Einer Studie zufolge, die am Sonntag veröffentlicht wird, wiegen 75 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen zu viel. Damit liegt Deutschland weltweit mit den USA gleichauf, schreibt die „Süddeutsche Zeitung". Nach der Untersuchung der International Association for the Study of Obesity (IASO) hat Deutschland damit in der EU Tschechien, Zypern und Großbritannien an der Spitze der Rangliste abgelöst.

Fettleibigkeit sei zu einer weltweiten Epidemie geworden, zitiert die Zeitung den Europa-Präsidenten der IASO, Vojtech Hainer. Bei den Männern in Deutschland sind nach der Erhebung 52,9 Prozent übergewichtig, 22,5 leiden unter krankhafter Fettleibigkeit. Bei den Frauen haben 35,6 Prozent Übergewicht, 23,3 Prozent sind adipös.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt die Entwicklung vor allem darauf zurück, dass sich die Deutschen zu kalorienreich ernähren und zu wenig bewegen. Die Bundesbürger deckten rund 35 Prozent ihres Energiebedarfs mit Fett. Empfohlen werden jedoch höchstens 30 Prozent. Auch der Bierkonsum spielt eine Rolle: Die Kalorien in dem Getränk sättigten nicht, setzten sich aber als überflüssige Pfunde an. Angehörige niedriger Einkommens- und Bildungsklassen sind nach WHO-Angaben überdurchschnittlich oft von Gewichtsproblemen betroffen.

Die überflüssigen Pfunde entwickelten sich zu einer Belastung für das Gesundheitssystem, warnte Hainer. Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall und verschiedene Krebsarten seien oft die Folge. Dies hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft: Sechs Prozent der Ausgaben der Gesundheitssysteme in der EU gehen auf Krankheiten zurück, die von Übergewicht verursacht worden sind. In Deutschland sind das zwischen 10 und 20 Milliarden Euro. Die Weltgesundheitsorganisation forderte die Politik zum Handeln auf. Die Werbung für fette und zuckerhaltige Nahrungsmittel solle eingeschränkt und die Menschen zu mehr körperlicher Bewegung animiert werden.

dpa/cl