Gewalt-Vorwürfe

Mel Gibson wird zum gefallenen Helden

Mel Gibson glänzte einst als stolzer Kämpfer für die Gerechtgkeit in "Bravehearf". Doch dann rastete er aus. Vom Helden und großen Mann in Hollywood ist nicht mehr viel übrig.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Der zweifache Oscar-Gewinner, der mitten in einer bitteren Sorgerechtsschlacht mit Exfreundin Oksana Grigorieva steckt, ist nun auch noch die erklärte Zielscheibe der Journalisten.

Video: reuters
Beschreibung anzeigen

„Mad Max“ ist Vergangenheit, „Mad Mel“ hat ihn abgelöst. Gut 30 Jahre nach dem apokalyptischen Actionfilm, in dem ein Polizist in einem brutalen Rachefeldzug den Tod seiner Tochter rächt, ist zu fragen, wie viel vom echten Mel Gibson in der Kunstfigur Max Rockatansky steckt.

Denn der Schauspieler, der mit dem Gewaltstreifen eine der erfolgreichsten Hollywoodkarrieren aller Zeiten startete, hat seine Ex-Lebensgefährtin Oksana Grigorieva in vulgärster Form beschimpft und in wutentbrannten Telefonaten indirekt eingeräumt, sie geschlagen zu haben.

Es ist eine der Geschichten, die so besonders bitter sind. Für Fans wie für eine Vorzeige-Industrie, die sich selbst als Traumfrabrik bezeichnet. Denn Gibson tut seit Jahren alles dafür, dass Leinwand-Image und Realität auf kaum erträgliche Weise auseinaderklaffen. Auf der Leinwand der unerschrockene Kämpfer für die gerechte Sache. Der Mann, der im Jahr 1996 mit fünf Oscars für „Braveheart“ von sich reden machte. Der für seine Rollen bis zu 25 Millionen Dollar erhalten soll. Und im Leben? Einer, der durch böse Alkoholabstürze und antisemitische Pöbeleien auffällt – und Ex-Freundinnen Gewalt antut?

Die vom Internetdienst radaronline.com jetzt veröffentlichten Mitschnitte seiner massiven Ausfälle gegen die 40-jährige Grigorieva, mit der Gibson seit April um das Sorgerecht für die im Oktober 2009 geborene Tochter Lucia streitet, sind nicht nur schlecht für das Image des 54-jährigen Leinwandstars. Sollten die Telefonate den Vorwurf der schweren Körperverletzung an der in Russland geborenen Pianistin und Sängerin bestätigen, droht Gibson eine Haftstrafe.

Die Ex-Freundin schnitt wohl Telefonate mit

In den bislang vier in den Medien lancierten Mitschnitten, die aus ein oder zwei Telefonaten im Januar zu stammen scheinen, macht Gibson großzügigst Gebrauch vom F-Wort. Aus einer Passage geht hervor, dass das Paar die Nacht vor dem Telefonat miteinander im Bett verbrachte. Der achtfache Vater Gibson, nach eigenem Bekunden zutiefst katholisch, beschimpft Grigorieva ausdauernd als „Nutte“, „Hure“ und „minderbemittelte Idiotin“. Darauf sie: „Was ist das für ein Mann, der eine Frau schlägt, die ein Kind in ihren Händen hält, der sie zweimal ins Gesicht schlägt?“ Er: „Weißt du was? Das hast du verdient.“ Am 6. Januar und im Februar soll Gibson in seinem Haus in Malibu gewalttätig geworden sein. In der Umgebung Grigorievas heißt es, er habe ihr dabei zwei Vorderzähne ausgeschlagen.

