Academy-Awards-Ticker

"Slumdog" und Kate Winslet siegen bei Oscars

Die 81. Verleihung der Academy Awards ist vorbei. Der große Abräumer des Abends war "Slumdog Millionär" mit acht gewonnenen Oscars. Und auch ein Deutscher konnte die Trophäe mitnehmen. Bei den Schauspielerinnen setzte sich Kate Winslet durch, bei den Männern gab es eine kleine Überraschung.

+++ 5:52 Uhr +++

"Slumdog Millionär" ist der beste Film des Jahres. Die Bühne steht voller Menschen, als der Produzent seine Rede hält. Den ganzen Abend über hatten die Macher des Films immer wieder die große "Slumdog-Millionär-Familie" gepriesen und das Gemeinschaftswerk betont.

Ein Siegeszug. Acht Oscars hat der Film über einen Inder, der in Bombay bei der Fernsehserie "Wer wird Millionär?" gewinnen will, insgesamt gewonnen. Bei zehn Nominierungen! Der 13 Mal nominierte Film "Der seltsame Fall des Benjamin Button" mit Brad Pitt ist der große Verlierer des Abends, abgeschlagen mit drei Oscars in Nebenkategorien.

Das Drama des britischen Regisseurs Danny Boyle ("Trainspotting") gewährt über die Fragen, die den 18-jährigen Jamal zum Sieg bringen, einen ungewohnten Einblick in die indische Realität der letzten 20 Jahre – mit eindrucksvollen Bildern, Witz und Verstand. Der Film hatte sich über die "Award Season" hinweg schon zum Favoriten herauskristallisiert, unter anderem wegen des liebenswerten Hauptdarstellers Dev Patel und aufgrund des packenden Erzählstils. Trotz der teils erschreckenden Wendungen der Story wird der Film nie bitter. (Eine indische Kritik an dem Film lesen Sie hier.)

Der Jahrgang 2009 zeigt erneut, dass uramerikanische Filme weniger Chancen haben als exotische Außenseiter. "Slumdog Millionär", der für 15 Millionen Dollar und ohne bekannte Schauspieler in Bombay gedreht wurde, hat sich trotzdem zu einem Hit entwickelt. "Benjamin Button", mit 150 Millionen Dollar Kosten zehn mal so teuer, ist ein breit angelegtes Melodram, voller Nostalgie und goldgelbem Licht, und mit Brad Pitt und Cate Blanchett als Stars. Das Rezept ging an den Kinokassen, aber nicht bei den Oscars auf. Die Filme, die außerhalb Hollywoods hergestellt werden, gelten mittlerweile als wesentlich glaubwürdiger. Das gilt nicht bloß für "Slumdog Millionär", sondern auch für ein nonkonformes Werk wie "Milk" mit Sean Penn.

Gleichzeitig zeigt der "Slumdog"-Sieg, dass die globale Perspektive für das Kino immer wichtiger wird. Gerade Indien als Filmmarkt und als Land von schwer reichen Investoren der Filmbranche steht sehr im Fokus der US-Filmindustrie.

+++ 5:44 Uhr +++

Überraschung: Sean Penn ist der beste Hauptdarsteller als Harvey Milk in "Milk". Er spielt darin den berühmten schwulen Politiker Harvey Milk, der in San Fransisco zum Stadtrat gewählt und 1978 erschossen wurde. (Die Kritik zum Film lesen Sie hier.) Der 48-Jährige begrüßt das Publikum mit den Worten "Ihr Kommunisten und Schwule liebende Hundesöhne", hält aber eine bewegende Rede für die Rechte der Schwulen, und er lobt sein Land, preist ein Land, das den Mumm hat, einen "eleganten Mann als Präsidenten zu wählen". Penn ist dabei gar nicht der arrogante Arsch, als der sonst gefürchtet ist, sondern für seine Verhältnisse angenehm milde, zurückhaltend und – süß. „Ich habe das nicht erwartet", sagt er, "und möchte klar sagen, dass ich weiß, wie schwer ich es ihnen mache, mich anzuerkennen."

