Nachtmagazin

Ins Bett mit der frechen, kleinen Schwester

| Lesedauer: 2 Minuten
Alexander Kohnen

Foto: KPA

Das "Nachtmagazin" der ARD ist nicht so pedantisch-seriös wie die "Tagesschau", findet unser Autor. Außerdem wird es von Gabi Bauer unterhaltsam, kritisch und klug moderiert. Genau das Richtige, um danach sanft in den Schlaf zu gleiten.

Ein Magazin muss nicht notwendigerweise das Munitionsdepot einer Waffe sein. Es kann sich dabei auch um eine Fernsehsendung mit Nachrichtencharakter handeln. Wie das Nachtmagazin, die Spätausgabe der ARD-Nachrichten, vom Ablauf verwandt mit der großen Schwester, der Tagesschau.

Die große Schwester ist das Nonplusultra, die Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Seriöser geht es nicht. Das Nachtmagazin, die kleine Schwester, ist frecher. Sie nimmt es sich etwa heraus, um 0:49:10 zu beginnen – statt wie angekündigt um 0:45:00. Das darf sie. Denn alle Pedanten, für die die Welt untergehen würde, wenn die Tagesschau nicht exakt um 20:00:00 anfängt, träumen schon süß von der nächsten Steuererklärung.

Nicht frech, dafür fesch: Gabi Bauer. Moderatorin. Nicht Nachrichtensprecherin. Sie trägt eine pastellfarbene Bluse – statt eines dunklen Hosenanzugs wie Susanne Daubner, ihre Kollegin bei der Tageschau. Die Ankündigung der Beiträge ist nicht streng nachrichtlich, sondern orientiert sich mehr an Boulevardformaten. Aber immer ohne grell und breitbeinig daherzukommen, wie die späten Nachrichten auf den Privatsendern. Gabi Bauer, die ihre Texte laut ARD selbst schreibt, moderiert auch in einem etwas anderen Stil als Will und Co.

Die Probleme von Daimler-Chrysler moderiert sie mit Bezug auf den früheren Vorstandsvorsitzenden an: „Schrempp war Monopolyspieler.“ Und das sonst oft so langweilige Thema Valentinstag so: „Na?“ Pause. „Rote Rosen? Oder Parfüm?“ Die Beiträge können sich mit dem Niveau der Tagesschau messen, oft sind sie aus den gleichen Versatzstücken zusammengebastelt. Und manchmal, wie im Fall des Unicef-Berichtes, der den Status der Kinder in Deutschland als schlecht beurteilt, werden sie noch angereichert mit einem kulturellen Bezug: Auf der Berlinale wird gerade ein Dokumentarfilm gezeigt, der dieses Thema aufarbeitet – indem ein Achtjähriger gefilmt wurde, der sich um seine kleinere Schwester kümmern muss.

Gabi Bauer ist beim Nachtmagazin irgendwie zwischengeparkt worden. Früher war sie sehr beliebt als Moderatorin der Tagesthemen, dann Mutterschaftsurlaub, anschließend der Flop mit einer nach ihr benannten Interviewsendung. Seit Anfang 2006 moderiert sie nun das Nachtmagazin im wöchentlichen Wechsel mit Anja Bröker.

Die wird demnächst von einem Mann mit dem vielversprechenden Namen Ingo Zamperoni abgelöst. Parallel wird auf den Medienseiten der Republik diskutiert, ob Gabi Bauer nicht wieder bei den Tagesthemen anheuern sollte. Anne Will wird schließlich Nachfolgerin von Sabine Christiansen. Das Personalkarussell dreht sich. Gabi Bauer moderiert. Spritzig, überraschend. Und klug. Das Nachtmagazin mag frech sein – doch zu später Stunde ist es die richtige Alternative zur älteren Schwester.

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