Die ergreifende Geschichte einer Überlebenden der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York ist offenbar frei erfunden. Die „New York Times“ deckte in den Schilderungen der „Heldin“ Tania Head jetzt Lügen auf. Trotz intensiver Bemühungen lasse sich nicht belegen, dass die Frau die Flugzeugattacken islamistischer Terroristen im Südturm des World Trade Centers schwer verletzt überlebt habe, während ihr Verlobter im Nordturm gestorben sei, schrieb die Zeitung am Samstag.
Tania Head war Präsidentin des „Netzwerks der Überlebenden“ (World Trade Center Survivors’ Network) und Fremdenführerin am Ground Zero. Nach einem Bericht der spanischen Zeitung „La Vanguardia“ heißt die Frau in Wirklichkeit Alicia Esteve Head und stammt aus Barcelona.
Laut „New York Times“ hat die Geschichte „keinen belegbaren Bezug zur Realität“. Die Familie des Verlobten kenne die Frau nicht, auch ihr angeblicher Arbeitgeber von 2001 und die angeblich von ihr besuchten Universitäten hätten keinen Hinweis auf ihre Existenz.
"Ich habe nichts Illegales getan"
Das „Netzwerk der Überlebenden“, dem Head drei Jahre angehörte, hatte sie vergangene Woche unmittelbar vor dem ersten Bericht in der Donnerstagausgabe der „New York Times“ fristlos entlassen. Ihr Nachfolger Richard Zimbler sagte, die Mitglieder der Organisation fühlten sich betrogen. Head nahm keine Stellung zu den Vorwürfen, sondern sagte dem Blatt lediglich: „Ich habe nichts Illegales getan.“
Die Zeitung „La Vanguardia“ schrieb am Wochenende, Alicia Esteve stamme aus einer katalanischen Unternehmerfamilie. Ihr Vater und ein Bruder seien 1992 in einen größeren Finanzskandal verwickelt gewesen und zu Haftstrafen verurteilt worden.
Alicia Esteve habe von 1998 bis 2000 in Barcelona als Chefsekretärin für einen internationalen Konzern gearbeitet. Arbeitskollegen von damals bescheinigten der Frau nach Angaben der Zeitung einen „schwierigen Charakter“. Sie habe stets danach gedrängt, im Mittelpunkt zu stehen. Sie habe übertriebene oder erfundene Dinge aus ihrem Leben erzählt. Die Verletzungen, die sie sich bei den Anschlägen in New York zugezogen haben will, stammten von einem Autounfall, den sie in Barcelona erlitten habe.
Einem Journalisten kamen erste Zweifel an Heads Angaben, nachdem sie ein Interview zum sechsten Jahrestag der Anschläge dreimal verschoben hatte. Bei seinen Nachforschungen stellte sich heraus, dass Head entgegen ihrer Behauptung niemals für den Finanzdienstleister Merryll Lynch gearbeitet hatte und demzufolge auch nicht im World Trade Center war.
dpa/afp/wal




