Die Plattenfirma Geffen Records ist dafür bekannt, Newcomern im Musikgeschäft zum ganz großen Durchbruch zu verhelfen: Von Nirvana über Ashlee Simpson, den Guns N'Roses, Donna Summer bis zu Aerosmith reicht die Palette von Geffen. Ob der neueste Zugang die Musikgeschichte ebenso beeinflussen wird, bleibt offen. Gute Umsätze im Weihnachtsgeschäft dürften Papst Benedikt XVI. angesichts von über einer Milliarde Katholiken weltweit aber sicher sein.
Am 30. November soll das Debütalbum des Papstes unter dem Titel "Alma Mater" in den Läden stehen. Darauf werden Litaneien und Gesänge an die Jungfrau Maria sowie Gebete auf Latein, Italienisch, Portugiesisch, Französisch und Deutsch zu hören sein. Die Aufnahmen stammen aus dem Petersdom; begleitet wird der Papst vom Chor der philharmonischen Akademie Rom. Das Royal Philharmonic Orchestra in London steuert die Begleitmusik bei.
Bis jetzt hatte die wenig sonore Stimme des Papstes kaum Aufsehen erregt. Doch Colin Barlow, Präsident der Plattenfirma Geffen, ist von seiner Neuverpflichtung begeistert: "Der Papst besitzt eine fantastische Tonlage; sehr beruhigend, aber eindrucksvoll", sagte Barlow der "Times". Er habe sich persönlich in Rom von den Gesangskünsten des Pontifex überzeugen können: "Er ist der musikalische Herzschlag des Vatikans. Die CD wird nicht nur eine religiöse Platte; sie ist ein unglaubliches, faszinierendes Stück Musik".
Mit seiner CD könnte der Papst auf der Erfolgswelle religiöser Musik reiten. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Zisterzienser aus dem österreichischen Kloster Heiligenkreuz mit ihren gregorianischen Gesängen einen Charterfolg gelandet. Und auch Benedikts Vorgänger Johannes Paul II hatte 1999 unter dem Titel "Abbà Pater" Gebete und Meditationen aufgenommen.
Der Handel freut sich jedenfalls schon auf den Umsatzbringer: "Nicht nur die beträchtliche christliche Gemeinschaft wird aus Glaubensgründen an der Platte interessiert sein. Mit den spirituellen und beruhigenden Melodien ist sie in diesen sozial und ökonomisch unruhigen Zeiten auch für ein breiteres Publikum interessant", zitiert die "Times" einen Sprecher der Handelskette "HMV". Schon jetzt wird spekuliert, wie sich Benedikt gegen die bisher erwarteten Weihnachts-Renner von Jay-Z, Robbie Williams oder Susan Boyle behaupten wird.
Als digitaler Download wird die Papst-CD allerdings nicht verfügbar sein: "Es wäre falsch, so ein schönes Album digital auseinander zu brechen", so Colin Barlow. Teile der Erlöse sollen an Projekte zum Musikunterricht für unterprivilegierte Kinder in aller Welt gehen.





