Quandt-Erbin

Erpresser wollte 290 Millionen von Susanne Klatten

Der Erpresser Helg S. forderte weit mehr Geld von der Milliardärin Susanne Klatten, als bisher bekannt wurde. Dies geht aus dem Vernehmungsprotokoll hervor, in dem die Quandt-Erbin ihren Fall der Polizei schildert. Ihre wortgenaue Aussage kursiert im Internet. Was die reichste Frau Deutschlands der Polizei erzählte.

Foto: ddp / DDP

Der Schweizer Helg. S., der unter anderen die Milliardärin Susanne Klatten (46) erpresst haben soll, wollte offenbar weit höhere Summen haben als bisher bekannt. Das geht aus einem Vernehmungsprotokoll vom vergangenen April hervor, in dem die Quandt-Erbin ihren Fall bei der Münchner Polizei detailliert schildert und das die italienische Zeitschrift „ L'espresso “ jetzt ins Internet stellte, zusammen mit den Aussagen zweier weiterer Frauen, die der Gigolo auf ähnliche Weise umgarnt hatte.

Eine der beiden Frauen, Monika S., gehört zum Bekanntenkreis von Susanne Klatten. Die andere, Marie Luise H, sei wiederum mit Monika S. befreundet, gab Klatten zu Protokoll.

Klatten, mit der S. im Juli 2007 in einem Hotel in Österreich eine Affäre begann, hatte diesem zunächst sieben Millionen Euro freiwillig gegeben, nachdem er ihr eine mysteriöse Geschichte aufgetischt hatte: Er habe in den USA ein Mädchen angefahren und müsse zehn Millionen Euro zahlen, habe aber nur drei. Die fehlende Summe, so Klatten, habe sie ihm in 200-Euro-Scheinen in einer Hotelgarage übergeben. Schriftliche Garantien habe sie nicht gewollt: "Ich wollte, dass das Geld später einer gemeinnützigen Organisation gespendet würde. Er fand die Idee wunderbar."

Dass er es nur auf ihr Geld abgesehen habe könnte, sei ihr im Oktober aufgegangen, als S. sie in eine Wohnung einlud, die er angeblich für sie beide gemietet hatte. Die Wohnung lag mitten in München, nahe am Hotel "Holiday-Inn". „Sie war leer, es gab nicht mal Vorhänge, aus den Büros gegenüber konnte man direkt hineinsehen“, so Klatten im Protokoll. "Bei diesem Treffen stellte Herr S. mir ein Ultimatum. Ich sollte meinen Mann verlassen. Er könne mir zwar finanziell nichts bieten, sagte er, aber er wisse eine gute Möglichkeit, Geld in einen Fonds zu investieren. Da ahnte ich, dass er von meinem Geld sprach. Es ging um 290 Millionen Euro."

Danach habe sie sich ihrem Mann offenbart und das Verhältnis telefonisch beendet, so Klatten. Helg S. habe daraufhin gefragt: "Was ist los? Setzt dir jemand die Pistole an den Kopf?" Als sie im Oktober in den Lanserhof zu einem Kurzaufenthalt zurückkehrte, habe S. ihr einen unbeschrifteten Umschlag mit Fotos von intimen Begegnungen der beiden überreichen lassen. S. habe in Briefen zunächst 28, später nur noch 14 Millionen Euro gefordert, so Klatten.

Andere Opfer mit gleicher Masche betrogen

Auch Monika S. hat den Gigolo im Luxushotel "Lanserhof" kennengelernt, einige Wochen früher als Susanne Klatten. Eine Frau K. habe die beiden miteinander bekannt gemacht, sagte Monika S. der Polizei. "Sie sagte, Helg S. sei ein sehr interessanter Mann. Er habe gute Kontakte zu Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank." Später tischte S. der betuchten Dame fast dieselbe Geschichte auf wie später Susanne Klatten: Er besitze ein Übersetzungsbüro, arbeite für eine Firma namens M&A. Er sei in Argentinien aufgewachsen, habe ein Schweizer Internat besucht und sich früh von seinen Eltern und dem Rest der Familie distanziert.

Bei Monika S. gibt sich der Gigolo nicht als Militär im Sondereinsatz in Krisengebieten aus wie bei Klatten, sondern als Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Rom. Er besitze Diplomatenstatus. Kurz nach einem gemeinsamen Rom-Urlaub im Juli 2007 rief er sie aufgelöst an und erzählte, er habe in Bologna einen Unfall gehabt. Er sei mit einem Motorradfahrer zusammengestoßen, ein Kind sei auf die Motorhaube gefallen. Jetzt fordere die Mafia drei Millionen Euro von ihm. Er wolle bezahlten, ihm würden jedoch 300.000 Euro fehlen. Sie zahlt.

Als sie ihn im Dezember mit seinen Lügen konfrontiert – er wurde im Lanserhof gesehen, obwohl er ihr von geheimen Missionen vorgeflunkert hatte, wird der Gigolo ungehalten: "Er war extrem wütend, wenig elegant. Er wollte sich rächen an Frau K., die nur meine Beziehung zu ihm zerstören wolle." Er gibt Monika S. 10.000 Franken, als erste Rate für die 300.000 Euro. Danach hört Monika S. nichts mehr von ihm – Anfang Januar wird er festgenommen, nachdem Susanne Klatten ihn angezeigt hatte.

Auch bei Marie Luise H. versucht Helg S. es mit derselben Masche. Kennengelernt hat er sie ausgerechnet über ihren Ehemann: "Er hat ihn 2005 in einem Hotel in der Schweiz das erste Mal getroffen. Danach sind wir ihm dort mehrfach begegnet." Sie ist offenbar die erste der drei Damen, denen S. seine Story von der Kindheit in Südamerika, von der Familie, von der er sich getrennt hat, und dem Unfall. Ihre Geschichte beginnt Anfang 2006. In der Folge übergibt sie ihm insgesamt 600.000 Euro. Er fordert weiteres Geld, Ende 2007 beginnt er, sie mit Bildern zu erpressen, fordert zwei Millionen Euro. Sie nimmt sich einen Anwalt. Noch einmal ruft er sie an: "Er verlangte in barschem Ton, ich solle ihn in Ruhe lassen, und im übrigen habe er nie Geld von mir erhalten."

Erpressungsopfer Susanne Klatten zeigte den Schweizer Helg S. an

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