Qantas-Maschine

Sauerstoff-Zylinder soll im Jumbo explodiert sein

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Erste Erkenntnisse zur Notlandung der australischen Qantas-Maschine in Manila: Experten vermuten, dass die Explosion eines Sauerstoff-Zylinders das Loch im Rumpf des Flugzeuges verusacht haben könnte. Die US-Luftbehörde hat angeblich schon Monate vor dem Zwischenfall von Problemen mit den Tanks gewusst.

Ein explodierter Sauerstoff-Zylinder hat nach Ansicht von Experten vermutlich das riesige Loch in den Rumpf der auf den Philippinen notgelandeten Maschine der australischen Airline Qantas gerissen. In der Boeing 747 fehle eine Sauerstoffflasche für die Notversorgung, sagte ein Vertreter der australischen Verkehrssicherheitsbehörde am Sonntag in Manila. Die Fluggesellschaft will nun alle Sauerstoff-Zylinder in ihren Boeing-747-Flugzeugen überprüfen. Die Qantas-Maschine war am Freitag auf dem Flug von London nach Melbourne in Manila notgelandet, nachdem in rund 9000 Metern Höhe plötzlich ein drei Meter großes Loch im Rumpf klaffte.

Laut den Experten der australischen Verkehrssicherheitsbehörde verursachte eine Explosion im Lagerraum das riesige Loch in dem Flugzeug. Da eine Sauerstoffflasche der Notversorgung fehle, habe diese vermutlich das Unglück ausgelöst, sagte Neville Blyth von der australischen Verkehrssicherheitsbehörde vor Journalisten. Allerdings könne man noch nicht endgültig sagen, was die Explosion ausgelöst habe. Ein Sprecher der australischen Flugsicherheitsbehörde sagte, zwei Sauerstoff-Zylinder hätten sich genau dort befunden, wo das Loch entstand. Er wies Medienberichte zurück, nach denen Korrosion am Flugzeugrumpf die Ursache sei. Kleinere Rostschäden seien vor einigen Monaten an einem ganz anderen Teil des Flugzeugs entdeckt worden.

Das Problem existiert offenbar schon länger: Die US-Luftfahrtbehörde (FAA) hat die Fluggesellschaften bereits mehrere Monate vor der Notlandung des Qantas-Jumbojets zur Überprüfung der Sauerstofftanks aufgefordert. Mit dieser Warnung reagierte die FAA bereits im April auf Berichte, wonach die Halterungen der Sauerstofftanks bei Modellen der Boeing 747-400 womöglich unsauber verarbeitet wurden. Die FAA warnte in ihrer Anweisung, dass bei einem Versagen der Halterung Sauerstoff austreten und sich möglicherweise entzünden könnte. Zudem könne dadurch der an Bord verfügbare Sauerstoff knapp werden, hieß es. Die Direktive wurde im April auch von der australischen Luftfahrtbehörde übernommen.

Die Untersuchung der Qantas-Maschine in Manila wird laut Neville Blyth zwei bis drei Tage dauern; ein vollständiger Bericht solle dann in zwei bis drei Monaten veröffentlicht werden. Hinweise auf einen Terroranschlag gibt es nach Angaben des Experten nicht. Philippinische Spürhunde hätten das Gepäck untersucht, dabei seien keine verdächtigen Materialien gefunden worden. Wie viele Sauerstoff-Zylinder die Boeing 747 an Bord hatte, wollte Blyth zunächst nicht sagen. Qantas ordnete am Sonntag eine Überprüfung aller Sauerstoff-Zylinder in seinen Flugzeugen gleichen Typs an. Dies Tests sollen binnen einer Woche abgeschlossen sein. Qantas verfügt über 30 Boeing 747. Die australische Airline gilt als eine der sichersten der Welt und hat noch nie ein Flugzeug durch ein Unglück verloren.

Die 346 Fluggäste und 19 Besatzungsmitglieder, die den dramatischen Zwischenfall unversehrt überstanden, sind inzwischen nach Australien zurückgekehrt. Sie trafen am Samstag mit einer Ersatzmaschine in Melbourne ein. Viele standen immer noch unter dem Eindruck des Erlebnisses. Als die Maschine durch den Druckverlust mehrere tausend Meter tief fiel habe er gedacht, er müsse sterben, sagte Passagier Steve Winchester vor Journalisten. Sein Mitreisender David Saunders erzählte, er habe seine Freundin umarmt und seinen Pass in seine Hosentasche gesteckt, damit man ihn später besser identifizieren könnte. „Ich dachte, wir stürzen ins Meer.“

Ein englischer Geschäftsmann an Bord der Maschine lobte das Verhalten der Besatzung. Sie sei „sehr ruhig“ geblieben „und alles war gut“, sagte Phil Rescall der Nachrichtenagentur AFP. Der Schock sei bei vielen erst eingetreten, als sie nach der Notlandung ausstiegen und das Loch sahen. Einige Passagiere bemängelten jedoch, dass nicht alle Sauerstoffmasken nach dem Druckabfall in der Kabine einwandfrei funktionierten. Die Fluglinie führte dies auf die Explosion zurück. „Qantas überprüft alle Sauerstoffmasken regelmäßig“, hieß es in einer Erklärung. Vor dem Flug habe es keine Hinweise auf Probleme gegeben.

( afp )