Das Öl-Leck vor der US-Küste könnte nach Angaben des Energiekonzerns BP erst in drei Monate abgedichtet sein. Am Sonntag hätten die Bohrungen für einen „Nebenzugang“ zu der ursprünglichen Ölquelle begonnen, teilte das britische Unternehmen in London mit. Dies sei ein „entscheidender Schritt, um den Öl-Ausfluss dauerhaft zu stoppen“, sagte BP-Chef Tony Hayward. Die Bohrung geht demnach bis zu vier Kilometer unter den Meeresgrund und dauert „rund drei Monate“.
In der Zwischenzeit tue BP alles, „um den Öl-Ausfluss am Meeresgrund zu kontrollieren, das Öl auf hoher See zu bekämpfen und die Küsten in einem massiven Aufwand zusammen mit den Behörden und lokalen Gemeinden zu schützen“, sagte Hayward.
Zugleich habe BP einen zweiten Versuch gestartet, das Öl nahe des ursprünglichen Lecks am Meeresboden mit speziellen Chemikalien zu vermischen, damit sich das Öl „natürlich zersetze“. Außerdem soll in „etwas mehr als einer Woche“ mit der Installation einer Kuppel begonnen werden, die das Öl ableiten soll. Am Meeresgrund sind weiter acht Unterwasser-Roboter im Einsatz.
BP betonte erneut, dass es zu früh sei, die Gesamtkosten des Unglücks abzuschätzen. Auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war es am 20. April zu einer Explosion gekommen, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen. Zwei Tage später sank die Plattform, seither strömen täglich rund 800.000 Liter Öl in den Golf von Mexiko.
Ungünstige Winde treiben den entstandenen riesigen Ölteppich auf die Küste zu, wo ein einzigartiges Ökosystem und die Fischerei bedroht sind.
Als Reaktion auf die Ölpest bereitet der Senat in Washington unterdessen ein neues Gesetz vor, das die Haftung von Konzernen für die wirtschaftlichen Folgeschäden von Ölverschmutzungen im Meer kräftig erhöhen soll. Künftig sollten die verantwortlichen Unternehmen mit bis zu zehn Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro) für Folgeschäden etwa im Tourismus- oder Fischereibereich haften, heißt es in dem am Montag vorgelegten Gesetzesentwurf.
Nach bislang geltendem Recht müssen die Unternehmen zwar für die Beseitigung des Öls und die Reinigung der Küste zahlen; für Entschädigungen an Betriebe gilt aber eine Obergrenze von 75 Millionen Dollar.
AFP/dpa/kami





