Auf der Ostseeinsel Fehmarn war das öffentliche Leben praktisch lahmgelegt, wie der Chef des für den Winterdienst zuständigen Inselbauhofs, Timo Jaedke, berichtete. „90 Prozent der Insel sind dicht. Wir haben überall Verwehungen, es passiert gar nichts mehr“, sagte Jaedke am Vormittag. Die 35 Ortschaften der Insel seien nicht mehr erreichbar.

Im Süden der Insel im Ortsteil Fehmarnsund der Stadt Fehmarn drohte durch die Sturmflut und Hochwasser von zeitweise 1,10 Meter über Normal am Sonntag ein Deich zu brechen. Durch das unterspülte Flutbauwerk drückte Wasser und bedrohte die dahinter gelegene Siedlung, wie Jaedke berichtete. Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes versuchten, den Deich abzudichten. Alle Dörfer sind nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten“, berichtete Schmiedt. „Im Moment ist alles erstarrt.“ Drei hochschwangere Frauen auf der Insel konnte er beruhigen: „Wir haben ein Raupenfahrzeug für Notfälle.“

Zeitweise brach das Stromnetz auf der Insel zusammen. Dadurch war auch kurzzeitig der Fährverkehr zwischen Puttgarden und dem dänischen Hafen Roedby behindert, wie ein Sprecher sagte. Ansonsten sei der Fährverkehr jedoch die Nacht über und auch am Sonntag trotz des teilweise schweren Sturms bis Windstärke zehn weitgehend problemlos gelaufen.

Das Sturmtief hat in Flensburg Straßen überschwemmt. Der Wind hatte in der Nacht zu Sonntag viel Wasser der Ostsee in die Flensburger Förde gedrückt und die Straße „Schiffbrücke“ und einen Parkplatz direkt an der Förde überflutet. Mehrere Keller, Kneipen und Geschäftsräume liefen voll. Die Polizei sperrte die Straße nahe der Innenstadt. Von Schneefällen und einem Wetter- und Verkehrschaos wie in anderen Teilen des Nordens war die Stadt an der dänischen Grenze dagegen verschont geblieben.

Mecklenburg-Vorpommern

Mit starken Schneefällen und orkanartigen Böen wurden weite Teile der Autobahn A20 in Mecklenburg-Vorpommern lahmgelegt. „Da geht nichts mehr“, sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei. An mehreren Stellen hätten sich Fahrzeuge quer gestellt. Dutzende Menschen steckten in ihren Autos fest. Selbst Räumfahrzeuge kämen nicht mehr voran, sodass nun Bagger im Einsatz seien.

In mehreren Landkreisen seien die Bürgermeister angewiesen worden, ihre Gemeinden abzuriegeln und die Einwohner daran zu hindern, auf die Autobahn zu fahren, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion in Rostock. Die Warnmeldung sei gegen fünf Uhr morgens ausgegeben worden. Wegen des Schneesturms sei die A20 ab Greifswald bis zur Landesgrenze nach Polen derzeit unpassierbar. Auch auf dem restlichen Abschnitt gäbe es mehrere Staus.

Das größte Problem seien die orkanartigen Sturmböen, die nach kurzer Zeit bereits geräumte Strecken wieder mit Schneemassen zuwehten, erklärte der Polizeisprecher weiter. Da der Wind am Vormittag aber nachlassen solle, sei ab Sonntagmittag mit einer Entspannung der Lage zu rechnen.

Das Schweriner Innenministerium hat wegen des Schneechaos im Straßen- und Bahnverkehr den interministeriellen Führungsstab einberufen. So soll ressortübergreifend Hilfe organisiert werden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Oberstes Ziel sei es, dass keine Menschen zu Schaden kommen. Deshalb soll zuerst ein Konvoi von 30 Fahrzeugen von der A 20 geleitet werden, der auf dem Rastplatz Peenetal in Richtung Polen festsaß. Die Fahrzeuge, darunter auch ein Bus, seien mit Hilfe von Räumfahrzeugen auf dem Weg nach Norden zur Ausfahrt Greifswald und sollen bis zum Nachmittag in Sicherheit sein.

Niedersachsen

In Niedersachsen ist am Wochenende das befürchtete große Schneechaos weitgehend ausgeblieben. Trotzdem mussten nach Polizeiangaben vor allem im Harz und in angrenzenden Landkreisen etliche Straßen für den Verkehr gesperrt werden. Auf glatten und schneebedeckten Fahrbahnen ereigneten sich zahlreiche Unfälle. Im Kreis Schaumburg kam am Samstag eine 25-jährige Frau ums Leben, nachdem ihr Auto von der Fahrbahn gerutscht und gegen einen Baum geprallt war.

Wegen starken Schneefalls und teils meterhoher Verwehungen sperrte die Polizei bereits am Samstag viele Landes- und Kreisstraßen. Neben dem Harz waren vor allem Ostfriesland, der Landkreis Northeim sowie in geringerem Ausmaß die Kreise Göttingen und Holzminden betroffen. Die Autobahnen und Bundesstraßen seien aber überall freigeräumt gewesen, hieß es. Bei Unfällen in nahezu allen Landesteilen wurden insgesamt mehr als 20 Personen verletzt.

