Viele Schulbusse in Deutschland weisen einer Untersuchung zufolge erschreckende Sicherheitsmängel auf. Eine technische Überprüfung durch den ADAC und die Polizei habe bei 7 von insgesamt 141 Bussen erhebliche technische Fehler gezeigt, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.
Dazu gehörten defekte Nothähne zum Öffnen der Türen und ein nicht richtig funktionierender Einklemmschutz. In zehn Fällen wurden Schäden an der Karosserie entdeckt, zwölfmal mussten die Reifen beanstandet werden. Zwei Busse in Nordrhein-Westfalen und ein Bus in Hessen mussten sogar aus dem Verkehr gezogen werden - wegen hervorstechender Blechteile in der Karosserie beziehungsweise einer undichten Bremsanlage.
Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, hatte der ADAC in der groß angelegten Aktion Busse in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz untersucht. Kfz-Sachverständige beobachteten zusammen mit der Polizei Haltestellen und Schulen und stiegen teilweise selbst mit in die Busse. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Neben technischen Mängeln kritisieren die Tester auch das zu knappe Angebot an Sitzplätzen. Bereits beim Einstieg spielten sich im Gedränge „dramatische Szenen“ ab. Mit Drängeln und Schubsen versuchten die Kinder, in den Bus zu kommen. Dabei hatten sich bereits mehrere schwere Unfällen ereignet. Im niederbayerischen Abensberg wurde ein acht Jahre alter Junge Anfang Dezember von einem Schulbus mitgeschleift und getötet, nachdem sich seine Kleidung in der Tür des Busses verfangen hatte. Im sächsischen Schöneck fiel ein Mädchen im Gedränge hin und wurde überfahren. In Lindlar in Nordrhein-Westfalen wurden drei Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren im Dezember beim Umsteigen von einem Schulbus erfasst und verletzt.
Aus Platzmangel seien die Kinder oft gezwungen, auf Stufen im Bereich der Türen zu stehen, obwohl das verboten sei, heißt es in dem Bericht. Wegen knapp kalkulierter Fahrpläne hätten die Busfahrer aber keine Zeit, ihre Fahrgäste zum Einhalten der Regeln anzuhalten oder gar Schubsereien zu beenden. Mehrere Busfahrer hielten sich zudem nicht an das vorgeschriebene Höchsttempo von 60 Stundenkilometern, sondern wurden mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern ertappt.
Der ADAC will als Konsequenz aus der Untersuchung Verkehrspolitiker auffordern, sich mit dem Problem zu beschäftigen. Der Club schlägt vor, Sicherheitspersonal einzusetzen, das in den Bussen für Ordnung sorgt und fordert auch Anschnallgurte für Überlandfahrten. Mindestens sollten aber Haltegriffe in kindgerechter Höhe angebracht werden.
dpa/sa




