Die chinesische Behörden haben mit kontrollierten Sprengungen den Abfluss der Wassermassen aus einem nach dem schweren Erdbeben entstandenen Stausee massiv beschleunigt. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Xinhua vom Dienstag lief das Wasser aus dem künstlichen See im südwestlichen Tangjiashan am Dienstag 60 Mal schneller ab als zu. Durch die sinkenden Pegelstände sei die Überschemmungsgefahr gesunken. Das Militär hatte den Angaben zufolge mit zehn Raketen Geröllhaufen weggesprengt, die einen zuvor gegrabenen Abflusskanal blockiert hatten.

Das Ablaufen des Wassers habe sich „drastisch“ beschleunigt, hieß es. Die mit den Arbeiten beschäftigten Rettungskräfte seien mit Hubschraubern abtransportiert worden. Das Militär hatte den Angaben zufolge mit zehn Raketen Geröllhaufen weggesprengt, die einen zuvor gegrabenen Abflusskanal blockiert hatten.


Im abfließenden Wasser seien Erdbebenschutt wie Fernseher und Kühlschränke sowie Leichen von Erdbebenopfern, die noch nicht geborgen werden konnten, mit hinab gespült worden. Der Wasserpegel des Stausees ist nach Angaben von Xinhua über Nacht um mehr als fünf Meter gesunken.

Auch vier Dämme kleinerer Stauseen unterhalb des Sees in Tangjiashan sollen undicht geworden sein. Die Fluten sollten den Erwartungen nach später am Dienstag die Stadt Mianyang erreichen. Dort waren bereits 250.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Nach einem Notfallplan müssen eventuell noch mehr als eine Millionen Menschen zusätzlich an andere Orte gebracht werden.


Bei den Bergungsarbeiten haben Suchtrupps auch dei Überreste eines vor rund zehn Tagen im südwestchinesischen Erdbebengebiet abgestürzten Militärhubschraubers gefunden. Die Unglücksstelle befinde sich in den Bergen nicht weit des Ortes Yingxiu in der Provinz Sichuan, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf Militärquellen.


Laut früherer Berichte sollen 19 Insassen an Bord gewesen sein, als der Hubschrauber abstürzte. Dichter Nebel und die schwierigen Bedingungen mit hohen Gebirgen und tiefen Schluchten hatten die großangelegte Suche mit Tausenden Soldaten beeinträchtigt.

Unterdessen sind in der chinesischen Erdbebenregion Sichuan 15 Regierungsvertreter wegen ihres schlechten Krisenmanagements entlassen worden. Den Behördenmitarbeitern werde unter anderem vorgeworfen, zu langsam auf die Katastrophe Mitte Mai reagiert zu haben, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Manche der Beschuldigten hätten sich zudem bei den Hilfs- und Aufräumarbeiten gesetzeswidrig verhalten. Details wurden nicht zwar bekannt gegeben. Die Volksrepublik hat im vergangenen Monat allerdings ein Gesetz erlassen, wonach etwa der Handel mit Hilfsgütern, die als Teil der Bebenhilfe geliefert wurden, bestraft werden kann.


Bei dem Beben am 12. Mai kamen im Südwesten des Landes fast 87.000 Menschen ums Leben oder werden vermisst. Hunderttausende sind obdachlos und müssen in Zelten ausharren.

dpa/ddp/afp/kami