In der chilenischen Atacama-Wüste ist die spektakulärste Rettungsaktion in der Geschichte des Bergbaus erfolgreich angelaufen: Nach mehr als zwei Monaten eingeschlossen unter der Erde kehrte der erste der 33 verschütteten Bergleute in der Mine San José in einer Rettungskapsel an die Erdoberfläche zurück. Hunderte Angehörige der Bergleute feierten die Nachricht als „Wunder“. Noch nie haben Menschen so lange unter Tage überlebt, wie die als „Die 33“ berühmt gewordenen Bergleute in Chile. Bei der mit Spannung erwarteten Rettungsaktion machte der 31-jährige Grubenarbeiter Florencio Avalos den Anfang. Er bestieg die vier Meter lange Rettungskapsel „Phönix 2“.
Unter Tage ließ er auch seinen 29-jährigen Bruder Renan zurück. Als er nach fast zehn Wochen in dem Bergwerk an die Erdoberfläche zurückzukehrte, jubelten hunderte Angehörige der 33 Bergleute und brachen vor Erleichterung in Tränen aus. „Das ist ein großes Glück, ich bin sehr glücklich“, sagte Avalos’ Vater Alfonso. Ein Onkel des geretteten Bergarbeiters sprach von einem „Wunder“. Auch Chiles Staatschef Sebastian Piñera ließ es sich nicht nehmen, bei der Rettungsaktion dabei zu sein. „Unser erster Bergarbeiter ist bei uns“, verkündete er sichtlich glücklich. Nach mehreren Leerfahrten zum Testen der Kapsel war zunächst eine Einsatzkraft zu den Kumpeln hinabgefahren. Manuel González hatte sich vor Fahrtantritt einen Spezialanzug angezogen und eine Sauerstoffmaske übergestreift. Von den Grubenarbeitern wurde er mit Applaus empfangen. Danach scharten sie sich um ihn, um seinen Anweisungen für die Rettungsaktion zuzuhören.
Die Reihenfolge, in der Grubenarbeiter aus dem eingestürzten Bergwerk gebracht werden, war zuvor von der Einsatzleitung festgelegt worden. Dabei galt der Grundsatz, zunächst „die geistig Fittesten“ an die Erdoberfläche zu holen, die auf eventuell auftretende Probleme in der Kapsel reagieren können. Danach sollen die Schwächsten und am Ende die körperlich Stärksten folgen. Nach Avalos sollten der 39-jährige Mario Sepúlveda, der 52-jährige Juan Illanes und der 23-jährige Carlos Mamani, der einzige Bolivianer in den Reihen der verschütteten Bergarbeiter, in die Kapsel steigen.
Pro Kumpel sollte die Rettung etwa eine Stunde dauern. Da Avalos aber deutlich schneller an die Erdoberfläche gebracht wurde, keimten Hoffnungen auf, dass die Rettungsaktion schneller zu einem guten Ende gebracht werden kann als zunächst angenommen. Nach ihrer Rettung dürfen die Bergarbeiter zunächst jeweils bis zu drei Angehörige in ihre Arme schließen. Sie werden von Ärzten vor Ort untersucht und dann für einen ausführlichen Gesundheitscheck ins Krankenhaus geflogen.
Der Rettungsaktion war ein nervenaufreibendes Hoffen und Bangen vorausgegangen. Der Einsatz wurde wegen zusätzlich notwendiger Installationen und Tests zunächst um zwei Stunden verschoben. Bei der ersten unbemannten Testfahrt wurde die vier Meter lange Kapsel zudem leicht beschädigt.Die kleine Gold- und Kupfermine San José am Rande von Copiapo in der Atacama-Wüste war Anfang August eingestürzt. Nachdem von den 33 verschütteten Bergleuten zunächst jedes Lebenszeichen fehlte und die Regierung die Hoffnung schon fast aufgab, wurden sie nach gut zwei Wochen lebend geortet. Seitdem wurde mit mehreren Bohrern an einem Rettungsschacht für sie gearbeitet. Das Schicksal der Bergleute sorgt weltweit für Aufsehen und Anteilnahme. Außer den rund 800 Angehörigen der Bergleute versammelten sich rund 2000 Journalisten an der Mine, um über das „Wunder von San José“ zu berichten.
AFP/cat

