Gefälschte Schmuddelfilme

Sex, Lügen und der Porno mit Marilyn Monroe

Ein New Yorker Geschäftsmann hat 1,5 Millionen Dollar für einen angeblichen Pornofilm mit Marilyn Monroe bezahlt. Doch bei Promi-Pornos sollte man misstrauisch sein, denn solche Schmuddelfilme sind oft gefälscht. Im Internet ist heutzutage jedoch meistens nur noch Schadensbegrenzung möglich.

Foto: pa / united archives

Mr. Keya Morgan, der Memorabilia-Sammler, ist eine Respektsperson. Er besitzt der Welt größte Sammlung von Originalfotografien von Abraham Lincoln und seines Armeekommandanten Ulysses S. Grant. Aber er ist auch ein Jäger – und als er bei der Recherche für eine Dokumentation über Marilyn Monroe mit einem früheren FBI-Agenten zusammenkam, witterte sein Instinkt reiche Beute.

Der Ex-Agent erzählte von einem Informanten, der ihm Mitte der Sechziger einen Film angeboten habe: Marilyn Monroe beim Oralsex. J. Edgar Hoovers Beamte – immer nach Prominente belastendem Material schnüffelnd – beschlagnahmten die Rolle und spielten sie ihrem Chef vor. Dessen Interesse galt weniger der schon verstorbenen Schauspielerin als ihrem Partner, dessen Gesicht nie zu sehen ist. In seinem Auftrag sollen Untergebene versucht haben, zu beweisen, dass es sich bei dem Mann um entweder John F. oder Robert Kennedy handle. Nach zweiwöchigen Recherchen – man fragt sich, wie die Beamten vorgingen – sei der Fall ungelöst zu den Akten gelegt worden.

Mr. Keya Morgan wiederum interessierte weniger der männliche Torso als der Verbleib des Films. Das FBI würde ihn sicher nicht herausgeben. Der Ex-Agent aber verriet den Namen seines damaligen Informanten, und Mr. Morgan spürte dessen Sohn in Washington auf. Der holte aus seinem Banksafe eine Filmspule und steckte sie auf einen Projektor: „Ich konnte sofort erkennen, dass es sich um Marilyn handelte“, erzählt Morgan. „Sie hatte den berühmten Leberfleck auf ihrer linken Wange.“ Der Informant hatte vor 40 Jahren sicherheitshalber eine Kopie ziehen lassen. Hoovers FBI war nicht zu trauen.

Bei Promi-Pornos sollte man misstrauisch sein

Auch bei Promi-Pornos sollte man misstrauisch sein, selbst wenn man sie sieht. Barbra Streisand erstand einmal eine Kopie eines solchen, der angeblich sie zeigte, fand aber lediglich „eine Frau mit großer Nase beim Sex“. Oder „The Apple Knockers and the Coke“. Darin vollführt eine Frau einen Striptease, rollt einen Apfel auf ihrer Brust und nippt schließlich an einem Soda. Das Filmchen zirkulierte in den Fünfzigern durch private Klubs, und jeder wollte darin die junge Marilyn Monroe um die Zeit ihrer Nacktfotos für den allerersten „Playboy“ erkennen. Nun haben ernsthafte Historiker solche Filmchen lange als unter ihrer Würde betrachtet, doch seit Trash hoffähig geworden ist, werden auch sie durchleuchtet. Mit ernüchternden Resultaten: Die Apfel-Rollerin war nicht Marilyn, sondern ein Model namens Arlene Hunter, das es im August 1954 noch zum „Playmate des Monats“ bringen sollte.


Immer noch umstritten sind Schwarzweißminuten aus dem Jahr 1948, die eine üppige Blondine beim Sex mit einem schnurrbärtigen Herrn auf einem Sofa zeigen. Der Streifen wurde 1980 von einem schwedischen Fotografen ans „Penthouse“ verkauft, das sofort eine Titelgeschichte mit grieseligen Bildvergrößerungen strickte. 1997 lief das Werk gar vor 2500 Zuschauern auf einem Festival für Sammler im spanischen Vilaseca-Salou. Vergleicht man das Sofafräulein mit der jungen Marilyn im fast zeitgleich gedrehten Marx-Brothers-Film „Love Happy“ ist die Ähnlichkeit tatsächlich frappierend.