Dann tritt er für die Rechte der Schwulen ein: "Ich glaube, es ist ein guter Moment für all jene, die gegen die Aberkennung der Schwulenehe in Kalifornien gestimmt haben und damit die große Schande und die Schande in den Augen ihrer Enkel bewusst gemacht haben. Wir müssen die gleichen Rechte für jedermann haben."

Sean Penn ist als bad boy of Hollywood bekannt, als Vorzeige-Liberaler, der gerne auf alle Füße tritt, die er finden kann. Und normalerweise verachtet er das Establishment noch mehr als George W. Bush – und das will etwas heißen. Penn ist ein großer Außenseiter und Nonkonformist, der nicht bloß als Darsteller, sondern auch als Regisseur ("Into The Wild") brillante Arbeit leistet.

Seinen ersten Oscar hatte Penn 2004 für die Rolle in Clint Eastwoods Film "Mystic River" gewonnen. In der ersten Reihe des Kodak Theatres saß seine zweite Ehefrau, die Schauspielerin Robin Wright-Penn. Im letzten Jahr wollte das Paar, das seit 1990 liiert und seit 1996 verheiratet ist, sich scheiden lassen, die Prozedur wurde allerdings gestoppt.

+++ 5:37 Uhr +++

Robert de Niro sagt es frei heraus: "Wie hat Sean Penn es geschafft, all die Zeit Rollen zu kriegen, in denen er Heteros spielt?" Seine Rede über den nominierten Schauspieler klingt so, als sei er bereits der Sieger.

+++ 5:32 Uhr +++

Jaaaah. Kate Winslet gewinnt nach fünf vergeblichen Versuchen den Oscar als beste Schauspielerin. Sehr verdient. Sie stöhnt und seuzt und atmet schwer, bevor sie gesteht, dass sie als Achtjährige schon im Badezimmer vor dem Spiegel eine Dankesrede gehalten hat, mit einer Shampooflasche als Oscar. Jetzt hat sie einen echten Oscar.

Kate Winslet bedankt sich artig, dass sie die Deutsche Hanna Schmitz spielen durfte, und das vielleicht Erstaunlichste an diesem Film ist, wie ungemein deutsch sie ist. Wie sie die Schultern hängen lässt, wie sie beim Gehen mit den Füßen aufstampft, als wolle sie Rasen plätten, wie ihre englischen Worte zuweilen im Kasernenton gebellt werden – all das ist fantastisch abgeschaut. "germanizing" hat Winslet das in Berlin vor zwei Wochen genannt. Das trifft es. Man darf den Oscar als Leistung für die beste Deutsch-Werdung begrüßen.

Kate Winslet bedankt sich in ihrer Rede bei ihrem Vater, "wo immer er auch gerade sein mag". Da pfeift es im Saal irgendwo von weit links oben. Winslet tritt vom Mikrofon zurück, schreit "Hey", reckt den Arm und winkt enthusiatisch.

Als sie sich am Ende fast taumelnd umdreht, sieht man, dass die Betonfrisur eine Grace-Kelly-look-a-like-Frisur ist. Aber, nein, wir mögen uns trotzdem nicht damit anfreunden.


+++ 5:27 Uhr +++


Beste Schauspielerinnen loben die nominierten besten Schauspielerinnen. Shirley Maclaine ermuntert Anne Hathaway: "Keep singing, too." Wir würden sonst nie etwas Unfeines über die anbetungswürdige Kate Winslet sagen, aber die Betonfrisur, die sie heute trägt, hätte nicht sein müssen.


Wie allerdings Sophia Loren den rechten Arm in die Hüfte stellt, ist groß.


+++ 5:20 Uhr +++


Danny Boyle gewinnt als bester Regisseur. Er sagt: "Sie sind so großzügig zu uns heute Abend", womit er zweifellos Recht hat. Boyle erzählt die rührende Geschichte, dass er in den Credits seines Films einen indischen Mitarbeiter vergessen hat zu erwähnen, der den Schlusstanz des Films choreografierte. "I'm an Idiot", ruft er und entschuldigt sich wortreich. Stephen Daldry, Regisseur von "Der Vorleser" und David Fincher, "Benjamin Button", schauen verdrossen zu.


