Mord in Kanada

Familie des Enthaupteten will in Ruhe trauern

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Foto: FG/TP / REUTERS

Der grausame Mord an einem 22-Jährigen in einem Greyhound-Bus in Kanada – jetzt hat sich die Familie des Opfers zu Wort gemeldet. Man wolle in Ruhe trauern und bitte die Öffentlichkeit um Zurückhaltung. Die Tat hatte Entsetzen und Fassungslosigkeit ausgelöst. Das Motiv des Mörders ist immer noch unklar.

Nach der brutalen Ermordung eines 22-Jährigen auf einer Busfahrt in Kanada hat dessen Familie die Öffentlichkeit um Zurückhaltung gebeten. Der Onkel des Opfers, Alex McLean, bat am Samstag in einer vor Fernsehkameras verlesenen Erklärung die Medien, die Familie in Ruhe trauern zu lassen. Fragen von Journalisten wollte er nicht beantworten. Sein Neffe habe „schnell Freundschaften geschlossen“ und „immer das Beste in den Menschen gesehen“, sagte er lediglich.

Tim McLean war am Mittwoch auf der Rückkehr von einem Kurzzeit-Job in Edmonton von einem Mitreisenden mit dutzenden Messerstichen getötet worden. Der 40-jährige Täter trennte seinem toten Opfer unter den Augen der entsetzten Mitreisenden den Kopf ab. Der Mann wurde am Freitag erstmals dem Richter vorgeführt, gegen ihn wurde Anklage wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz erhoben. Das Motiv der Tat liegt noch völlig im Dunkeln, am Dienstag soll es eine weitere Anhörung geben.

Am Freitag (Ortszeit) wurde der Mann in der kanadischen Provinz Manitoba einem Haftrichter vorgeführt. Nach Angaben seines Arbeitgebers war der "Schlächter" ein höflicher, zuverlässiger Zeitungsbote. Er wird des Mordes beschuldigt und soll psychologisch untersucht werden, berichtete die Zeitung „Winnipeg Free Press“ am Samstag.

Augenzeugen – in dem Bus waren 37 Reisende und ein Fahrer - sagten, der Täter habe sein Opfer wohl nicht gekannt. Während des Mordes habe er die ganze Zeit eine Sonnenbrille getragen, obwohl es mitten in der Nacht gewesen sei.


Einer der Fahrgäste, Garnet Caton, sagte, das Opfer habe mit Kopfhörern in seinem Sitz geschlafen, als sein Nachbar auf ihn einzustechen begann. „Wir hörten diesen markerschütternden Schrei und drehten uns um. Da stand dieser Kerl und stach wieder und wieder auf den Burschen ein, 40, 50 mal“, sagte Caton per Telefon aus einem Hotel in Brandon, wo die Fahrgäste nach dem Mord untergebracht wurden.

Der Bus habe angehalten, und die Fahrgäste hätten in panischer Angst versucht, das Fahrzeug zu verlassen. In dieser Zeit habe der Mörder die Leiche systematisch aufgeschnitten und den Kopf abgetrennt. Er habe den Kopf dann aus der Bustür gehalten, um ihn den Fahrgästen zu zeigen.


"Er stach wie ein Roboter auf den Kerl ein“


„Als er ihn angriff, war er ruhig“, sagte Caton. „Da war kein wütendes Rasen, nichts. Er stach wie ein Roboter auf den Kerl ein.“ Schließlich habe der Mann versucht zu fliehen. Der Busfahrer, er und ein Lkw-Fahrer, der angehalten habe, hätten sich aber gegen die Bustür gestemmt. Der Täter habe dann versucht, den Bus zu starten und wegzufahren. Der Busfahrer sei aber ans Heck des Fahrzeugs gegangen und habe das irgendwie verhindert.


Ein weiterer Passagier, Codie Olmstead, sagte, der Mann habe die Polizisten verhöhnt, die später den Bus umstellt hätten, und ihnen den Kopf seines Opfers vor die Füße geworfen. Das Opfer war in Edmonton eingestiegen, der Täter in Brandon, etwa 130 Kilometer westlich von Portage La Prairie, wo sich das unvorstellbare Verbrechen abspielte.


Polizeisprecher Colwell lobte die Reisenden für ihr Verhalten. „Das kommt ja nicht dauernd in einem Bus vor“, sagte er. „Man sitzt im Bus, genießt die Fahrt, und plötzlich wird einer erstochen. Ich stelle mir das ziemlich traumatisch vor. Wie sie darauf reagierten, ist außergewöhnlich.“ Weil die Reisenden schnell und ruhig agiert hätten, habe es keine weiteren Opfer gegeben.


Der kanadische Minister für Öffentliche Sicherheit, Stockwell Day, sprach von einem schrecklichen Verbrechen. Zu Details wollte er sich zunächst nicht äußern. „Die entsetzliche Art dieses Verbrechens ist wahrscheinlich ein einmaliges Ereignis in der kanadischen Geschichte.“

( ap/dpa/ras/lk )