Festnahme auf der Reeperbahn

Verbrecher Wolf wurde beim Bummeln geschnappt

Der meistgesuchte Verbrecher Deutschlands Thomas Wolf wurde von seiner Festnahme völlig überrascht. Der als sehr gefährlich eingestufte Ttäter war in Hamburg Kaffee trinken, als die Fahnder ihn ins Visier nahmen. Auf der Reeperbahn bummelte er entspannt durch Geschäfte – bis die Polizei vor ihm stand.

Der mutmaßliche Schwerverbrecher Thomas Wolf schweigt nach seiner Verhaftung in Hamburg über die Beute von 1,8 Millionen Euro aus seiner letzten Tat. „Er macht keine Aussagen“, erklärte Jörn Blicke von der Zielfahndung der Hamburger Polizei, die seit neun Jahren nach Wolf suchte. Zuletzt soll er Ende März in Wiesbaden eine Millionärsgattin entführt und die fast zwei Millionen Euro erpresst haben. Nach einem Tipp war Wolf in Hamburg verhaftet worden. Er hatte nur eine Plastiktüte mit ein paar Habseligkeiten dabei – aber keine Waffe.

Von wem der Tipp kam, wollte die Polizei zum Schutz des Tippgebers nicht sagen. Polizeifahnder Blicke erklärte, der Betreffende habe „vor einigen Tagen“ Kontakt zu Wolf gehabt. Daraufhin sei der oder die Hinweisgeberin misstrauisch geworden, habe im Internet die Fahndungsseite nach Wolf gelesen und sich dann mit der Polizei in Verbindung gesetzt.

„Wir haben ihn dann über technische Maßnahmen in St. Pauli lokalisieren können“, sagte Blicke. Polizisten hätten ihn schließlich auf der Reeperbahn „in die Augen geblickt“ und verhaftet. „Er hat schlichtweg Kaffee getrunken und war einkaufen“, sagte der Leiter der Zielfahndung bei der Hamburger Polizei. Anschließend habe er sich im Stadtteil St. Pauli durch die Straßen treiben lassen. „So wie es schien, hatte er kein bestimmtes Ziel.“

Wolf hielt sich seit etwa einer Woche in Hamburg auf und wohnte in einem Hotel, wie die Polizei weiter erklärte. Der Gesuchte habe aber nach bisheriger Erkenntnis keine Verbindung zu seinem alten Milieu in Hamburg aufgenommen. „Er war schon relativ allein“, sagte Blicke. Wolf hatte zuletzt in einem Hotel in der Hansestadt gewohnt. „Wir wussten im Prinzip alles über diese Person: Wir wussten, wie er aussieht, wir wussten, was er für ein Leben führt, wir wussten, wie er sich gibt, wir wussten teilweise, welche Kleidung er trägt – nur ihn selbst haben wir leider nicht bekommen“, sagte Blicke weiter.

Der 56-Jährige habe mit seiner Festnahme auf der Reeperbahn überhaupt nicht gerechnet. „Er war überrascht, er hat sich nicht wehren können“, sagte Blicke. Auch einen Ausweis hatte er keinen bei sich.

Die Fahnder beschrieben den Gesuchten als unauffällig. „Wolf ist fit, aber er wirkt älter als er ist. Man muss sich ihn nicht als alten Mann vorstellen“, sagte Blicke. Wolf falle nicht auf. Er sei in den vergangenen Jahren sogar von Polizisten angesprochen worden, die aber keinen Grund gehabt hätten, Verdacht zu schöpfen.


Nach seiner Festnahme befindet sich Wolf jetzt im Hamburger Untersuchungsgefängnis. Die Staatsanwaltschaften Hamburg und Frankfurt/Main beraten darüber, wo ihm der Prozess gemacht wird: Wolf wird ein Banküberfall im Jahr 2000 in Hamburg vorgeworfen, hinzukommen die Entführung und Erpressung in Wiesbaden. Dort soll er nun angeklagt werden. Die dortige Staatsanwaltschaft will nach eigenen Angaben das Hamburger Ermittlungsverfahren beiziehen und zügig eine Anklage fertigstellen. Die Fahnder aus Hessen waren bereits direkt nach Wolfs Festnahme mit einem Helikopter eingeschwebt, um den 56-Jährigen zu vernehmen. Ihm drohen 15 Jahre zusätzliche Haft.

In Wiesbaden hat Thomas Wolf nach Erkenntnissen der Ermittler am 27. März die Frau eines Bankiers verschleppt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst. Über das Lösegeld wollte die Hamburger Polizei nichts mitteilen und verweis auf das Frankfurter Verfahren.

Wolf, der Anfang 2000 einen Freigang vom Gefängnis zur Flucht nutzte, lebte neun Jahre unauffällig mit seiner Lebensgefährtin in Frankfurt am Main. Anfang des Jahres 2000 war er in Nordrhein-Westfalen von einem Hafturlaub nicht mehr zur Justizvollzugsanstalt Moers/Kapellen zurück.

In Frankfurt gab er sich den Ermittlungen zufolge als Niederländer David van Dijk aus. Seinen Lebensunterhalt habe er von der Beute eines Bankraubs in Hamburg bestritten, den Wolf im April 2000 beging.

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