Die Gewinnterfront, für die Tief „Felix“ verantwortlich war, ist von West nach Ost über Deutschland gezogen. In der Schweiz kam ein Mann ums Leben. Fast überall verursachte das Unwetter Schäden. Mancherorts wütet es noch.

Bayern

Am Abend erreichte das Unwetter Bayern. Sturm, Blitz und heftige Regenschauer legten den Flugverkehr in München vorübergehend lahm. Um18.40 Uhr seien Starts und Landungen für voraussichtlich eine Stunde ausgesetzt worden, teilte ein Flughafen-Sprecher mit. Die meisten Flugzeuge, die in München landen wollten, mussten Warteschleifen drehen.

Im oberbayerischen Landkreis Weilheim erlitt eine Frau schwere Verletzungen, als ein Ast auf ihr Auto fiel. Nach Angaben eines Bahnsprechers blockierten Bäume einige Strecken im Allgäu und rund um München. Blitze beschädigten zudem teilweise Stellwerke und Signale. Auf den Autobahnen A 7, A 8 und A 9 rissen die Sturmböen Lkw-Anhänger um, Äste, Buschwerk und umgestürzte Bäume behinderten den Verkehr.

Hessen

In Hessen musste der Lohbergtunnel bei Mühltal gesperrt werden. Nach Angaben eines Sprechers des Darmstädter Amtes für Straßen- und Verkehrswesen wurde durch einen Blitzeinschlag die zentrale Leittechnik des 1100 Meter langen Tunnels lahmgelegt. Unter anderem fielen die Steuerung der Sicherheitsschranken, die Videoüberwachung und die Brandmeldeanlage aus. Im Berufsverkehr bildeten sich lange Staus, weil der Verkehr umgeleitet werden musste.

Zudem traf ein Blitz das Haus einer vierköpfigen Familie in Viernheim. Die beiden Erwachsenen retteten sich und ihre zwei 11- und 14-jährigen Kinder unverletzt aus dem Haus. Das Dachgebälk fing Feuer, das die Feuerwehr rasch löschte.

Niedersachsen

In Teilen Niedersachsens kam es zu Überschwemmungen und Sachschäden. Am schwersten betroffen war der Landkreis Leer, wo in sämtlichen Schulen aus Sicherheitsgründen der Unterricht ausfiel. Durch den Sturm knickten zahlreiche Bäume um. Zwei Autofahrer verloren auf nasser Straße die Gewalt über ihre Fahrzeuge und prallten gegen Bäume.

Der Emstunnel und die Autobahn 31 waren wegen Überflutung am frühen Morgen zwischenzeitlich gesperrt, wurden am Vormittag aber wieder für den Verkehr freigegeben.

In der Region setzten Blitze zwei Häuser in Brand. Eine Frau erlitt eine Rauchgasvergiftung. Weil Bäume in die Oberleitung gestürzt waren, musste der Bahnverkehr zwischen Bremen und Leer gestoppt werden. Tausende Reisende warteten lange auf ihre Züge, teilte die Deutsche Bahn mit.

Hamburg

Das Unwetter hat am frühen Abend in Hamburg leichte Schäden hinterlassen. Nach Angaben der Feuerwehr wurde im Stadtteil Lurup ein Auto durch einen umgeknickten Baum beschädigt. Zudem mussten die Einsatzkräfte mehrere Male wegen vollgelaufener Keller ausrücken. „Insgesamt ist es aber weitgehend ruhig geblieben“, sagte ein Sprecher.

Sachsen-Anhalt

In Teilen des nördlichen Sachsen-Anhalts fielen innerhalb einer Stunde circa 25 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter. Wie ein DWD-Meteorologe sagte, wären im Monat etwa 50 Liter pro Quadratmeter normal. Während des Unwetters wurden Windgeschwindigkeiten von rund 70 Stundenkilometern gemessen. Das entspreche Windstärke acht. Die Temperatur fiel binnen weniger Minuten von rund 25 auf 20 Grad Celsius.

Baden-Württemberg

Schwere Hagelschauer gingen dann am Nachmittag über den Südwesten Baden-Württembergs nieder. In Konstanz waren die Straßen teils zentimeterdick mit Hagelkörnern in Golfballgröße bedeckt. In einigen Gemeinden im Landkreis Tuttlingen durchschlugen die Hagelkörner Dachfenster und Ziegel. Auf dem Bodensee musste die Wasserschutzpolizei etliche Bootsbesatzungen aus Seenot retten, hieß es bei der Polizeidirektion Friedrichshafen. Auf der Schweizer Seite des Bodensees wurde ein 31-Jähriger in Romanshorn in seinem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen. In Luzern wurde eine 37-jährige Frau von einem Ast getroffen und verletzt.

Auch im Schwarzwald sowie am Ober- und Hochrhein wurden Straßen vom Regen überflutet, liefen Keller voll und stürzten Bäume um.

Bei Baienfurt (Kreis Ravensburg) entgleiste ein Interregio-Zug. Ein Passagier wurde nach ersten Polizeiangaben verletzt. Der Zug, in dem schätzungsweise 200 Fahrgäste saßen, war gegen einen umgestürzten Baum auf den Gleisen geprallt. Über den Südwesten Baden-Württembergs war ein heftiges Unwetter mit Hagelschlag hinweggezogen. Vielerorts knickten Bäume um. Straßen und Keller waren überschwemmt.

Berlin

Die Unwetterfront verschonte Berlin bis zum späten Nachmittag weitgehend. Lediglich im Südosten der Hauptstadt kam es zu nennenswerten Niederschlägen von etwa 15 Litern pro Quadratmeter, wie Jörg Riemann vom privaten Wetterdienst MeteoGroup Deutschland sagte. Zudem wurden dort auch Windböen bis zur Stärke zehn registriert. Polizei und Feuerwehr meldeten keine wetterbedingten Einsätze. Allerdings verdunkelte sich der Himmel am Nachmittag dann doch, ein Gewitter brach los. Von Schäden ist bislang nichts bekannt.

Brandenburg

Schwere Gewitter mit starkem Regen sind am Nachmittag über Brandenburg gezogen. Das Unwetter sei aber friedlicher verlaufen als zunächst angekündigt worden war, sagte ein Sprecher im Lagezentrum des Innenministeriums in Potsdam. Dort lagen sechs Meldungen von Einsätzen vor, zu denen Polizei und Feuerwehr ausrückten. Beispielsweise galt es, abgebrochene Äste zu bergen. „Es wurde niemand verletzt.“ Unterdessen hob der Deutsche Wetterdienst in Potsdam seine landesweiten Unwetterwarnungen zum Teil auf. Er hatte vor schweren Gewittern mit schweren Sturmböen, heftigem Regen und Hagel gewarnt.

Temperaturrekorde und die Aussichten

Die heißen Temperaturen der vergangenen Tage haben laut DWD keine Mai-Rekorde gebrochen. In Waldshut im Südwesten waren am Montag zwar 35,6 Grad erreicht, der Rekordwert aus dem Jahr 1892 in Friedrichshafen mit 36,1 Grad aber nicht übertroffen worden.

Auch die Mitteltemperaturen für den Mai lägen mit 13,7 Grad nur leicht über Durchschnitt. 2001 war ein Mittelwert von 15,1 Grad gemessen worden. Die durchschnittliche Mitteltemperatur liegt bei zwölf Grad.

Zum Wochenende wird Tief „Grant“ dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge nach der Hitze einen kühlen und wechselhaften Wetterabschnitt einleiten. Die Temperaturen fallen ab Donnerstag auf Werte zwischen 14 bis 22 Grad Celsius.

dpa/ddp/kami