An diesem Punkt musste selbst Urs Fischer, der Trainer von Union Berlin, eingestehen: „Es ist ein bisschen viel, was in den ersten fünf Spielen zusammenkommt.“ Der Coach des Fußball-Bundesligisten meint damit nicht die drei Niederlagen, die die Köpenicker zuletzt im Oberhaus kassierten. Mit dem 0:1 bei Real Madrid in der Champions League warten die Berliner schon seit vier Pflichtspielen auf ein Erfolgserlebnis.

Nein, der Schweizer blickt auf seine Mannschaft und stellte vor dem Duell beim Aufsteiger 1. FC Heidenheim am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) fest: „Wir haben nicht einmal mit der gleichen Formation in den ersten fünf Spielen antreten können. Das hilft dir auch nicht bei der Stabilität.“ Und genau das ist das Stichwort für einen Saisonstart, der mit sechs Punkten optimal gelang, der jedoch nun in eine Richtung abzudriften droht, die man bei Union unter allen Umständen verhindern will.

Defensive Zentrale macht Union Berlin zu schaffen

Es ist die defensive Zentrale, die Union seit Wochen nicht diese gewohnte Sicherheit vor dem eignen Tor gibt, geben kann, weil gerade dort das Personal immer wieder ausfällt. Rani Khedira, im defensiven Mittelfeld gesetzt, fehlt wegen Wadenproblemen schon seit Wochen. Ein Mannschaftstraining? Bislang ausgeschlossen.

Vertreter Alex Kral, erst im Sommer zu Union gewechselt, machte seine Sache durchaus ordentlich. Doch dieses automatische Zusammenspiel, das mit Khedira funktioniert, kann mit dem Tschechen noch gar nicht in dieser Präzision erfolgen. Zumal er unter der Woche auch ein wenig kürzertreten musste.

Wenn dann in der Defensivkette dahinter auch noch Robin Knoche ausfällt, wird aus der Zentrale, die eigentlich ein Bollwerk sein sollte, auch schon mal ein eher schwammiges Gebilde, das dem Gegner Raum verschafft, der eigentlich gar nicht vorhanden sein sollte. Daran kann auch ein Europameister wie Leonardo Bonucci im Extremfall nichts ändern. Auch der Italiener befindet sich noch in der Eingewöhnungsphase. Und dass ihm trotz aller Erfahrung auch Fehler unterlaufen können, war zuletzt beim 0:2 gegen Hoffenheim zu sehen.

Tousart wird in Heidenheim dringend gebraucht

„Dann bekommen wir in den ersten fünf Spielen drei Elfmeter gegen uns. Eigentlich vier, aber einer wurde wieder zurückgenommen“, erklärt Fischer weiter. Dass nur der Strafstoß gegen Hoffenheim im Union-Tor einschlug (zum Auftakt gegen Mainz hatte Torwart Frederik Rönnow zwei Strafstöße gehalten), ändert nichts an den Fehlern, die die eigene Defensive macht. Fischer spricht von „individuellen Fehlern, die immer wieder bestraft werden“.

Schließlich ist da noch Lucas Tousart, für das zentrale Mittelfeld geholt, im Testspiel gegen Udinese Calcio im Rahmen des Trainingslagers in Österreich am Oberschenkel verletzt – und zunächst für viele Wochen im Aufbau statt im Mannschaftstraining, um Abläufe kennenzulernen. Der Franzose ist inzwischen zurück, doch auch ihm ist anzumerken, dass ihm die hundertprozentige Sicherheit im Zusammenspiel noch fehlt.

„Er hat vor dem Real-Spiel 30 Minuten gehabt. Bei Real hat er es sehr gut gemacht“, so Fischer, immerhin 83 Minuten lang, bis zu seiner Auswechslung. Auch gegen Hoffenheim waren es 75 Minuten. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er auch in Heidenheim wieder dabei ist. „Jede Minute hilft, natürlich war das nicht einfach für ihn. Er war sechs, sieben Wochen weg vom Fenster. Es braucht seine Zeit, um zurückzukommen.“