Ein vermutlich anstrengender Teil des Daseins von prominenten Zeitgenossen ist deren Pflicht, Beiträge zur öffentlichen Meinungsbildung liefern zu müssen. „Ich brauch ein kurzes Statement zur Lage der Nation, gleich hier am Telefon, schnell und originell“, hat Herbert Grönemeyer dieses Phänomen in seinem Lied „Fragwürdig“ beschrieben.

Heute ist die Lage der Nation allerdings so komplex, dass etwas weniger Abstraktion schöner ist. Wie also halten Sie es mit Heidi Klum? Ist sie schön, ist sie eine gute Mutter, ist sie eine Nervensäge, ist sie ein Spitzen- oder ein Durchschnittsmodel? Kurzum: Geht es bei dieser Frau mit rechten Dingen zu – oder kann sie es nur einfach nicht jedem recht machen?

Roger Willemsen möchte gar „sechs Sorten Scheiße aus ihr herausprügeln“ (lassen), denn ihr „Knallchargen-Pathos“ und der „Exzess von Nichtigkeit“ seien ebenso wenig zu ertragen wie „die Leere ihres Kopfes“, wenn sie „wertes von unwertem Leben scheidet“.

Alice Schwarzer wiederum ernennt Heidi Klum zum „Pascha des Monats“ und sieht in ihr eine „stupsnasige und kaltschnäuzige Scharführerin“, die „Hunderte von naiven jungen Mädchen“ peitsche. In diesem Zusammenhang könnte daran erinnert werden, was unlängst über den Führungsstil der „Emma“-Chefredakteurin bekannt wurde, aber nun gut...

Fest steht: Heidi Klum ist omnipräsent, sie gibt sich dabei ungezwungen und demonstrativ lässig, früher hätte man gesagt: keck. Auf Dauer nutzt sich das wie so vieles ab, zumal sich in der Topmodel-Show auch noch eine strenge Note dazugesellt, die in den Momenten der Urteilsverkündung eine unfreiwillige Komik entwickelt. Fest steht auch, dass Heidi Klum in den USA mit einer eigenen Show ebenfalls Erfolg hat. Daran kann man sich reiben, aber dennoch sei die kleine Frage erlaubt: warum?

Letztlich fasst es die Klum, die maßgeblich das Gesicht des Deutschen im Ausland repräsentiert – und da sind wir in der Vergangenheit nun wirklich schon schlechter gefahren –, mit einem ihrer wunderbaren Sätze zusammen: „Du hast diesen Look sehr gut in deiner Challenge umgesetzt.“

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