In einem Londoner Kabbalah-Zentrum sollen sie im Sommer noch ihr Ehegelübde wiederholt haben. Madonna und Guy Ritchie wollten, hieß es, ihre Ehe wieder in den Griff bekommen. Eine Beziehung, über deren Ende wochenlang spekuliert wurde, weil immer neue Gerüchte an die Öffentlichkeit gelangten.

Über Seitensprünge. Über Schreiereien, die in Restaurants fortgesetzt wurden. In den Magazinen häuften sich die Fotografien, auf denen Madonna und ihr Gatte so viel Wärme ausstrahlten wie Prinz Charles und Lady Diana in ihren schlimmsten Zeiten. Doch Madonna und Guy Ritchie spielten heile Welt, hielten Händchen mit zugekniffenen Lippen. Seit Mittwoch ist das Versteckspiel zu Ende: Madonna, verkündete eine Sprecherin der 50-Jährigen, und ihr Ehemann Guy Ritchie gehen künftig getrennte Wege.

Jetzt war es endlich raus, und seitdem kocht die Gerüchteküche über die Gründe des Scheiterns. Ausgerechnet Madonnas Hingabe an die jüdische Geheimlehre Kabbalah, die im Sommer noch die Ehe retten sollte, hat angeblich die Entzweiung befördert.

Ritchie ging die religiöse Fixierung seiner Frau offenbar auf die Nerven. Und auch ihr Anliegen, neben David Banda aus Malawi ein weiteres Kind zu adoptieren, wollte er angeblich nicht unterstützen. Streit soll es auch über Madonnas Pläne gegeben haben, von London nach New York zu gehen. Es klingt wie der alltägliche Wahnsinn einer Ehe, in der keine Liebe mehr ist.

Es war ein rauschendes Hochzeitsfest in einem schottischen Schloss, das die beiden im Dezember 2000 feierten. Madonna hatte zum zweiten Mal Ja gesagt, nachdem sie sich 1989 von Schauspieler Sean Penn getrennt hatte. Die Musikerin brachte die vierjährige Lourdes mit in die Ehe, Vater ist Madonnas ehemaliger Fitnesstrainer Carlos Leon. Acht Monate nach der Hochzeit mit dem zehn Jahre jüngeren Ritchie kam Sohn Rocco zur Welt. Das Glück schien perfekt.

Doch es bedarf schon großer Gefühle, um ein solches Ungleichgewicht ertragen zu können, wie es in dieser Partnerschaft bestand. Neben Madonnas rasanter und nicht enden wollender Karriere, in deren Verlauf sie es auf ein geschätztes Vermögen von 300 Millionen Pfund brachte, sahen Ritchies Regiearbeiten kläglich aus.

Dass sein mit Madonna in der Hauptrolle gedrehter Spielfilm „Stürmische Liebe – Swept Away“ von 2003 floppte, wird dem Familienfrieden nicht gerade förderlich gewesen sein. Immerhin soll er es auch zu einem beträchtlichen Einkommen von mehreren Millionen gebracht haben, aus dem er aber, wie Madonna angeblich Freunden gegenüber behauptet hat, nichts zum Lebensunterhalt der Familie beigesteuert hat: Durchfüttern ließ er sich, soll Madonna gesagt haben, hockte in Pubs, statt Zeit mit der Familie zu verbringen. Tatsächlich soll er mit dem Ruhm seiner Frau, die seit 25 Jahren Musikgeschichte schreibt und nur wenige Wochen vor ihrem 50.Geburtstag noch einen Zehn-Jahres-Vertrag mit ihrer Konzertagentur abgeschlossen hat, nur schwer zu Recht gekommen sein.


Ob Heilige oder Hure, ob sie mit Britney Spears Zungenküsse tauscht oder ihre Fans auffordert, Barack Obama zu wählen – Madonna inszeniert sich immer wieder neu. Wer hinter der Frau aber wirklich steckt, bleibt Spekulation. Das betrifft auch die vermeintlichen Gründe für das Ende ihrer Ehe.


Die Tatsache, dass Madonna nur einen Tag nach dessen Verkündigung in Boston vor 20.000 Fans ein grandioses Konzert gibt, bei dem sie sich nichts anmerken lässt, bestätigt ihre perfekte Verkleidung aus Professionalität. Die Nachricht über die getrennten Wege, die Madonna und Guy Ritchie jetzt gehen, hat deshalb etwas ungemein Menschliches, weil sie uns endlich etwas über Madonna verrät.


Weil sie die Ikone aus der glänzenden Designerwelt in die traurige Wirklichkeit einer gescheiterten Liebe holt. In die Welt der Tränen, Zweifel und Sorgen um die Kinder. Das ist das wahre Leben, genau so wie die Aussicht auf ein neues Glück. Denn auch daran besteht offenbar kein Zweifel mehr: Das Magazin „US Weekly“ berichtet, dass die Musikerin mit dem 33-jährigen Baseballspieler Alex Rodriguez „definitiv ein romantisches Verhältnis“ verbindet. Seine Frau Cynthia soll bereits die Scheidung eingereicht haben.

Bleibt zu hoffen, dass kein Rosenkrieg das Glück trübt. Scheidungsanwälte vermuten, Madonna könnte mit bis zu 75 Millionen Pfund zur Kasse gebeten werden. Ritchie will angeblich gar kein Geld von Madonna. Die soll indes bereits Fiona Shackleton konsultiert haben, die Anwältin, die bereits Prinz Charles und jüngst Paul McCartney so erfolgreich in den Scheidungsschlachten vertreten hat.

AFP/cor