Es gibt keine Zahnbürsten und keinen Alkohol mehr am Flughafen Heathrow, aber das ist zu verkraften. Schlimmer sind das Warten, die Kälte, die Unsicherheit. Das berichtet dpa-Mitarbeiter Christian Jung von Terminal 1.

Zusammen mit seiner Frau gehört er zu den tausenden Passagieren, die auf unbestimmte Zeit in London festsitzen. Derzeit versuchen sie irgendwie, den größten Passagierflughafen Europas wieder zu verlassen. Sie werden in der Umgebung für längere Zeit Quartier nehmen müssen: Heathrow bleibt möglicherweise auch am Montag weitgehend geschlossen.

"Hier machen sich Hoffnungslosigkeit und Ärger breit“, sagte der 32-jährige. Kaum jemand wisse, wie es weitergehen solle. „Die Leute sind nervös, einige rasten aus“, ergänzt er.

Im wegen Überfüllung geschlossenen Terminal 1 hätten viele Menschen die Nacht irgendwie überstanden. Dünne Alufolien sollten vor der Kälte schützen. "Die Engländer sind mit mehr als fünf Zentimetern Schnee überfordert, das sieht man hier allerorten“, sagt Jung.

Besonders für Familien und Behinderte sei es schwer: „Es gibt keine Hilfe für die Leute. Alle sind auf sich allein gestellt. Einige können nicht mehr. Die Toiletten sind vollkommen verdreckt.“ Auch das Internet an dem großen Luftdrehkreuz ist überlastet. So ist es für viele Reisende zusätzlich schwer, ihre nächsten Schritte zu planen.

Etwas Kaffee sei noch zu haben, „aber nach dem fünften davon hat man da auch keine Lust mehr drauf“. Das verbliebene Angebot an Süßigkeiten lade ebenfalls nicht mehr dazu ein zuzugreifen.

Via Handy und über einen deutschen Anbieter hat sich Jung für den Abend ein Hotel in London gesichert. "Ich war nicht der einzige mit dieser Idee. Man hat mir dort gesagt, dass es im Umkreis von zehn Kilometern um Heathrow keine Unterkünfte mehr gibt.“

Selbst der Rückweg in die britische Hauptstadt gestaltete sich am vierten Advent mehr als schwer: Die U-Bahn nimmt immer nur ein paar Leute mit. Hunderte andere müssen warten. „Und weil es auf einer großen Kreuzung vor dem Flughafen einen Unfall gab, kam auch kein Taxen mehr durch.“

Während er sich auf den Weg macht, versucht er von Zeit zu Zeit die Lufthansa zu erreichen: „Ich habe es seit Samstagabend etwa 150 Mal versucht. Es meldet sich niemand. Auf keiner Nummer.“ Alles in allem lautet Jungs Empfehlung: „Weg von Heathrow. Da wird man heute nicht glücklich.“ Irgendwo wird er am Montag irgendwie seinen 33. Geburtstag feiern.

dpa/cor