Frankreich

Depardieu jr. – Tod eines Selbstzerstörers

| Lesedauer: 4 Minuten

Frankreich ist bestürzt über den Tod des 37-jährigen Schauspielers Guillaume Depardieu. Filmschaffende beklagen den Verlust eines der Besten ihrer Zunft. Gerard Depardieus Sohn ist auch für sein gefährliches Privatleben bekannt. Und dafür, dass er sich gegen den Rat der Ärzte sein Bein abnehmen ließ.

Er fühle sich wie ein alter Mann, hat Guillaume Depardieu kürzlich erzählt. Nun ist der Sohn von Gerard Depardieu in einem Krankenhaus in Garches bei Paris an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Mit 37. Depardieu kam erst am Sonntag von Dreharbeiten in Rumänien zurück, wo er sich die Lungenentzündung zuzog. In der Nacht zum Montag wurde er ins Raymond-Poincaré-Krankenhaus gebracht. Dort konnten ihm die Ärzte dann aber nicht mehr helfen.

Frankreich ist geschockt. Die großen französischen Tageszeitungen widmeten Depardieu ganzseitige Porträts. Schon längst war Depardieu junior mehr als nur der Sohn eines großen Schauspielers, sondern galt selbst einer der besten seiner Zunft. Seit seiner ersten Rolle in einem Fernsehfilm Anfang der 90er Jahre spielte er in rund zwanzig Filmen mit. Für Regisseurin Josée Dayan war Guillaume Depardieu „der zarteste Schauspieler seiner Generation“. Pierre Salvadori, mit dem Depardieu „Die Anfänger“ drehte, würdigte dessen „verwirrenden und originellen Stil“. Der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang bilanzierte: „Guillaume hatte die Vollendung erreicht.“ Darüber hinaus sei der Sohn von Frankreichs Filmstar Gérard Depardieu ein „unendlich guter“ und feinfühliger Mensch gewesen.

Einer, der allerdings auch alles andere als nett und gut sein konnte. Schon seit seiner Jugend machte der sensible und fragile Guillaume immer wieder Schlagzeilen mit Drogen- und Gewaltproblemen. Er flog von der Schule, nahm Drogen, trank zuviel. Prostituierte sich, landete im Gefängnis, ging wegen einer Waffengeschichte erneut in Haft. Und erst im Juni dieses Jahres war er wieder zu zwei Monaten Haft verurteilt worden, weil er zum wiederholten Male betrunken am Steuer gesessen hatte. Im August verunglückte er abermals alkoholisiert mit einem Motorroller am Stadtrand von Paris.

Im Krankenhaus komponierte er eine Oper

Andere Leute wären allerdings vielleicht gar nicht mehr auf ein motorisiertes Zweirad gestiegen: In Folge eines Motorradunfalls hatte Depardieu schließlich ein Bein verloren. 1995 wurde Depardieu er verletzt, als ein Koffer von einem vorausfahrenden Auto herunter fiel. Er wurde 17 Mal operiert und litt unter Infektionen, die sich durch seinen anhaltenden Drogenkonsum noch verschlimmerten. Gegen den Rat der Ärzte entschied er sich für eine Amputation des betroffenen Beins. Während seines Krankenhausaufenthaltes widmete er sich der Musik und verfasste unter anderem eine Oper.

Anders als seine Schwester Julie, die auch Schauspielerin wurde, kämpfte Guillaume Depardieu jahrelang gegen seinen übermächtigen Vater an, gerne auch öffentlich. Sein Vater sei nie für ihn dagewesen, sagte der Jungschauspieler in Interviews, der Name Depardieu mache ihm das Leben schwer. Bis es dem Vater irgendwann zuviel wurde - er wolle nicht länger als Mülleimer für seinen Sohn herhalten, polterte Depardieu senior und brach den Kontakt zu Guillaume vorübergehend ab. Was solle „schwer“ daran sein, sein Sohn zu sein? Und im Übrigen: Wenn sein Name zu sehr auf dem Sohn laste, solle er ihn doch einfach ändern, „das habe ich ihm schon mal gesagt!“

Dennoch traten beide mehrfach gemeinsam vor die Kameras. Unvergessen ist Guillaume Depardieus erste große Rolle an der Seite seines Vaters, 1991 in dem Film „Die siebente Saite“ (Tous les matins du monde). 1996 wurde Guillaume Depardieu als talentiertester junger Schauspieler mit einem César ausgezeichnet. Damals hatte er gerade mit dem Film „Die Anfänger“ (Les Apprentis) Furore gemacht. Danach folgten unter anderem Rollen in „Der Graf von Monte Christo“ (1998) und „Les Misérables“ (2000). Auf dem diesjährigen Filmfestival von Cannes lief das Drama „Versailles“, in dem Guillaume Depardieu mitspielt.

Womöglich hat seine Leidenschaft für den Film Depardieu nun das Leben gekostet: Laut Filmproduzent Dan Burlac, mit dem er bis vergangene Woche in Rumänien gedreht hatte, habe Depardieu sich schon während der Dreharbeiten Medikamente aus Frankreich schicken lassen und dies mit seinen früheren Krankheiten begründet. „Es war ihm wichtig, den Film zu machen, und er hat alles gegeben“, sagte Burlac. Am Freitag habe die ganze Crew das Ende der Dreharbeiten gefeiert, und Depardieu habe bei dem Abendessen gute Laune gehabt.

Guillaume Depardieu, der mehrere Jahre mit der Schauspielerin Élise Ventre verheiratet war, hinterlässt eine Tochter.

( AFP/AP/dpa/str )

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