Der Direktor des dortigen Tierparks, Peter Drüwa, hat offenbar genug von Verzögerungstaktiken in der Hauptstadt und verlangt bis zum 19. Dezember von Berlins Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz klare und verlässliche Angaben über dessen Pläne mit Knut. Drüwas Tierpark hält die Besitzrechte an dem Eisbären, weil dessen Vater Lars aus Neumünster nach Berlin nur ausgeliehen worden war. Berlin müsse „konkrete Vorschläge machen, die derzeitigen Bedingungen zu ändern“, verlangte Drüwa. Sonst werde Neumünster andere Aufnahmeangebote aus Gelsenkirchen, Oslo und San Francisco prüfen, drohte er sichtlich verärgert.

Berlins Zoo-Chef Blaszkiewitz sagte dazu, er habe ein entsprechendes Schreiben aus Neumünster bereits positiv beantwortet. Er habe in dieser Woche „kurz und knapp“ mitgeteilt, dass Berlin den Bären behalten wolle. „Die Haltungsmöglichkeiten sind unproblematisch und entsprechen dem enormen Interesse der Berliner Bevölkerung“, schrieb Blaszkiewitz nach eigenen Angaben. Erstmals habe er sogar schon im Oktober Drüwa wissen lassen, dass Knut in Berlin bleiben solle.


Diese eher allgemeinen Informationen werden jedoch Tierpark-Chef Drüwa kaum ausreichen, um eine Entscheidung für Knuts Verbleiben in Berlin zu treffen. Nach dpa-Informationen erwartet Drüwa viel weiter gehende und konkrete Aussagen über die Berliner Pläne, über Kosten, das künftige Gehege von Knut, über mögliche Partnerinnen.


Zum ersten Mal äußerte vor diesem Hintergrund Neumünsters Zoo-Chef seine Verstimmung über die bisherige Strategie des Berliner Zoos auch öffentlich. Seit Frühjahr frage er in Berlin an, nun erwarte er, dass Blaszkiewitz „endlich“ klar sagen werde, was er wolle. Dies unterstrich Drüwa in seinem „nachdrücklichen“ Schreiben vom vergangenen Freitag an seinen Kollegen in der Hauptstadt.

Der Streit um den Publikumsliebling, den inzwischen mehr als fünf Millionen Menschen besucht haben, wurde nur vier Tage nach Knuts zweitem Geburtstag durch die Tierrechtsorganisation Peta noch verschärft. Deren Sprecher Frank Albrecht warf dem Zoo „Tierquälerei“ vor. Knut lebt allein im ehemaligen Gehege der Brillenbären, die in den Tierpark Friedrichsfelde im Ostteil der Stadt umziehen mussten. Drüwa sagte laut einer Mitteilung, es müsse jetzt „schleunigst eine vernünftige Lösung gefunden werden“. Drüwa hielt fest: „Für uns steht das Wohl der Tiere an erster Stelle.“


In Berlin ist besonders der eigentlich für Knut und seine künftige Familie nötige Bau einer dritten Eisbär-Anlage umstritten. Im Zoo und Tierpark Friedrichsfelde gibt es bereits „funktionierende“ und sozial friedlich miteinander lebende Gruppen. Eine dritte Anlage für Knut und einige Eisbärinnen würde bis zu neun Millionen Euro kosten.


Auch in der Hauptstadt ist die Debatte um Knuts weiteres Schicksal in voller Fahrt. Sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schaltete sich öffentlich ein und sprach sich für Knut als „Dauer- Berliner“ aus, allerdings sagte er nicht, wer das bezahlen soll. Auch die Initiative „Knut – forever in Berlin“ fühlte Aufwind und sammelte im Internet neue Stimmen für einen Verbleib Knuts in seiner Heimat. Bisher sind mehr als 21000 Stimmen zusammengekommen.


Der Geduldsfaden von „Knut-Besitzer“ Drüwa ist nach dpa- Informationen auch gerissen, weil der parallel geführte Streit um einen Anteil Neumünsters an den dank Knut erzielten Millionengewinnen des Berliner Zoos in einer Sackgasse steckt. Im Mai 2009 muss nun ein Berliner Gericht entscheiden, ob und in welcher Höhe Neumünster an den mehr als fünf Millionen Euro Gewinn beteiligt wird, die Knut dank der rasant gestiegenen Einnahmen aus dem Ticketverkauf, dem Souvenirhandel und seinem Mitwirken in Filmen und Büchern „verdient“ hat.

Drüwas Fazit soll Berlin nun wohl zum Handeln zwingen: „Wir freuen uns sehr darüber, dass Knut auch an seinem zweiten Geburtstag noch so viel Aufmerksamkeit bekommt. Wo unser Eisbär seinen dritten Geburtstag feiert, steht aber momentan in den Sternen.“ Möglicherweise wirkt bei dem Tauziehen um Knut über die Medien und ein Gericht auch noch ein Satz von Blaszkiewitz vor einem Berliner Parlamentsausschuss nach. Über die Drüwa-Forderung nach Anteilen am Knut-Gewinn sagte Blaszkiewitz vor einigen Monaten: „Die bekommen ein paar Pinguine, und das wars.“

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