Im Fall Monroe existieren die Filme wenigstens, über die man sich geifernd ereifert. Von den anderen existieren nur die Legenden, so von den geheimnisumwobenen Nacktstreifen der Lucille LaSueur, die als Joan Crawford unsterblich wurde. Kenneth Anger, Klatsch-Historiker der Filmmetropole, reportiert in seinem „Hollywood Babylon“, die Filme seien in Chicago aufgenommen und bei Texas Guinan gezeigt worden, der legendären „Königin der Nachtklubs“; Madonna wollte sie in einem – nie gedrehten – Film spielen, dessen Songs jedoch auf ihrem Album „Confessions on a Dance Floor“ verewigt sind.

"Niemals habe ich einen Sexfilm gemacht"

In seinem ebenfalls klatschfreudigen, aber gut recherchierten Buch „The Secret Life of Humphrey Bogart“ imaginiert Darwin Porter, was sich bei einem frühen Treffen Bogarts mit der Crawford – die beiden kannten sich ziemlich intim – abgespielt haben könnte; der Doug, von dem sie reden, ist der damals weltgrößte Filmstar, Douglas Fairbanks.

„,Ich habe mit dir ein Hühnchen zu rupfen', sagte sie mit dieser Stimme, die bald berühmt werden sollte. ,Hast du Doug erzählt, dass ich Sexfilme gemacht habe, die in Texas Guinans Klub gezeigt wurden?' Er zögerte einen langen Moment. ,Das habe ich. Vielleicht habe ich mich verquatscht. Niemand hat mir je vorgeworfen, ich sei zu diskret.'

,Zu deiner Information: Niemals habe ich – merk' dir das Bogart – einen Sexfilm gemacht. Ich weiß nicht, wen du auf der Leinwand in Texas Guinans Klub gesehen hast. Es war auf jeden Fall nicht Joan Crawford.' ,Sie hat aber verdammt nach dir ausgesehen', sagte er. ,Texas Guinan behauptet, du seiest es.' ,Texas Guinan ist eine Lesbe, die es auf mich abgesehen hat. Sie ist eine Alkoholschmugglerin, eine Hure und eine Lügnerin. So viel über deine zuverlässige Zeugin.' ,.Dann entschuldige ich mich.'

,Der gute, der galante Doug hat versucht, diese Filme aufzukaufen. Aber etwas ging schief. Ein Scheißkerl hat eine Kopie an Louis B. Mayer geschickt (den Chef von MGM), und er hat sie gesehen. Ich kenne seine Reaktion nicht, aber das ist wohl mein Ende bei diesem Studio. Dabei hätte ich die Königin von MGM werden können.'“ Joan hätte sich nicht zu sorgen brauchen. Sie sollte trotzdem die Dreißiger bei MGM regieren, denn die Studios wussten Mittel und Wege, Skandale unter den Teppich zu kehren; Hollywood war rigide kontrolliertes Medienkartell.

Im Internet ist nur noch Schadensbegrenzung möglich

Heute, im Internet, ist nur noch Schadensbegrenzung möglich. Colin Farrell erwirkte ein gerichtliches Verbot seines Sex-Videos mit dem Playmate Nicole Narain – doch bald fand es sich im Netz, mit den noch berüchtigteren von Pamela Anderson und Tommy Lee oder Paris Hilton und Rick Salomon.


Die einzig mögliche Reaktion der Zelebritäten scheint inzwischen darin zu bestehen, aus dem „Unglück“ – manche dürften es auch inszeniert haben – noch ein paar Dollar zu schlagen, indem sie selbst eine DVD veröffentlichen.


Was uns zu dem ungenannten New Yorker Geschäftsmann bringt, der 1,5 Millionen Dollar für die kniende Marilyn gezahlt haben soll. Er hat versprochen, seine Erwerbung werde vor Internetaugen sicher im Tresor verschwinden: „Ich werde keine Paris Hilton aus ihr machen.“ Es gibt doch noch Gentlemen.