„Wir müssen konsequent gegen öffentlichen Alkoholmissbrauch und vor allem gegen die Trinkexzesse von Jugendlichen und Heranwachsenden einschreiten“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der brandenburgischen CDU, Sven Petke. Er plädiere deshalb für ein landesweites Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen, sowie in Zügen und Bussen. Unterstützung fordert Petke auch vom Einzelhandel: „Außerdem sollte wie in Baden-Württemberg an Tankstellen oder anderen Einrichtungen nachts kein Alkohol mehr verkauft werden.“
In Berlin ist man schon weiter: Dort wurde bereits für vier Grünflächen ein Alkoholverbot ausgesprochen, das ab ersten Januar in Kraft tritt. Vor allem in Berlin-Mitte sollen dadurch die lautstarken Trinkertreffs ausgetrocknet werden. Immer wieder sorgten am Fernsehturm Gruppen von grölenden Betrunkenen für Prügeleien und Einsätzen von Polizei- und Krankenwagen, die Anwohner fühlten sich gestört. Das Verbot gilt auch auf dem an den Alexanderplatz angrenzenden Marx-Engels-Forum sowie auf drei anderen, weniger prominent gelegenen Berliner Plätzen. Zunächst will das Ordnungsamt Zettel verteilen, die über die neuen Regeln informieren und bei Bedarf die Betrunkenen nur vertreiben. Sollte das allerdings nicht helfen, dürfen auch Bußgelder verhängt werden. Zusätzliches Personal gibt es für die Kontrollen allerdings nicht.
Trinken passt nicht zu Berlins Image
Die CDU-Fraktion hat im Berliner Abgeordnetenhaus bereits eine Gesetzesinitiative eingebracht, mit der das Alkoholtrinken auf Plätzen, an denen sich Jugendliche aufhalten, generell verboten werden soll. Darüber hinaus würde Peter Trapp (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses, auch „an Orten von besonderer Wirkung, wie dem Holocaust-Mahnmal und dem Brandenburger Tor das Alkoholtrinken verbieten.“ Überall, wo sich Berlin der Welt präsentiere, müsse es eine Art Bannmeile geben.
Die Idee, Jugendlichen in der Öffentlichkeit keine Gelegenheit zum exzessiven Trinken zu geben, setzt sich inzwischen in immer mehr deutschen Städten durch: Im sächsischen Oschatz werden für öffentliches Biertrinken in der Innenstadt bereits Bußgelder verteilt. In München wird über ein Trinkverbot in der Tram diskutiert.
In der Heidelberger Innenstadt sollen Bier, Wein und andere Alkoholika am Wochenende und vor Feiertagen zwischen 21 und 5 Uhr nur noch in Cafés und Biergärten erlaubt sein. Ein ähnliches Verbot gibt es auch für eine Magdeburger Kneipenmeile. In der hessischen Stadt will ein Supermarkt nahe einem bekannten Treff ab 20 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen.
Doch vor allem in Brandenburg scheint sich die Lage dramatisch zugespitzt zu haben. Mit rund 1000 Jugendlichen, die jährlich mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, soll sich die Zahl der Betroffenen aus den Jahren 2000 bis 2005 verdoppelt haben. „Das Gros dieser sogenannten Koma-Säufer ist gerade einmal 15 Jahre alt“, beklagte die Landessuchtbeauftragte, Ines Kluge. „Es geht für die Jugendlichen um ein Wettsaufen, um regelrechtes Kampftrinken“, sagte Kluge. Gegriffen wird dabei vor allem zu den sogenannten Alkopops, den süßen alkoholischen Mixgetränken.
Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sollen zwischen 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen in Deutschland bereits süchtig sein. Statistisch trinkt jeder Deutsche im Jahr rund zehn Liter puren Alkohol.
dpa/kami