In Teilen der Landkreise Aurich und Wittmund fuhren wegen extremer Straßenglätte keine Busse. Die Fähren zu und von den ostfriesischen Inseln fuhren nach Angaben der niedersächsischen Verkehrsmanagementzentrale gar nicht oder nur ungeschränkt. Auch mehrere Elbfähren stellten den Betrieb ein.

In der Gemeinde Hornburg sperrte die Verwaltung die Sporthallen der Grundschule wegen hohen Schneelast auf den Dächern bis Montag. Insgesamt waren die Auswirkungen des Tiefs „Daisy“ nach Angaben der Polizei weniger schlimm als ursprünglich befürchtet. Entwarnung gab es zunächst aber nicht. In einigen Landesteilen fiel am Sonntag erneut Schnee.

Harz

Wegen schlechter Sicht und Sturmböen ist das Damenweltcup-Skispringen in Braunlage im Harz am Wochenende ausgefallen. Die Jury gab auch am Sonntag die 90-Meter-Schanze auf dem Wurmberg wegen des extremen Winterwetters nicht frei.

Bereits am Samstag war das Springen abgesagt worden. Ausschlaggebend für den Entschluss „war vor allem der starke Wind“, sagte der Vorsitzende des veranstaltenden Wintersportsvereins Braunlage, Eckard Friedrich. Die Gesundheit der Springerinnen gehe vor.

Thüringen

Dagegen hat sich die Lage in Thüringen entspannt. „Es ist sehr sehr ruhig“, sagte ein Sprecher des Verkehrswarndienstes in Erfurt. Bis auf einige nach wie vor wegen Schneeverwehungen gesperrte Landstraßen nördlich der Autobahn A 4 Eisenach-Chemnitz und zwei Unfälle auf der Autobahn München-Berlin bei Lobenstein laufe der Verkehr.

Der Winterdienst halte alles frei, kämpfe mancherorts aber mit Schneeverwehungen bis zu einem halben Meter. Am Morgen habe es kurzzeitig einen Stau am Rennsteigtunnel gegeben – allerdings wegen der Anfahrt zum Biathlon-Weltcup in Oberhof.

Zugverkehr

Der Bahn-Nahverkehr im Norden Deutschlands ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Nach Angaben der Deutschen Bahn waren vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein Regionalbahn-Linien wegen Schneeverwehungen eingestellt. Drei Personenzüge hatten sich in Mecklenburg-Vorpommern im Schnee festgefahren. Alle Passagiere waren aber in Sicherheit gebracht worden.

Im Bahn-Fernverkehr waren nach Angaben des Bahnsprechers jedoch alle Hauptlinien frei. Die Lage sei deutlich entspannter als am Samstag. Auch die Verspätungen seien geringer. Am Samstag hatten Bahnreisende zum Teil Stunden auf ihre Züge warten müssen, wenn sie überhaupt fuhren.

Flugverkehr

Wegen starken Schneefälle ist es auch am Sonntag zu erheblichen Problemen im Flugverkehr gekommen. Allein in Frankfurt am Main wurden von Mitternacht bis kurz nach 10.00 Uhr 61 Flüge gestrichen, wie ein Flughafensprecher mitteilte.

Der Flughafen war zwar geöffnet, die Fluggäste der übrigen Flüge mussten jedoch Verspätungen von durchschnittlich einer Stunde hinnehmen. Am Samstag waren in Frankfurt bereits 255 Flüge abgesagt worden. Auch von anderen deutschen Flughäfen wurden Behinderungen und Flugausfälle gemeldet.

Bis zum Samstagnachmittag seien insgesamt 226 Flüge auf dem Frankfurter Flughafen ausgefallen, sagte ein Sprecher. Betroffen waren 111 Starts und 115 Landungen. Vor allem innerdeutsche Flüge und Kontinentalflüge mussten gestrichen werden.

Wegen des starken und böigen Windes konnte zudem die Startbahn West den ganzen Samstag über nur eingeschränkt genutzt werden. Dadurch kam es zu zahlreichen Verspätungen. Viele Maschinen mussten über Deutschlands größtem Flughafen Warteschleifen fliegen. Einige Maschinen seien dadurch bis zu einer Stunde über dem Flughafen in der Luft gewesen.

Trotz der vielen Ausfälle war es in den Terminals im Abflugbereich recht ruhig. Viele Passagiere hätten sich offenbar frühzeitig über die Annulierungen informiert. Auch am Sonntag soll es noch zu Verspätungen kommen.

Vorhersage:

Für den Sonntag sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) auch noch vor allem in der Mitte, im Norden und im Osten Deutschlands noch Schneefälle voraus, die bis zu 15 Zentimeter Neuschnee bringen könnten. Ebenso wurde vor starkem Sturm mit orkanartigen Böen an der Ostsee gewarnt. Erst im Laufe des Montags werde sich die Lage allmählich entspannen.

dpa/ddp/Reuters/cor