Im Telefonat droht Gibson der Frau, die drei Jahre lang seine Geliebte war, er werde sie „in den Rosengarten bringen“. Es klingt nach „töten und vergraben“. An anderer Stelle tönt Gibson mit einer Stimme, die erstaunlich nüchtern klingt: „Ich komme und brenne das verf…e Haus nieder.“ Grigorieva laufe in „provokativer Kleidung“ herum, geht es weiter: „Du siehst aus wie ein läufiges Schwein. Wenn du vergewaltigt wirst von einer Bande Niggern, ist das deine Schuld.“

Grigorieva bleibt am Telefon ruhig. Obwohl sie dies bestreitet, liegt der Verdacht nahe, dass die Ex-Ehefrau vom einstigen James-Bond-Darsteller Timothy Dalton die Telefonate mitgeschnitten hat. Doch was immer man jetzt vermutet, wie sehr die Frau den Hollywoodstar verletzt haben könnte, es ist wie immer bei Mel Gibson: Hinreichende Gründe gibt es für seine Ausfälle nicht. Schon 2006 beschimpfte er einen Polizisten bei einer Alkoholkontrolle als „Drecksjuden“ und sagte: „Die Juden sind verantwortlich für alle Kriege der Welt.“

Er hat eine eigene Kirche auf seinem Grundstück

Der Vorwurf des Antisemitismus verfolgt Gibson seit 2004, als er mit der „Passion Christi“ einen der umstrittensten Streifen der Filmgeschichte drehte. Als Regisseur und Produzent stellte er die Leidensgeschichte Jesu in enger Anlehnung an die vier Evangelien dar, vermischt mit Interpretationen und sehr drastischen Gewaltdarstellungen. Der Film, in dem nur Aramäisch, Latein und Hebräisch gesprochen wird, belebe die Idee einer „jüdischen Kollektivschuld“ am Tod Jesu, sagten Kritiker.

In einer Kirche, die Mel Gibson auf seinem kalifornischen Landgut erbauen ließ, wird der Gottesdienst nach tridentinischem Ritus durchgeführt, also in Latein. Das gefällt seinem strengkatholischen Vater Hutton Gibson, der das Zweite Vatikanische Konzil der katholischen Kirche als Verschwörung von Freimaurern und Juden sieht. Hutton Gibson, Sohn einer australischen Mutter, heiratete eine Irin, mit der er zehn Kinder hatte. Mel kam 1956 als sechstes Kind. 1968 siedelte die Familie aus den USA nach Australien um.

Mel Gibson heiratete 1980 die Zahnarzthelferin Robyn Moore, mit der er sieben Kinder hat. Nach fast 30 Jahren reichte sie im April 2009 die Scheidung ein. Trotzdem erhält er jetzt von ihr Beistand. In einer bei Gericht eingereichten Erklärung schreibt Moore, dass Gibson während ihrer Ehe weder sie noch ihre gemeinsamen Kinder misshandelt habe.

Die neuen Telefonmitschnitte wirken wie ein schlechtes Drehbuch für einen Schläger, Frauenverächter und Rassisten. Ihre Authentizität wurde von Mad Mel Gibson bislang nicht dementiert.

Der angebliche Wutausbruch und seine rassistischen Entgleisungen hatten allerdings bereits berufliche Folgen für Mel Gibson. Er wurde von seiner Künstleragentur gefeuert. Bei William Morris Endeavor Entertainment soll es schon seit Langem Stimmen gegeben haben, die einen Rauswurf des Schauspielers forderten. Davor bewahrte Mel Gibson die enge Freundschaft mit seinem Agenten Ed Limato, der jedoch am 3. Juli verstarb. Gibson ließ über einen Sprecher verlauten, er habe nach Limatos Tod sowieso eine andere Agentur suchen wollen. Derzeit brauche er keinen Agenten, weil er noch für zwei Jahre mit Arbeit eingedeckt sei. Zu seinen bevorstehenden Projekten gehört die schwarze Komödie „The Beaver“ unter der Regie von Jodie Foster sowie der Film „How I Spent My Summer Vacation“ nach Gibsons eigenem Script.

Ob er das mit seinem neuen Ruf realisieren kann, bleibt fraglich. Die Zeiten von „Braveheart“ sind lange vorbei.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen