Ein Euro ist ein Euro ist ein Euro. Ein französischer sollte also genauso viel wert sein wie ein deutscher, belgischer oder spanischer. Die Menschen in 16 EU-Staaten zahlen mit Euro – und neun Nicht-EU-Staaten, zusammengenommen 330 Millionen Bürger. Auch die knapp 1000 Einwohner des Vatikans. Aber im Kleinstaat hat der Euro eine wundersame Wertsteigerung erfahren, die niemanden stört, am wenigsten den Vatikan selbst. Denn der verdient ganz prächtig an seinen Münzen.

Die niedrigste Ausgabeauflage aller Mitglieder der Europäischen Währungsunion sorgte dafür, dass vatikanische Euro nie in den allgemeinen Geldumlauf gelangten und ausschließlich bei Münzsammlern landeten. Entsprechend hoch sind die Preise für einen Satz im Nennwert von 3,88 Euro: Der Vatikan verkauft einen Satz Münzen für 30 Euro an Händler und Sammler, bei den Münzläden rund um den Petersdom kostet ein Set schnell 200 Euro, manche bis zu 1400 Euro.

Eine Währungsvereinbarung zwischen EU und Vatikan macht diese inflationäre Preisentwicklung möglich: Die Vatikanstadt darf eine bestimmte Anzahl von Münzen prägen, die dem italienischen Prägekontingent hinzugerechnet werden. Ähnliche Vereinbarungen gibt es mit San Marino und Monaco. Der Vatikan durfte ursprünglich jährlich Münzen im Wert von 670.000 Euro prägen, seit 2004 sind es eine Million Euro.

Höhere Auflagen sind nur erlaubt in einem sogenannten Heiligen Jahr (das nächste ist 2025), bei besonderen Jubiläen wie 2003, als sich das Pontifikat von Johannes Paul II. zum 25. Mal jährte, oder bei dessen Tod am 2. April 2005. Dann darf der Vatikan zusätzliche Münzen im Wert von 250.000 Euro (seit 2004 300.000 Euro) prägen.

Mit diesem für den Vatikan angenehmen monetären Nebeneffekt der Währungsunion soll nun aber Schluss sein. Ab dem 1. Januar 2010 sollen mindestens 51 Prozent der vatikanischen Euro-Münzen in den normalen Geldumlauf kommen. Die EU-Regierungen haben ein Mandat für Neuverhandlungen mit dem Heiligen Stuhl beschlossen. Eine gemeinsame Kommission soll alle Fragen zu den Euro-Münzen regeln, also auch das Prägekontingent, das der Vatikan gern auf Münzen im Wert von 2,3 Millionen Euro anheben möchte. Alte Vatikan-Euro behalten ihre hohen Sammlerpreise, bei den neuen aber werden weder Vatikan noch Münzhändler an frühere Gewinnmargen anknüpfen können. Der Vatikanische Euro wird seiner Exklusivität enthoben, er wird irdisch sozusagen.

Durchsetzen will die EU auch, dass der Vatikan die EU-Gesetze gegen Geldwäsche und Geldfälschungen übernimmt. Hintergrund ist der Verdacht, die vatikanische IOR-Bank (Istituto per le Opere di Religione, Institut für die religiösen Werke) leiste unter dem besonderen Schutz, den sie genießt, Geldwäsche für dubiose Kunden.

Die italienische Finanzpolizei will derzeit wissen, wem die Konten bei einer Filiale der italienischen Großbank Unicredit in Vatikan-Nähe gehören, über die in den vergangenen drei Jahren etwa 180 Millionen Euro geflossen seien. Es herrsche hier ein „Mangel an Transparenz“, beklagen die Finanzfahnder. Eingetragen sei nur die IOR-Bank als Kontoinhaberin, die mit Unicredit im Servicebereich eng zusammenarbeitet.

Die Vatikan-Bank, die über keine einzige eigene Niederlassung verfügt, von einem Rat mehrerer Kardinäle überwacht wird und Bilanzen nicht vorlegt, zieht Spekulationen geradezu auf sich. Sie steht deshalb mit ihren 130 Mitarbeitern, 44.000 Konten und Einlagen in Höhe von etwa fünf Milliarden Euro auch nicht das erste Mal im Mittelpunkt des finanzpolizeilichen Interesses.

Monsignore Renato Dardozzi, Mitglied des innersten Kreises der vatikanischen Hochfinanz, hat über Jahre hinweg ein geheimes Archiv von fast 5000 Dokumenten angelegt und sie in die Schweiz geschmuggelt – Akten des vatikanischen Staatssekretariats und Papiere der Vatikanbank. Die Dokumente zeugen nicht von besonders ausgeprägter christlicher Ethik: Sie begründen den Verdacht der Geldwäsche im Dienste der Mafia, die Blockade von Korruptionsermittlungen, Schmiergeldaffären und geheime Nummernkonten, die etwa das Geld von Ex-Staatspräsident Giulio Andreotti enthielten. Erst nach Dardozzis Tod 2003 gelangten diese Dokumente an die Öffentlichkeit: Sein Testamentvollstrecker nahm Kontakt zu dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi auf, der Dardozzis gesammelte Dokumente in dem Buch „Vaticano S.p.A.“ verarbeitet hat.

Papst Benedikt XVI. hatte bereits im September reagiert und den 64-jährigen Mailänder Banker Ettore Gotti Tedeschi zum neuen Präsidenten des IOR berufen. Der hatte zuvor Finanzethik an der Katholischen Universität Mailand gelehrt. Ob das helfen wird?