Die Hochwasser-Lage in Osteuropa bleibt angespannt. In der Slowakei, wo der Notstand ausgerufen wurde, sind auch die beiden größten Städte des Landes, Kosice und die Hauptstadt Bratislava, von Überschwemmungen bedroht.
Im Süden Polens durchbrach das Wasser in Slupiec einen Deich, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP. In Brandenburg hindert der anströmende Hochwasserscheitel des polnischen Nebenflusses Warthe ab Küstrin-Kietz die Oder-Flut am schnellen Abfließen.
In der ostslowakischen Regionalhauptstadt Kosice mussten nach Angaben des örtlichen Krisenstabes 1500 Menschen vor den Wassermassen in Sicherheit gebracht werden. Der Fluss Hornad durchbrach einen Schutzdamm und überflutete Teile der zweitgrößten Stadt der Slowakei.
In der Hauptstadt Bratislava im Westen des Landes trat die Donau über die Ufer. Sie überschwemmte Uferpromenaden, Parkplätze und einen Park.
Die wichtigsten Autobahn- und Eisenbahnverbindungen, die das Land von West nach Ost durchqueren, waren an mehreren Stellen unterbrochen, in der Ostslowakei waren ganze Gemeinden auf dem Landweg nicht erreichbar.
Weiterhin dramatisch war die Lage in der ostslowakischen Region Spis (Zips), wo vor allem Bäche und kleinere Flüsse Städte und Dörfer überschwemmten. Mehrere hundert Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, davon allein 500 aus der Kleinstadt Stara Lubovna (Altlublau), sagten Sprecher der regionalen Krisenstäbe den Medien.
Premier Robert Fico hatte eine Wahlkampfveranstaltung in Bratislava für die Parlamentswahlen am 12. Juni vorzeitig verlassen, um in die überschwemmten Städte Stara Lubovna und Kezmarok (Kesmark) zu fahren.
Die Regierung trat zu einer Sondersitzung zusammen und beschloss 25 Millionen Euro Soforthilfe für die Betroffenen.
Die Hochwasserlage am größten Fluss Polens, der Weichsel, bleibt infolge der zweiten Flutwelle bedrohlich. Der Gemeinde Szczucin drohe eine Überflutung. Aus dem gefährdeten Gebiet mussten nach offiziellen Angaben rund 3000 Menschen schnell in Sicherheit gebracht werden. Auch weiter nördlich ist die Lage gefährlich.
Die Weichsel lief über die Deiche in Zastow Polanowski. In der Gegend waren wo vor zwei Wochen 20 Ortschaften überflutet worden. Damals war im Damm ein Riss von 400 Metern Länge entstanden, der seither nur provisorisch repariert wurde.
Hochwasseralarm galt auch in südpolnischen Gebieten, durch die Nebenflüsse der Weichsel fließen. Der Fluss Poprad zerstörte am Freitag eine Eisenbahnbrücke zwischen Nowy Sacz und Stary Sacz.
Zwei weitere Brücken in der Region gelten als gefährdet.Unter Wasser gerieten Teile von Jaslo, Dutzende Einwohner wurden in die Sicherheit gebracht.
In Muszyna setzten die Behörden Hubschrauber zur Rettung der Menschen ein. Im Tatra-Kurort Zakopane wurde die Leiche eines 34- jährigen Mannes gefunden, der in den Bach gefallen war.
In Brandenburg drückt die Oder trotz des Sommerwetters voraussichtlich noch tagelang mit enormen Wassermassen an die Deiche.
Bis Mitte nächster Woche werde sich daran wenig ändern, sagte Frank Sonnenburg vom Hochwassermeldezentrum Frankfurt (Oder). Der Oder-Scheitel sei inzwischen in der Ostsee angekommen.
Am Brandenburger Unterlauf des Grenzflusses gilt in den Landkreisen Barnim und Uckermark den Angaben zufolge weiter die zweithöchste Alarmstufe 3. „Dort überwachen die Einsatzkräfte weiter die Deiche“, sagte Sonnenburg.
dpa/lk




