Nach dem Ausfall der Klimaanlage und dem Hitzeschock mehrere Fahrgäste hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld Ermittlungen gegen den Zugführer eingeleitet. „Es besteht ein Anfangsverdacht auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung“, sagte Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart Morgenpost Online ONLINE. Baumgart betonte ausdrücklich, dass sich das Verfahren nicht mit der technischen Frage beschäftige, warum die Klimaanlage ausgefallen sei. „Die Frage, die sich uns aufgedrängt hat, lautet, ob der Zugführer den ICE nicht schon vorher hätte stoppen und evakuieren müssen.“ Das Verfahren sei von Amtswegen eingeleitet worden. Ob die Bahn bereits von Geschädigten angezeigt worden sei, müsse jetzt noch ermittelt werden, sagte Baumgart.

Die Ermittler suchen deshalb auch dringend nach einer Zeugin aus dem überhitzten ICE in Bielefeld. Beim Vorfall hatte die Mutter in Panik versucht, ein Fenster mit dem Nothammer einzuschlagen, weil ihr kleiner Sohn nach Atem rang. „Die in diesem Fall ermittelnde Bundespolizeiinspektion Münster sucht diese Frau als Zeugin, um den Ablauf in den überhitzten Zugwagen rekonstruieren zu können“, teilten die Ermittler mit. Am Wochenende waren bei Bielefeld wegen der Temperaturen von mehr als 50 Grad im Zug etliche Schüler kollabiert. Einige kamen sogar ins Krankenhaus.

Probleme waren länger bekannt

Inzwischen mehren sich ähnliche Vorfälle. Die Deutsche Bahn gerät deshalb auch immer stärker in die Kritik. Vor allem weil das Unternehmen nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums bereits seit einiger Zeit davon wusste. „Wir kennen die Themen mit den ICE 1 und ICE 2 schon seit etwas längerem“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) dem RBB-"Inforadio". Dies betreffe nicht nur Klimaanlagen, sondern oftmals die gesamte Bordtechnik, die häufig ausfalle. Es liefen dazu auch Prüfungen des Eisenbahn-Bundesamts. Die Probleme mit Kühltechnik-Ausfällen in Fernzügen müssten behoben und bei künftigen Fahrzeugbestellungen ausgeschlossen werden. „Was die Reisenden ertragen mussten, kann eine Deutsche Bahn nicht wollen.“

Ingesamt soll es wegen der Hitze Probleme mit 36 Fernzügen gegeben, zitierte das „Westfalen-Blatt“ einen Bahn-Sprecher. Zuletzt wurde am Dienstag ein IC zwischen München und Saarbrücken gestoppt.

Die Deutsche Bahn hat den Hitze-Opfern inzwischen eine Entschädigung anboten. „Wir wollen uns nicht nur ausdrücklich bei unseren Kunden entschuldigen, sondern Wiedergutmachung leisten und das Vertrauen der DB zurückgewinnen“, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Fahrgäste, die gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten und ärztlich versorgt werden mussten, sollten Reisegutscheine in Höhe von 150 Prozent des Fahrpreises erhalten.

Die Hälfte des Fahrpreises bot die Bahn allen Kunden an, die unter starken Komforteinschränkungen wie ausgefallenen Klimaanlagen im ganzen Zug zu leiden hatten. Unter Vorlage des Fahrausweises könnten sich Betroffene an die Deutsche Bahn wenden.

reuters/AFP/dpa/kami