Nach dem Durchzug des Sturmtiefs „Daisy“ entspannt sich die Wetterlage in Norddeutschland allmählich. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern teilten mit, der Katastrophenalarm im Landkreis Ostvorpommern sei inzwischen aufgehoben. Die A20 sei bis auf ein Teilstück wieder befahrbar.
Auch direkt an der Küste habe sich die Lage beruhigt. Die Deiche hielten der Sturmflut stand, und der Wind flaue ab. Alles sei unter Kontrolle. „Die Tendenz ist, dass sich das Ganze langsam entspannt“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums.
Zur Lage auf der Ostseeinsel Fehmarn hieß es von den Behörden im Kreis Ostholstein, einige Dörfer seien noch von der Außenwelt abgeschnitten. Ob sie im Laufe des Tages wieder erreichbar seien, lasse sich noch nicht abschätzen. Die Räumdienste seien in vollem Einsatz.
Allerdings werde ihre Arbeit dadurch behindert, dass einige Autofahrer ihre Fahrzeuge am Sonntag vor Schneewehen zurückgelassen hätten. Am Abend hatte der Einsatzleiter der Feuerwehr im NDR erklärt, die Gefahr von Deichdurchbrüchen sei vorerst gebannt.
Eine ADAC-Sprecherin warnte am Montag im ZDF, bundesweit sei weiterhin mit Eis- und Schneeglätte auf den Straßen zu rechnen.
Schneeverwehungen behindern allerdings weiter den Verkehr in einigen Teilen Vorpommerns. So blockieren auf der B 109 zwischen Greifswald und Anklam seit dem Morgen sechs Autos und zwei Lastwagen den Verkehr, die sich im Schnee festfuhren. „Wir machen da weiter, wo wir gestern aufgehört haben“, sagte ein Polizeisprecher in Anklam.
Wegen der Probleme sei auch eine wichtige Umfahrung der Autobahn 20 gesperrt. Die Autobahn ist zwischen den Abfahrten Gützkow und Greifswald immer noch in beiden Richtungen unbefahrbar.
Dort müssten mehrere Lastwagen, die seit Sonntag festsäßen, erst mit Schneefräsen freigeräumt werden. Auf der Insel Rügen fuhr sich außerdem ein Bus zwischen Altefähr und Gustow in einer Schneewehe fest.
Um Schüler nicht zu gefährden fällt trotzdem in vielen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen am Montag der Unterricht aus.
Am Wochenende hatte es wegen des Sturmtiefs massive Behinderungen gegeben. Die Polizei registrierte landesweit mehr als 2000 Unfälle. Am schlimmsten hatte es die Menschen auf Fehmarn getroffen, wo der Sturm über das flache Land wütete und sämtliche Dörfer vom Schnee einschloss.
Das extreme Hochwasser der Ostsee und der Sturm hätten zudem einen Deich auf 25 Meter Länge unterspült. In der Nacht waren immer noch rund 20 der 42 Orte eingeschneit. Neuschnee, Eis und extremer Wind sorgten auch in weiten Teilen des übrigen Landes für massive Verkehrsprobleme.
Mehrere Autobahnen und Bundesstraßen mussten gesperrt werden, einige Fähren stellten ihren Betrieb ein. Zugverspätungen und -ausfälle gab es den ganzen Tag über in vielen Teilen Deutschlands. In Nordrhein-Westfalen ereigneten sich mehr als 1000 Verkehrsunfälle, dort starben zwei Menschen.
Die Räumdienste konnten im Norden nur mit Mühe Autobahnen sowie andere Hauptverkehrsstraßen freihalten. Die A 20 zwischen Bad Segeberg und Lübeck wurde auf 20 Kilometer gesperrt. Schneewehen und umgestürzte Bäume blockierten Straßen auch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Flug- und Zugverkehr
Auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt fielen bis Sonntagnachmittag rund 320 Flüge aus. Etwa 60000 Fluggäste waren betroffen. Rund 100 Passagiere campierten im Airport auf Feldbetten, tausende Fluggäste schliefen in Hotels.
Bundesweit wurden Bahnstrecken gesperrt und Züge verspäteten sich. Schneeverwehungen hätten viele Weichen gestört und einzelne Strecken unpassierbar gemacht, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn.
Bahn-Vorstand Ulrich Homburg entschuldigte sich in der "Bild am Sonntag“ bei den Fahrgästen: „Wir sind und bleiben ein Verkehrsmittel für jedes Wetter. Aber gerade Eisregen ist ein seltenes Ereignis, für das es keine Abhilfe gibt.“ Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach soll Tief „Daisy“ an diesem Montag in Richtung Mittelmeer abziehen. Dann folge eine neue Kältewelle und lasse die Schneedecke festfrieren.
dpa/Reuters/ddp/cor




























