Das Schicksal des totgeglaubten „Kanu-Manns“ ist durch seine Frau weitgehend aufgeklärt worden. Der heute 57-jährige John Darwin lebte drei Jahre lang versteckt im gemeinsamen Haus des Paares in der nordostenglischen Grafschaft Cleveland, beichtete seine 55-jährige Ehefrau Anne Darwin. Sie machte die Angaben gegenüber Reportern der britischen Zeitungen „Daily Mail“ und „Daily Mirror“, die am Samstag ausführlich darüber berichteten. Nun wird er wegen Lebensversicherungs-Betrugs angeklagt. Derweil fand die „Times“ heraus, dass die Darwins in Panama eine Ferienanlage aufziehen und dort auch Paddelboot-Touren anbieten wollten.
„Während praktisch jeder dachte, John werde vermisst und gelte als tot, lebte er zu Hause bei mir“, erzählte Anne Darwin den Reportern in einem Hotel in Miami (US-Bundesstaat Florida). Hauptziel des Betrugs sei es gewesen, die Lebensversicherung des Ehemannes ausgezahlt zu bekommen. „Wir hatten damals viele Schulden, sie gingen in die Zehntausende. Er sagte, es gebe nur einen Ausweg, und der bestünde darin, seinen Tod vorzutäuschen.“
Von der Versicherungsprämie kaufte sich das Paar später in Panama eine Wohnung. Der Betrug flog in der zurückliegenden Woche durch ein Foto im Internet auf, das die beiden in dem südamerikanischen Land zeigte. Die Hauptschuld wies Anne Darwin ihrem Mann zu. Er habe gedroht, er werde sie als Mittäterin belasten, wenn sie das Geheimnis verrate.
Die Frau bestand darauf, dass sie anfangs unschuldig war. Sie habe nicht gewusst, dass ihr Mann im Frühjahr 2002 sein Verschwinden bei einer Kanufahrt auf der Nordsee nur vorgetäuscht habe. Er sei erst elf Monate später bei ihr aufgetaucht, und erst da sei ihr klar geworden, dass er die Idee eines Versicherungsbetrugs verwirklichen wollte.
John Darwin wird seit Tagen von der Polizei vernommen. Er hatte sich am vergangenen Wochenende auf einem Revier gemeldet und wurde wenig später festgenommen. Den Beamten erklärte er, sich an nichts mehr erinnern zu können, was sich seit Juni 2000 in seinem Leben ereignet hat.
Als Grund für Darwins Rückkehr nach Großbritannien nannte seine Frau jetzt Sehnsucht nach seinen beiden erwachsenen Söhnen. Der Vater habe Mark und Anthony nicht länger in dem Glauben lassen wollen, dass er tot sei. Die Ehefrau will nun eigenen Angaben zufolge ebenfalls nach Großbritannien zurückkehren, sich der Polizei stellen und ihre Söhne um Vergebung bitten. Sie nahm sich aber vorher noch die Zeit, in Florida durch den Verkauf ihrer Beichte an die Medien ordentlich Geld zu verdienen.
Wie die „Times“ in Panama herausfand, kauften Darwin und seine Frau dort vor sechs Monaten auch ein Anwesen in einer malerischen Gegend am Karibischen Meer. Unweit des Dorfes Escobal wollten sie mit Geld aus der erschlichenen Lebensversicherung eine Hotelanlage aufbauen. Viele Dorfbewohner sollen sich Hoffnungen auf Jobs in der geplanten Ferienanlage oder auf Geschäfte mit ausländischen Touristen gemacht haben.
Die Darwins hätten sich als Vertreter einer Investorengruppe ausgegeben, sagte die Gemeindevorsteherin von Escobal, Leticia Escobar, der „Times“. „Inzwischen haben wir alles erfahren über seinen vorgetäuschten Tod, um an die Lebensversicherung zu kommen. Was nun mit dem Land wird, wissen wir nicht, aber das Hotel wird wohl nie gebaut werden.“
dpa/sa



