Kriminalität

Mordpläne gegen Mafia-Autor Roberto Saviano

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Martin Zöller

Foto: AP

Noch in diesem Jahr soll der Autor Roberto Saviano von der Mafia getötet werden. Italiens Polizei deckte jetzt Attentatspläne gegen den Schriftsteller auf, der die Vorlage des Films "Gomorrah" geschrieben hat. Saviano trägt sein Schicksal gelassen, doch die Killer sind ihm auf den Versen.

Es gibt fast keine Fotos, auf denen der Mann mit der Glatze und dem schwarzen Vollbart lächeln würde; dies sei sein Prinzip hat er einmal gesagt, denn die Schrecken der Camorra ließen keinen Platz zum Lächeln. Nun muss der 29-jährige Roberto Saviano, Autor des Buches „Gomorrah“, dessen Verfilmung derzeit in den Kinos läuft, auch noch um sein Leben fürchten: Italienischen Medienberichten zufolge will ihn der Clan der Casalesi, die mächtigste Mafiagruppe nördlich von Neapel, ermorden – und zwar noch in diesem Jahr.

„Es wird bis Ende Dezember passieren. Sein Buch hat viel zu viel Aufmerksamkeit erregt.“ Mit diesen Worten, so schreiben italienische Tageszeitungen, machte ein Kronzeuge der italienischen Justiz vor wenigen Tagen die italienische Polizei auf einen Mordplan gegen Saviano aufmerksam. Den Berichten zufolge hätten sich die Killer der Casalesi bereits die Autobahn Rom-Neapel als Ort des Anschlages ausgesucht. Saviano ist häufig auf dieser Strecke in Begleitung seiner Leibwächter unterwegs. Der Kronzeuge, der die Warnung ausgesprochen hat, ist ein Cousin des im Gefängnis sitzenden Bosses Francesco Schiavone, genannt „Sandokan“.


Die italienischen Medien stellten umgehend eine Verbindung zur Aussage eines anderen Kronzeugen her. Denn erst kürzlich hatte der geständige Camorra-Killer Oreste Spagnuolo der Polizei gesagt, sein Auftraggeber habe mit ihm in diesem Jahr über einen Plan gesprochen, jemanden mit einer Fernzündung zu ermorden: „Ich erinnere mich, dass er auch davon sprach, sich Sprengstoff und Material für die Fernzündung einer Bombe besorgen zu wollen“, zitiert ihn der „Corriere della Sera“, „er hat mir nicht gesagt, was er damit wollte, nur, dass es sehr leicht sei, damit zu töten.“ Das italienische Innenministerium erhöhte die Sicherheitsmaßnahmen für Saviano, die neapolitanische Staatsanwaltschaft will die Kronzeugen zu den Attentatsplänen vernehmen.

Clan der Casalesi fühlt sich stark

Es ist unklar, wie konkret die Mordplanung war. Es wird aber deutlich, dass der Clan der Casalesi sich immer noch stark genug fühlt selbst Gegner anzugreifen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen. Erst im September hatte die italienische Regierung 500 Fallschirmjäger in die Provinz Caserta entsendet.

Sie sollen, so das Innenministerium, „eine wirksamere Kontrolle der Territorien, die von der Kriminalität betroffen sind“, ermöglichen. Zuvor hatten Killer des Clans mehrere Verwandte von Kronzeugen und zuletzt sechs afrikanische Einwanderer ermordet. Mehrere Verantwortliche sitzen inzwischen in Haft. Am Wochenende hatte die Polizei auch den 53-jährigen Bernardino Terracciano festgenommen, der im Film „Gomorrah“ einen Erpresser spielt, aber kein Schauspieler ist. Im Film hatten auch normale Menschen aus der von der Mafia bestimmten Gegend nördlich von Neapel mitgewirkt.

Während italienische Politiker Saviano ihre Solidarität zusicherten und der sozialdemokratische Oppositionsführer Walter Veltroni für den 15. November eine Kundgebung in Casal di Principe ankündigte, trägt Roberto Saviano sein Schicksal überraschend gelassen:

„Es waren zwei sehr schwere Jahre", sagte er einem Radiosender, „aber was soll ich tun? Ich kann nur kämpfen, kämpfen, kämpfen.“ Die Zeit vertreibe er sich vor allem mit Boxen und Kochen: „In diesen zwei einsamen Jahren habe ich viel Zeit gehabt: Ich koche viel, und arbeite Rezepte aus. Vielleicht wird aus mir noch ein Koch.“

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