“ wird bis in die USA geliefert, „einige Exemplare schmücken sogar schon mexikanische Wohnzimmer“, weiß Raßhofer.

Lasziv räkelt sich Lisa auf der Felge des riesigen Hinterreifens eines Schleppers. „Ich bin stolz, dass ich ausgewählt wurde“, sagt die gelernte Ergotherapeutin aus der Oberpfalz, „ich habe mich bei den Fotoshootings sehr wohlgefühlt.“ Bei einem Dorffest in ihrer Heimat wurde sie auf den Kalender angesprochen, der Rest ergab sich von alleine. Lisa, die im elterlichen Bauernhof mithilft, wurde aus 380 Bewerberinnen in ganz Deutschland ausgesucht und ist nach den zwei Tagen vor der Kamera sicher: „Es wird ganz bestimmt ein sexy Kalender“.

Die Öffentlichkeit erfreut sich vermehrt an Themen der Landwirtschaft. Die Fernsehsendung "Bauer sucht Frau" hat überraschend gute Einschaltquoten, auch die seriöse Zeitschrift "Landlust" meldet Rekordzuwächse. Während es um den politische Rückhalt der Bauern nicht immer zum besten steht, wächst die Sympathie für das anstrengende, aber skurrile Landleben. Das städtische Publikum ist begeistert – freilich aus der Ferne.

Kathrin aus Mittelfranken – Nachname und genauer Wohnort der Models werden nicht verraten – ist die einzige der sechs jungen Frauen, die einmal den Hof der Eltern übernehmen wird. Professionell lächelt die 22-jährige Blondine in die Objektive der Kameras. Auch ihr haben die Shootings für den Kalender Spaß gemacht. Sie freut sich über die Unterstützung ihrer Eltern. Und wie reagiert der Freund auf die sexy Fotos von ihr? „Da müssen Sie ihn schon selber fragen“, meint die angehende Bäuerin, die in ihrer Freizeit reitet und gerne zum Tanzen geht.

Kathrins Namenskollegin Katharina hat erst vor wenigen Tagen Abitur gemacht. Jetzt spricht die 19-Jährige von einem Traum, der in Erfüllung gegangen ist: „Ich hätte nie damit gerechnet, ausgewählt zu werden.“ Leicht bekleidet vor der Kamera zu posieren „war anfangs ungewohnt, ich habe mich aber schnell hineingefunden“. In den nächsten Monaten will sich die Oberpfälzerin über ihre berufliche Zukunft im Klaren werden. In der Freizeit singt sie im Kirchenchor.

„Die Grenzen der Freizügigkeit bestimmen die Models selbst“, weiß die österreichische Fotografin Suzy Stöckl. Allzu nackte Tatsachen wie blanke Busen sind aber tabu, zumindest in der deutschen Version des Kalenders, die Österreicher sind in ihrer Ausgabe großzügiger. Kalender-Fotografin Stöckl lobt die „Natürlichkeit, die sich die Mädchen erhalten haben“.

Für den Jubiläums-Kalender 2010 ist die Jungbauernschaft wieder zur Natur zurückgekehrt. Der Grund: Die Nachfrage nach dem Kalender 2009, der erstmals im Studio entstand, war nicht so groß wie in den Jahren zuvor. „Daher sind wir wieder zurück zur grünen Wiese, zu Kühen und Traktoren“, erläutert Raßhofer. Der Jungbauern-Funktionär versteht den Kalender als „Botschafter einer modernen und zukunftsorientierten jungen Landwirtschaft.“ Seine Kalender-Girls will Raßhofer aber nicht als Gegenmodell zu kürzlich ebenfalls medienwirksam vor dem Berliner Kanzleramt in den Hungerstreik getretenen Milchbäuerinnen verstanden wissen.

Im Oktober beginnt der Verkauf des „etwas anderen Kalenders“, wie die Jungbauernschaft ihr Vorhaben nennt. Doch längst liegen die ersten Bestellungen vor. Raßhofer kennt seine Jungbauern. „Für viele ist der Kalender das Weihnachtsgeschenk schlechthin.“

BMO