Mit Halloween hat Joachim Trinks aus dem brandenburgischen Dorf Jeserig so gar nichts am Hut. Niemals käme er auf die Idee, seine prächtigen Kürbisse auszuhöhlen, die wertvollen Samen wegzuwerfen und dann auch noch eine Grimasse in die Schale zu schnitzen. Auch wenn die goldgelbe Kürbispflanze zum Sinnbild des Halloweenfestes geworden ist, macht sich Gärtnermeister Trinks lieber daran, nach der perfekten Saat und dem fruchtbarsten Boden für seine Riesenkürbisse zu suchen.
Der 68-Jährige ist einer der erfolgreichsten Kürbiszüchter Deutschlands und dabei noch ein relativer Neuling in der Szene. Vor gut einem Jahr hievte der Rentner seine ersten Riesenkürbisse aus seinem Garten. Sie waren groß – der prächtigste hatte einen Umfang von 2,70 Meter – und dennoch eine Enttäuschung für den Gärtnermeister im Ruhestand. Auf die Ausmaße kommt es gar nicht an. Das Gewicht ist die Währung, die über Erfolg oder Niederlage bei der Kürbiszucht entscheidet. Und so brachte es Trinks' größter Kürbis 2007 nur auf schwächelnde 197 Kilogramm.
In diesem Jahr wollte Trinks alles besser machen. Er kaufte teure Kerne und präparierte seinen Sandboden mit Kuh- und Pferdemist, Torf und Kompost. Diesmal wog sein schwerster Kürbis 260,5 Kilo – der Sieg bei der berlin-brandenburgischen Meisterschaft im Kürbiswiegen war ihm sicher. Zuversichtlich reiste er zu den deutschen Meisterschaften – und musste dort einsehen, dass ein echter Siegerkürbis gut 600 Kilo auf die Waage bringt.
Verdammt zwischen Hölle und Himmel zu wandern
Joachim Trinks will es nächstes Jahr wissen: Er hat sich ganz besondere Kerne von noch größeren Kürbissen besorgt, er hat spezielles Saatgut bestellt, und er hat fünf Carports gebaut. Für jeden Kürbis einen. Im April, zur Aussaat, beginnt wieder der Countdown. „Jede Pflanze bekommt jetzt 50 Quadratmeter Boden“, sagt Trinks. Nun muss der Frühling nur noch schön werden – je wärmer, desto besser für die Frucht: „Bei 28 bis 30 Grad fühlt sich der Kürbis am wohlsten.“ Trinks will nun endlich den Sprung in die erste Liga der Kürbiszucht schaffen: „400 Kilo sind mein Ziel. 450 Kilo müsste ich auch schaffen.“
Dass vor allem in Nordamerika die Kürbisse dafür verwendet wenden, mit ihren eingeschnitzten Gesichtern und den flackernden Kerzen die bösen Geister abzuschrecken, lässt Züchter Trinks kalt. Auch wenn der Ursprung des Brauchs ein europäischer ist: Aus Irland stammt die Geschichte vom verstorbenen Jack O'Latern, der aus der Hölle entkommen war, für den die Tür zum Himmel aber verschlossen blieb.
So war er verdammt, ewig zwischen Hölle und Himmel zu wandern. Dabei trug er eine Kerze in einer ausgehöhlten Rübe. Mit seinen Kürbissen werde so etwas aber nicht gemacht, stellt Trinks klar. „Ich züchte die Kürbisse nur für mich selbst.“ Mit Nahrung haben aber auch seine Giganten nichts mehr zu tun. Sie sind wegen ihrer Bitterstoffe ungenießbar.




