Verbrechen

Stalker sticht auf 28-jährige Frau ein

Der obdachlose Hamburger bedrängt sein Opfer schon seit Jahren. Die Krankengymnastin hatte ihn bereits mehrfach angezeigt und eine Einstwillige Verfügung erwirkt. Sie kämpft im Krankenhaus um ihr Leben.

Foto: Kate Morwenna Healey / Picture-Alliance

Ein sogenannter Stalker hat in Hamburg-Stellingen eine 28 Jahre alte Frau niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Der Mann hatte die Frau bereits seit rund vier Jahren belästigt. Das Opfer hatte den 47-Jährigen deswegen bereits mehrfach angezeigt und auch eine Einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt. Der Täter stellte sich am Nachmittag. Gegen ihn wurde Haftbefehl beantragt.

2002 hatte Janine M. das erste Mal mit Peter R. Kontakt gehabt. Der Mann war damals ein ganz normaler Patient der Krankengymnastin gewesen. Als die Behandlung zu Ende war, verschwand der Mann aus dem Leben der Frau. Ein Jahr später tauchte er wieder bei ihr auf. Die Belästigungen begannen. Immer wieder machte sich der Mann an die hübsche Frau ran. Doch Janine M., die glücklich mit einem Fahrlehrer zusammenlebt und die als selbstbewusste Frau gilt, machte Peter R. klar, dass sie nichts von ihm wollte. Im März 2005 erstattete die Frau gegen ihn die erste Anzeige wegen Sachbeschädigung und Belästigung. Weitere Anzeigen folgten, weil PeterR. ihr immer wieder nachstellte. „Wir haben die Frau schon frühzeitig an eine Hilfseinrichtung vermittelt“, sagt Polizeisprecher Ralf Meyer. Dort riet man der Frau zum Gang zum Zivilgericht. Dort erwirkte sie gegen den Mann eine Einstweilige Verfügung. Den Paragrafen 238, durch den das Nachstellen unter Strafe gestellt und durch andere Gesetze, wie dem Gewaltschutzgesetz, ergänzt wird, gab es damals noch nicht. Das Gesetz ist erst Ende März dieses Jahres eingeführt worden.

Die Frau hatte viel Blut verloren

Peter R. beeindruckte die Einstweilige Verfügung offenbar nicht. Er tauchte trotzdem immer wieder bei der Frau auf. Erneute Anzeigen machten den Belästigungen kein Ende. „Es gab zwischendurch immer lange Phasen, in denen er sich nicht bei der Frau blicken ließ“, sagt ein Beamter. „Auch gab es keine Hinweise darauf, dass er zu so einer Tat fähig ist.“ Denn Peter R. war bei der Polizei noch nie wegen Gewalttätigkeiten aufgefallen. Auch war er der Frau gegenüber früher nie handgreiflich geworden. „Er hatte die Frau meist durch seine Anwesenheit bedrängt“, sagt ein Beamter. Im Juni belästigte Peter R. die Frau und deren Freund und bepöbelte sie. Dann war ein paar Wochen Ruhe. Am Montag lauerte der Mann Janine M. erneut auf. Am Försterweg in Stellingen fing er die Frau ab, als sie auf dem Weg zur Arbeit war. Janine M. rief die Polizei. Die Beamten trafen den 47-Jährigen noch in der Nähe an. Peter R. musste mit zur Wache.

Am Dienstagmorgen um kurz vor 8 Uhr kam es dann zu der Tat. Diesmal passte Peter R. sein Opfer in der Uwestraße ab, diesmal hatte er ein Messer dabei. Sekunden später hörten Anwohner gellende Schreie. Der Mann hatte seinem Opfer mit dem Messer in den Bauch und ins Gesicht gestochen. Passanten entdeckten die Frau leblos in einem Gebüsch. Der alarmierte Notarzt versorgte die Schwerverletzte noch am Tatort. Dann kam sie mit einem Rettungswagen in das Universitätskrankenhaus Eppendorf. Ihr Gesundheitszustand war auch am Dienstagabend noch kritisch. Durch den Stich in den Bauch wurde ein Gefäß verletzt. Die Frau hatte viel Blut verloren.

Während Janine M. im UKE um ihr Leben kämpfte, stellte sich Peter R. nur ein paar Straßen weiter, an der Wache 23 in der Troplowitzstraße, der Polizei. Was den obdachlosen Mann zu der Tat getrieben hat, ist bislang unbekannt. „Wir haben als Polizei alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die uns zur Verfügung standen“, sagt Meyer. Dazu gehörten mehrfach sogenannte „Gefährderansprachen“, bei denen offensiv und präventiv auf den Täter zugegangen wird. „Es war eine Eskalation, mit der man aufgrund der Vorgeschichte und den bisherigen Erkenntnissen über den Mann nicht rechnen konnte“, sagt Polizeisprecher Ralf Meyer. Der Fall zeige auch, dass es Sicherheit rund um die Uhr nicht geben könne.