„Es ist unfassbar heiß und wir haben kein sauberes Wasser“, klagt Ghulam Qadir. Der 40-jährige Familienvater ist auf der Flucht vor der Jahrhundertflut, die sein Dorf in der südpakistanischen Provinz Sindh in eine Wüste aus Schlamm und Ruinen verwandelt hat. „Seit Tagen schon wurde nichts zu essen verteilt. Mein jüngstes Kind hat Fieber und Durchfall. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll.“

Südpakistan, meinen Experten, steht das Schlimmste noch bevor. Der fatale Monsunregen, der die schwerste Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes ausgelöst hat, wird voraussichtlich noch mindestens vier weitere Wochen andauern. Schon jetzt haben die Fluten über 1500 Menschen getötet, 20 Millionen Pakistaner – ein Achtel der Bevölkerung – sind betroffen.

Während sich die Wassermassen im Norden langsam wieder zurückziehen, werden immer größere Teile der südlichen Provinzen Punjab und Sindh überflutet. Die Behörden konnten zwar die panischen Bewohner der Metropole Hyderabad beruhigen: Der 2,5 Millionen-Stadt drohe zunächst keine Gefahr. Die meisten anderen Orte aber haben weniger Glück. Die großen und kleinen Katastrophen reißen nicht ab. So kamen mindestens zwanzig Passagiere eines Überlandbusses in Punjab ums Leben, als sich das Fahrzeug auf der überfluteten Straße überschlug. Die Straße war zwar gesperrt, doch der Fahrer hatte die Warnschilder ignoriert.

Hilflos bemühen sich Armee und Freiwillige, den unerbittlichen Vormarsch des Wassers aufzuhalten. Doch überall in Sindh geben die Dämme und Deiche nach. Rund um die Stadt Shahdadkot haben Helfer aus Lehm und Schlamm einen provisorischen Schutzwall gebaut, doch der hält dem Druck nicht stand. Zwei Dörfer vor der Stadt stehen schon unter Wasser. Über 200 Menschen sitzen dort fest, ohne Dach über dem Kopf. Und der Wasserpegel des Indus steigt unerbittlich weiter an. Zum letzten Mal haben die Provinzbehörden die verbliebenen Bewohner von Shahdadkot dringend zum Verlassen ihrer Häuser aufgerufen. Die Polizei hat bereits inhaftierte Kriminelle, Waffen und Dokumente aus der Stadt abtransportiert. Shahdadkot ist dem Untergang geweiht – wie soviele andere Städte vor ihr.

Saleh Farooqui, Chef der Katastrophenschutzbehörde in Sindh, erklärte, die Fluten hätten bereits mindestens vier Distrikte in der Provinz erreicht. 200000 Menschen wären in den vergangenen 24 Stunden gezwungen worden, sich in höher gelegene Gebiete zu retten. Eine halbe Million Flüchtlinge drängten sich in behelfsmäßigen Lagern. Trotz des Dauerregens ist die Hitze erdrückend, Shahdadkot ist eine der heißesten Städte Pakistans: im Sommer steigt die Temperatur hier auf über 50 Grad. Damit steige auch die Gefahr von Seuchen, warnen Hilfsorganisationen.

In der nordwest-pakistanichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa, wo die Flut zuerst zugeschlagen hatte, will die Regierung indes, da das Schlimmste überstanden ist, auch wieder die Kontrolle über die Herzen der Menschen zurückgewinnen. Wie die Tageszeitung „Daily Times“ berichtet, haben die Behörden nun untersagt, dass verbotene islamistische Organisationen unter falschem Namen Spenden für die Opfer des Hochwassers sammeln. Ob die Regierung fürchtet, dass die Gruppen die Gelder für eigene Zwecke missbrauchen oder ob sie den Sympathiezuwachs solcher Spendenaktionen vermeiden wollen, ist nicht ganz klar.

Unterdessen trafen pakistanische Regierungsvertreter in Washington mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammen. Vor zwei Jahren hatte der IWF Pakistan einen Kredit von zehn Milliarden Dollar gewährt und das Land vor dem Staatsbankrott bewahrt. Nun aber geht die labile Wirtschaft endgültig unter. Islamabad schätzt, dass die Katastrophe über 15 Milliarden kosten wird. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) setzt sich daher für eine Öffnung der EU-Märkte für Produkte aus Pakistan ein. Dies müsse Teil der langfristigen Hilfe sein, so Westerwelle am Montag. Er habe dazu der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton einen Brief geschrieben.

Spendenkonten im Überblick, meist sind auch Online-Spenden möglich:

  • Diakonie Katastrophenhilfe: Kennwort „Fluthilfe Pakistan“, Konto 502 707, Postbank Stuttgart BLZ 600 100 70 ().
  • Caritas: Kennwort „Fluthilfe Pakistan“, Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00 ().
  • Deutsche Welthungerhilfe: Konto 1115, Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98 ().
  • UNICEF: Kennwort „Nothilfe Pakistan“, Konto: 300.000, Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ 370 205 00 ().
  • Kindernothilfe: Kennwort „Pakistan“, Konto 45 45 40; KD Bank, BLZ 350 601 90 ().
  • Ärzte ohne Grenzen: Kennwort „Pakistan und andere“, Konto: 97 0 97, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00().
  • Deutsches Rotes Kreuz: Kennwort „Pakistan“, Konto 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 ().
  • Christoffel-Blindenmission: Kennwort „Nothilfe Pakistan“, Konto 2020, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 ).
  • Aktion Deutschland Hilft: Kennwort: „Flut Pakistan“, Konto 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 (). SMS mit Pakistan an 81190 (5 Euro plus Gebühr).
  • Oxfam: Kennwort „Fluthilfe Pakistan“, Konto 13 13 13, Bank für Sozialwirtschaft, 370 205 00 ()
  • Save the Children: Kennwort „Pakistan Flut“, Konto 929, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00 ().
  • Spendenberatung: Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), Berlin, Tel. 030/ 839 001-0; () sozialinfo@dzi.de.