Inzest-Fall von Amstetten

Josef Fritzl könnte bald wieder freikommen

Der Inzest-Fall von Amstetten steht vor seiner juristischen Aufarbeitung. Die Anklageschrift gegen den 73-Jährigen soll in diesem Herbst stehen. Doch jetzt kommt heraus: Im für Fritzl günstigsten Fall könnte er sehr schnell wieder auf freien Fuß kommen. Der Anklage sollen die Beweise fehlen.

Bei der Verhandlung werde quasi Aussage gegen Aussage der Beteiligten stehen, schreibt das US-Magazin „Times“ (Internetausgabe). Das Problem: Fritzls älteste Kinder wollen ihre Aussage, denen im Verfahren eine Schlüsselfunktion zugeschrieben wird, höchst wahrscheinlich verweigern. Sie sollten vor allem die Angaben ihrer Schwester Elisabeth (42) und ihrer Mutter Rosemarie (69) stützen. Letztere soll unwissentlich drei der im Keller gezeugten Kinder aufgezogen haben.

„Wir haben noch keinen Termin für ihre Befragung festgelegt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Gerhard Sedlacek, „aber es zeichnet sich jetzt schon ab, dass sie wahrscheinlich auf ihrem Zeugnisverweigerungsrecht bestehen und nichts sagen werden.“ Die Staatsanwaltschaft wisse, dass dies zwischen den Kindern, ihren Anwälten und den Richtern derzeit diskutiert werde.

Die drei noch minderjährigen Kinder, die aus dem Keller stammen, dürften vor Gericht noch nicht aussagen, behauptet die „Times“.


Bei dem vermutlich im Herbst beginnenden Verfahren muss sich Fritzl sicher für mehrere Straftaten gleichzeitig verantworten: Unter anderem Vergewaltigung, Inzest sowie Freiheitsberaubung seiner Tochter Elisabeth Fritzl und der drei im Keller verbliebenen Kinder die nicht nach draußen durften.

Bei einer Verurteilung richtet sich allerdings die im Gefängnis abzusitzenden Jahre nur nach der Höchststrafe. Das bedeutet, die Strafen werden genauso wie in Deutschland nicht addiert. So würde Fritzl mit einer Haftstrafe auch die für alle anderen absitzen. Der Inzest-Vater käme so in dem für ihn günstigsten Fall bereits nach zehn oder 15 Jahren wieder aus der Haft heraus.

Die Staatsanwaltschaft prüft deshalb, ob Fritzl nicht auch wegen Mordes oder wegen Totschlags zur Verantwortung gezogen werden kann. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Juristisch schwer zu beweisen

Doch hier bewegt sich die Staatsanwaltschaft auf unsicherem Terrain: Anhaltspunkte dafür habe die Staatsanwaltschaft der „Times“ zufolge zwar durch die Aussage von Elisabeth (42) erhalten, die 24 Jahre in einem Verlies seines Kellers gefangen gehalten und missbraucht wurde. Demnach soll Josef Fritzl Schuld an dem Tod des Zwillings M. sein, der 1996 drei Tage nach der Geburt gestorben ist. Das Kind sei durch die Umstände in dem Keller gestorben, soll Elisabeth laut der Times ihren Vater beschuldigt haben. Fritzl, ein Ingenieur in Rente, habe anschließend den kleinen Körper im Heizkessel des Hauses verbrannt.

Doch es gibt einen Haken – die hieb- und stichfesten Beweise fehlen: „Es gibt keinen sicheren und direkten forensischen Beweis, weil so viel Zeit vergangenen ist und es keine Leiche gibt. Die Anklage basiert deshalb ausschließlich auf der Aussage der Tochter. Wir müssen beweisen, dass es einen Vorsatz gab und – auch im Falle von Totschlag –, dass das Kind überlebt hätte, wenn es medizinische Hilfe erhalten hätte.“

Die Staatsanwaltschaft habe deshalb nach Angaben der „Times“ einen Kindermediziner engagiert, der auf Neugeborene spezialisiert sei und Elisabeths Aussage Glaubwürdigkeit verleihen könne. Diese wurde über mehrere Tage an einem geheimen Ort auf Video aufgenommen. Elisabeth wird seit ihrer Befreiung am 26. April 2008 in einer Klinik auch psychologisch betreut und will ihren Vater nie wieder sehen.

Schenken die Richter Elisabeth und ihrer Mutter keinen Glauben, käme für Josef Fritzl im höchsten Falle eine Verurteilung wegen Vergewaltigung in Betracht. Diese wird in Österreich maximal mit 15 Jahren geahndet. Doch auch hierfür sei die Beweisführung kompliziert, schreibt die „Times“, denn diese beruhten ebenfalls ausschließlich auf der Aussage von Elisabeth.

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