Starke südöstliche Winde trieben erste Ölschlieren in das Küstengebiet um das Mississippi-Delta, wie ein Regionalpolitiker bestätigte. Hunderte Kilometer Küste mit einem einzigartigen Ökosystem aus Marschlandschaften und seltener Fauna waren unmittelbar bedroht.


In Florida, Alabama und Mississippi ist die Fischerei in Gefahr, die das Hauptstandbein der örtlichen Wirtschaft ist. Eine Ölpest „ist das Schlimmste für Garnelenfischer, Austern- und Krebszüchter und für Fischer im Allgemeinen“, sagte Bootsverleiher Brent Roy in Venice in Louisiana. Beobachter befürchteten die schlimmste Umweltkatastrophe seit dem Untergang des Tankers „Exxon Valdez“ vor rund 20 Jahren.

Der Ölkonzern BP, der die in der vergangenen Woche gesunkene Bohrinsel betrieb, hatte am Donnerstag zugegeben, dass täglich 800.000 Liter aus dem Bohrloch ins Meer fließen. Heimatschutzministerin Janet Napolitano hatte betont, dass BP die Kosten für die Rettungsaktion tragen müsse. Zugleich unterstrich US-Präsident Barack Obama, dass „die Regierung auch weiter alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, wenn es sein muss, auch die des Verteidigungsministeriums“.

Das Weiße Haus bemühte sich, jeglichen Vergleich mit der schleppenden Reaktion auf die Hurrikan-Katastrophe 2005 abzuwenden. „Wenn so etwas passiert, fängt sofort die politische Spekulation an“, sagte Obamas Berater David Axelrod dem Fernsehsender ABC. Die Bundesbehörden seien „von Anfang an“ an den Rettungsmaßnahmen beteiligt gewesen. Am Donnerstag hatte Washington die Lage zur „nationalen Katastrophe“ erklärt, Louisianas Gouverneur Bobby Jindal verhängte den Notstand – auf diese Weise können mehr Ressourcen mobilisiert werden. Jindal bemühte sich außerdem um die Mobilisierung von 6000 Nationalgardisten.

Die Bemühungen, den Ölstrom einzudämmen, erwiesen sich auch mehr als eine Woche nach dem Unglück als fruchtlos. Auf der Bohrinsel hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, zwei Tage später versank die Plattform im Meer. Elf Arbeiter starben bei dem Unfall.


BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, das Leck in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen – doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen.

Der Ölkonzern teilte außerdem mit, eine neue Technik solle ausprobiert werden, bei der Öl auflösende Substanzen mit Rohren in die Nähe des Lecks gepumpt werden könnten. So soll das Aufsteigen des Öls an die Oberfläche verhindert werden. Beobachter erinnern bereits an das Unglück der „Exxon Valdez“ 1989 im Prinz-William-Sund. Damals waren fast 40.000 Tonnen Öl ausgelaufen und hatten an der Küste von Alaska ein beispielloses Umweltdesaster ausgelöst.

Obamas Berater Axelrod reagierte auch auf politische Überlegungen zu Obamas umstrittener Ankündigung, Ölbohrungen vor den US-Küsten sollten bedingt genehmigt werden. Es werde keine neue Bohrung genehmigt, „solange wir nicht geklärt haben, was passiert ist, ob es ein außergewöhnliches Ereignis war oder hätte verhindert werden können“.

AFP/ws