Gerüchte

Paris tuschelt über eine Amour fou im Elysée-Palast

Frankreich spekuliert über Affären von Staatspräsident Nicolas Sarkozy und seiner Frau Carla Bruni. Angeblich soll sich die erste Dame des Staates mit einem Schmusesänger vergnügen und der Präsident eine Affäre mit einem verheirateten Mitglied seiner Regierung haben. Das Gerücht wurde per Twitter gestreut.

Von Zweifeln an der Liebe sang Carla Bruni schon einmal. In einem Lied, dem sie den Titel „L’amour“ gab. „Wieso diese Vergnügungen, die Zärtlichkeiten und die armen Versprechungen machen?“, heißt es darin. Ja, wieso eigentlich, werden sich in diesen Tagen auch viele Franzosen fragen.

Denn seit dem vergangenen Wochenende hat Paris mal wieder ein recht diskretes Thema, das nicht nur diese Stadt natürlich trotzdem sehr gern öffentlich diskutiert: Der Präsident der Republik und seine Frau sollen kein Paar mehr sein.

Schlimmer noch: Gleich beide sollen fremdgehen. Nicolas Sarkozys angebliche Liebelei ist sogar Mitglied der Regierung: Chantal Jouanno, Staatssekretärin im Umweltministerium. Und Carla Bruni soll sich mit ihrem langjährigen Musiker-Freund Benjamin Biolay etwas intensiver amüsieren.

L’amour fou im Elysée-Palast? Seinen Anfang soll das Gerücht in einer nicht lokalisierbaren Nachricht im Internetnetzwerk Twitter genommen haben, von dort zum „Journal du dimanche“ gewabert sein und sich schließlich über verschiedene britische Medien europaweit verbreitet haben. Tatsächliche Anhaltspunkte für die Seitensprünge der beiden gibt es nicht. Das Präsidentenpaar hüllt sich in Schweigen, ein Anwalt von Biolay will angeblich klagen.

Nach außen gaben der Präsident – sein Ehrgeiz auf vielen Gebieten ist unbestritten – und das ehemalige Model in den vergangenen zwei Jahren seit ihrer Hochzeit das perfekte Paar. Kurz nach seinem Amtsantritt 2007 musste Sarkozy allerdings bereits das Scheitern seiner vorherigen Ehe mit seiner Frau Cécilia bekannt geben.

Für seine Ungeduld bekannt, fand Sarkozy nur wenige Wochen später Trost bei Carla Bruni. Anfang Januar 2008 turtelten beide erstmals öffentlich auf einer Reise durch Ägypten. Es schien, als wollte Sarkozy Männlichkeit demonstrieren, das Bild des verlassenen, vielleicht auch gehörnten Ex-Ehemanns kräftig ausbügeln.

Die Heirat mit Carla Bruni war seine dritte. Die Prominenz ihres neuen Mannes schien sie wiederum in keiner Weise einzuschüchtern, konnte sie doch auch schon andere namhafte Ex-Partner wie Mick Jagger, Eric Clapton oder Donald Trump vorweisen. Bei Staatsbesuchen trat sie souverän auf, und der 1,70 Meter große Sarkozy strahlte über seine neun Zentimeter größere First Lady.

Und nun? Alles nur noch eine Farce? Es sind die vermeintlichen neuen Partner, die der Geschichte ihre besondere Note geben. Wer immer das Gerücht gestreut hat, wusste seine Schlagkraft gekonnt einzusetzen, wie Degenstiche eines Musketiers aus der Zeit Richelieus.

Benjamin Biolay gilt als der neue Wunderknabe der französischen Musik. Am Wochenende, just als die Spekulationen ihren Anfang nahmen, wurde er mit dem begehrten Preis Victoires de la Musique als bester Künstler ausgezeichnet. Mit Carla Bruni, die nach ihrer Model-Karriere eine erfolgreiche Laufbahn als Sängerin startete, arbeitete er zusammen. Die Première Dame ist seit Jahren mit dem 37-Jährigen befreundet. Vor einiger Zeit sollen beide sogar einige Wochen Ferien in Thailand verbracht haben. Angeblich hat Sarkozy sie aber wieder vorzeitig nach Hause beordert.

Und der Präsident? Kann es wirklich sein, dass er eine Affäre mit einem Mitglied seines Kabinetts hat? Die Staatssekretärin im Umweltministerium, Chantal Jouanno, ist verheiratet, Karate-Meisterin und war einst seine Redenschreiberin.

Möglich ist vieles in der französischen Politik, das zeigt die Vergangenheit. Der Sozialist François Mitterrand hatte jahrzehntelang eine Zweitfrau neben seiner Gattin Danielle. Die Affäre blieb allerdings bis zwei Jahre vor seinem Tod ein wohlgehütetes Geheimnis, erst 1994 kam ans Licht, dass ihm die Geliebte auch eine Tochter geschenkt hat.

Der Konservative Valéry Giscard d’Estaing wiederum schrieb gleich einen Roman, um über eine Affäre plaudern zu können: In „Die Prinzessin und der Präsident“ legte er in einigen Passagen nahe, er habe Prinzessin Diana mehr als nur gut gekannt. Offensichtlich ein gewollter Coup, der Auflage zuliebe.

Vor vier Jahren machten die französischen Journalisten Christophe Deloire und Christophe Dubois die amourösen Verstrickungen französischer Politiker von den 60er-Jahren an zum Thema und brachten das Buch „Sexus Politicus“ heraus. Das Buch wurde in Frankreich ein Bestseller, und das Interessante ist, dass niemand der dort noch lebenden Aufgeführten protestierte.

Es scheint, als ob Affären, tatsächliche oder nur vermeintliche, zum Ton im Elysée-Palast gehören.

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