Union Berlin hat die Sensation verpasst. Die Berliner unterlagen in der Champions League vor 73.420 Zuschauern im Olympiastadion Real Madrid mit 2:3 (1:0) und müssen sich damit vom Traum verabschieden, in Europa überwintern zu können.

„Man muss schon sagen, dass wir in der Champions League sehr viel Pech hatten, aber wir haben nach dem Rückstand wieder Charakter bewiesen“, sagte Union-Coach Nenad Bjelica nach einem Auftritt, der Mut für die kommenden Wochen in der Bundesliga macht: „Wir können aber sehr stolz sein auf alles, was die Mannschaft in der Champions League geleistet hat.“ Und er zollte seinem Vorgänger Urs Fischer ein „großes Kompliment. Er hat die Mannschaft sehr gut geführt.“

Die Vorfreude auf dieses letzte Spiel der Köpenicker in der Champions League war den Fans im Vorfeld der Partie deutlich anzumerken. Rund eine Stunde bevor die Stadiontore öffneten, hatte sich schon einige Hundert Anhänger an den Eingängen versammelt. Noch einmal die Königsklassen-Hymne hören. Noch einmal gegen Real Madrid, das Nonplusultra der höchsten europäischen Fußballbühne, alls erleben, was diesen Wettbewerb ausmacht.

Behrens vergibt nach nur 51 Sekunden

Trainer Bjelica hatte seine Startelf dafür personell auf einer Position verändern müssen. Für Angreifer Benedict Hollerbach rückte Paul Jaeckel in die Abwehr. Dadurch kehrte Union zum 3-5-2-System der Ära Fischer zurück – und fühlte sich dabei gegen Real richtig wohl. Auch wenn die Madrilenen Mitte der ersten Halbzeit teilweise 80 Prozent Ballbesitz hatten, Union verteidigte aufmerksam, leidenschaftlich, und vor allem: gemeinsam.

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„Union ist eine Mannschaft, die gut verteidigt und über den Teamgeist kommt“, hatte Lucas Vazquez die Köpenicker vor der Partie charakterisiert. Seine Einschätzung sollte nicht falsch sein. Kaum auszudenken, was gewesen wäre, hätte Kevin Behrens nach nur 51 Sekunden Real-Torhüter Kepa überwinden können? So aber entwickelte sich das erwartete Spiel, eines, das man schon beim ersten Aufeinandertreffen in Madrid erlebt hatte.

Real mit dem Selbstverständnis des Rekordssiegers der Königsklasse: ballsicher, überzeugend im direkten Passspiel und mit Chancen aus dem Nichts. Doch Union hatte Frederik Rönnow. Gegen Jude Bellingham war er zur Stelle (10.). Beim Kopfball von Joselu an die Latte hatte der Däne das Glück auf seiner Seite (16.), ebenso bei Joselus Außenristschlenzer nach kapitalem Fehlpass von Robin Gosens (43.).

Rönnow hält Elfmeter von Modric, dann trifft Volland

Dann kam Rönnows großer Auftritt. Nach einem Handspiel von Diogo Leite im Strafraum entschied der slowenische Schiedsrichter Rade Obrenovic folgerichtig auf Elfmeter. Es lief die 44. Minute, als sich Reals Mittelfeld-Taktgeber Luka Modric den Ball zurechtlegte – Rönnow ließ sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. In die Mitte wollte der kroatische Nationalspieler den Ball humorlos einschieben. Doch Rönnow, der bereits in seine rechte Ecke unterwegs war, parierte mit den Füßen.

Welch unfassbarer Jubel im Olympastadion, auch als der Union-Keeper den danach folgenden Eckball fing und festhielt. Doch das war alles gar nichts gegen das, was direkt im Anschluss passierte. Langer Abschlag von Rönnow, Kopfballverlängerung, die Abwehraktion von David Alaba misslang, und Kevin Volland schob ein. 1:0 für Union (45.+1). Gegen Real Madrid. Das Olympiastadion wurde zum Hexenkessel.

Es passt zur Dramaturgie des Abends, dass zeitgleich der SC Braga mit 0:2 bei der SSC Neapel zurücklag. Union stand zu diesem Zeitpunkt im Achtelfinale der Europa League. Doch noch waren 45 Minuten zu spielen.

Joselu-Doppelpack beendet alle Träume von Union Berlin

Und es wurde eine letzte Halbzeit in der Champions League, in der Union ordentlich zu leiden hatte. Real-Coach Carlo Ancelotti hatte Toni Kroos eingewechselt, prompt schnürte der Favorit die Gastgeber noch mehr ein als im ersten Durchgang. Hinten zauberte Rönnow mit einem unglaublichen Reflex die hundertprozentige Torchance durch Rodrygo über das Tor (55.). Im Gegenzug ist der Union-Konter über Behrens und Volland bei Real-Torhüter Kepa im letzten Moment beendet (56.).

Und es kam, wie es kommen musste: Joselu stieg zum Kopfball hoch und ließ Rönnow keine Chance, 1:1 (61.). Dass sich der Madrilene dabei ordentlich auf Jaeckel aufgestützt hatte, wertete Schiedsrichter Obrenovic als regelkonform. Joselu war es auch, der nach 72 Minuten einen schnellen Angriff nutzte, um auf 1:2 zu stellen.

Bjelica versuchte noch einmal alles, brachte sogar den wiedergenesenen Sheraldo Becker für Jaeckel, stellte hinten um auf Viererkette. Dem eingewechselten Alex Kral gelingt sogar noch einmal der Ausgleich (85.). Für mehr reicht es jedoch nicht. Im Gegenteil, Madrids Dani Ceballos trifft zum 2:3 (89.)