+++ 5:18 Uhr +++


Jetzt kommen die Hauptpreise. Reese Witherspoon stellt die Regisseure vor. Sie hat – selten! – ein Kleid mit Trägern an.


+++ 5:07 Uhr +++


Schade. Der Oscar für den besten fremdsprachigen Film geht weder an "Baader-Meinhof-Komplex", noch an den österreichischen Film "Revanche", noch an "Waltz with Bashir", der der Favorit der Kategorie war. Es gewinnt der japanische Film "Departures".

+++ 5:06 Uhr +++

Liam Neeson raunt bedeutungsschwanger "Terror", als er "Baader-Meinhof-Komplex" ankündigt.


+++ 4:58 Uhr +++


Beide Musik-Oscars an "Slumdog" und den Komponisten A.R. Rahman. Das ist eindeutig der Abend des britisch-indischen Films. 6:3 gegen "Benjamin Button", der immerhin 13 Mal nominiert ist.


+++ 4:49 Uhr +++


Wir lieben Jerry Lewis. Alle. Auch wenn wir glauben, wir fänden Jerry Lewis doof. Er hat uns über verregnete Nachmittage hinweggeholfen und zum Lachen gebracht, wenn die Eltern entsetzt die Köpfe schüttelten über die Albernheiten. Er hat die „funny bones“ in unzähligen Filmen gezeigt, und manchmal erschütternd falsch gesungen. Und, nicht die geringste Qualität, er hat in „Der verrückte Professor“, der Welt das Rezept für den „Kalten Eisbären“ geschenkt und, im Gegensatz zum Barmixer, der nur daran nippte, den Genuss auch verkraftet. Hier die Anleitung: Zwei Schuss Wodka, ein bisschen Rum, etwas Bitter, ein paar Tropfen Essig, ein Schuss Wermut, ein Schuss Gin, ein Schuss Scotch, ein wenig Brandy, eine Zitronenschale, Orangenschale, Kirsche, noch etwas mehr Scotch.


Jerry Lewis nimmt den Ehren-Oscar für das Lebenswerk entgegen, weint ein bisschen, spricht mit brüchiger Stimme und ruft "Thank you and good night" als sei das ein Abgang für immer.


+++ 4.35 Uhr +++


Beim Schnitt gewinnt auch " Slumdog Millionär ". 4:3. Sieht im Augenblick doch sehr nach Siegeszug aus.



+++ 4:32 Uhr +++

Beste Tonmischung geht an "Slumdog Millionär". Damit steht es 3:3 im Wettstreit "Slumdog" gegen "Benjamin Button".


+++ 4:28 Uhr +++


Jetzt gibt's was auf die Augen. Der Oscar für die besten visuelle Effekte wird vergeben. Und schon wieder gewinnt "Der seltsame Fall des Benjamin Button". Seltsam. Und "The Dark Knight" bekommt seinen zweiten Oscar für den besten Tonschnitt.


+++ 4:15 Uhr +++


Bester Dokumentarfilm: "Man on Wire". Bei der Dankesrede gibt es dann einen Hauch von Benigni. Die Oscarstatue wird auf dem Kinn balanciert, die Zuschauer sind amüsiert. Der Oscar für den besten Dokumentarkurzfilm geht danach an "Smile Pinki". Und schon wieder ein rotes Kleid auf der Bühne.


+++ 4:07 Uhr +++


Natürlich. Heath Ledger siegt. Die Eltern und seine Schwester treten auf und nehmen den Preis entgegen. Es ist sehr, sehr still im Saal, während der Vater stockend spricht. (Mehr über Ledger: hier)

+++ 4:04 Uhr +++

Bester Nebendarsteller. Wenn da nicht Heath Ledger gewinnt ... Kevin Kline preist ihn an. Beifall.


+++ 3:53 Uhr +++


Hugh Jackman singt schon wieder. Mit Showtreppe und dem Fred-Astaire-Song "Puttin on the Ritz" meets "Maria" aus "West Side Story". Dann kommt Beyoncé, die auf der nach oben offenen Mariah-Carey-Skala ganz schön üppig geworden ist. Die Nummer wirkt mehr bemüht als fein, auch wenn Jackman laut "The Musical is back" schreit.

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