Direkt nach dem Abpfiff hatten es die Spieler von Union Berlin eilig. Der lang ersehnte Urlaub stand an, und das 2:0 (0:0) gegen den 1. FC Köln zum Jahresabschluss hat die Pause für die Köpenicker um ein paar Tage verlängert. Erst am 2. Januar bittet Coach Nenad Bjelica seine Spieler wieder zum Training.
„Die Erleichterung ist groß, ich freue mich auf die Rückrunde“, sagte Benedict Hollerbach nach dem zweiten Heimsieg in der Bundesliga in Folge. Erleichterung vor allem darüber, dass Union auf Tabellenplatz 15 und damit über dem ominösen Strich überwintert, der die Abstiegszone vom rettenden Ufer trennt.
„Ich hatte in meiner Karriere selten eine so schwierige Situation mit so vielen angeschlagenen Spielern zur Pause“, sagte Bjelica, „dennoch haben sich alle Spieler durchgebissen und heute Charakter gezeigt.“ Genau das hatte der Kroate im Vorfeld gefordert.
Union Berlin ist der Druck anzumerken
„Beiden Mannschaften geht der Arsch auf Grundeis“, hatte Kölns Trainer Steffen Baumgart vor der Partie die Stimmungslagen in der ihm eigenen Klarheit verdeutlicht. Hinterher ärgerte sich der Ex-Union-Profi über sein Team: „Wir waren über weite Strecken die bessere Mannschaft, aber bei dem Ergebnis interessiert das keinen mehr.“
Den Hausherren sah man an, unter welchem Druck sie standen. Heimspiel, direkter Mitkonkurrent im Tabellenkeller und den erschütternden Auftritt von Bochum (0:3) vier Tage zuvor in noch zu guter Erinnerung – zumindest in der ersten Halbzeit zu viel für das Bjelica-Team, um auch nur irgendwie vernünftigen Fußball zu spielen.
Kampf und noch mehr Krampf waren Trumpf, begleitet vom Zögern, wenn es darum ging, eine Offensivaktion doch mal erfolgreich zu Ende zu spielen. Bjelica hatte sein Team nur auf einer Position verändert, für Sheraldo Becker spielte Andras Schäfer. Für den Ungarn war es die Rückkehr in die Union-Startelf nach 221 Tagen verletzungsbedingter Pause. Und um Becker brodelte die Gerüchteküche.
Gerüchte um Wechsel von Sheraldo Becker nach Frankfurt
Noch am Dienstag, einen Tag vor dem Spiel, sah man den Angreifer in bester Laune Autogramme auf Trikots und Fan-Utensilien schreiben. Am Mittwochabend stand er nicht im Kader. Liga-Konkurrent Eintracht Frankfurt soll Interesse daran haben, Becker schon im Januar zu verpflichten. Union wiederum wird nur noch im bevorstehenden Wintertransferfenster eine Ablöse für Becker erzielen können. Sein Vertrag endet im Sommer, eine Verlängerung ist unwahrscheinlich.
Zudem könnte sich auch das Kapitel Leonardo Bonucci schon im Winter wieder schließen. Erst zu Saisonbeginn war der Europameister von Juventus Turin zu den Köpenickern gewechselt. Unter Bjelica spiele der Innenverteidiger bislang jedoch noch keine Minute, auch wegen der Nachwirkungen einer Verletzung, zugezogen Mitte November beim Spiel in Leverkusen (0:4).
Gegen Köln wurde er nach 68 Minuten für den angeschlagenen Janik Haberer eingewechselt. Vor der Partie hatte Bjelica jedoch bei Sky angemerkt, dass Bonucci nicht mehr viele Chancen bekommen werde, sollte er bei Union bleiben. Das riecht nach Abschied.
Hollerbach trifft zur Führung von Union Berlin
Wie schon am Wochenende, schwiegen beide Fan-Lager erneut zwölf Minuten lang, um gegen den von den Klubs der Deutschen Fußball Liga beschlossenen Investoren-Einstieg zu protestieren, Schmährufe inklusive. Doch auch mit der danach folgenden Unterstützung von den Rängen lief bei Union nichts zusammen.
Kevin Volland mit einem kläglichen Schuss aus 20 Metern hatte noch die deutlichste Chance für Union. Schäfers Möglichkeit endete bei Kölns Torhüter Marvin Schwäbe. Es war einmal mehr Torwart Frederik Rönnow, der Union im Spiel hielt, zweimal gegen Denis Huseinbasic (38., 43.), gegen Jan Thielmann (43.) und Davie Selke (51.).
Dann war es so weit: Volland setzte sich gut durch, bediente Benedict Hollerbach im Strafraum, eine kurze Drehung, und unter die Latte mit dem Ball zur umjubelten Führung (56.). Endlich war Union wacher, diverse Einwechslungen taten ihr Übriges. Hollerbach hätte gleich erhöhen können (57.), ebenso der eingewechselte Alex Kral, Volland (beide 72.) oder David Fofana (75.). In der 78. Minute machte es der Ivorer besser.
„Die erste Halbzeit war nichts“, sagte Hollerbach und bestätigte: „Die Kabinenansprache war sehr laut. Der Trainer hat uns gesagt, dass wir mutiger sein sollen.“ Mut, der am Ende belohnt wurde.



