Union Berlin hat in seinem fünften Bundesliga-Jahr einen perfekten Start hingelegt. Mit dem 4:1 (3:1) bei Aufsteiger Darmstadt 98 feierte das Team von Trainer Urs Fischer nicht nur den zweiten Sieg im zweiten Spiel. Union stürmte dadurch zumindest vorübergehend auch an die Tabellenspitze.

„Das kommt einem perfekten Tag schon sehr nahe. Zwei Tore zu schießen, ein 4:1-Auswärtssieg in Unterzahl – viel mehr geht nicht“, sagte Robin Gosens, mit zwei Toren Mann des Tages.

Es waren eigentlich zwei Spiele, die Union Berlin in Darmstadt vor 17.810 Zuschauern (darunter 1700 Union-Fans) zu bestreiten hatte. In Spiel eins zeigten sich die Köpenicker ihrer Stärken bewusst, in ihren Aktionen wesentlich klarerer als der Liga-Neuling, nicht zuletzt dank des Auftaktsieges gegen Mainz 05 (4:1) sechs Tage zuvor. Und Union zeigte Qualität bei zweiten Bällen.

  • Union Berlin gelingen erstmals zwei Siege zum Start einer Bundesliga-Saison
  • Robin Gosens gelingt im Trikot von Union Berlin sein erster Bundesliga-Treffer
  • Auch nach dem zweiten Spieltag wird Union Berlin einen Champions-League-Platz einnehmen

Langer Abschlag von Torwart Frederik Rönnow, Darmstadts Versuch, den Ball unter Kontrolle zu bringen, endete über Aissa Laidouni bei Robin Gosens. Vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick und Rudi Völler, dem Direktor der deutschen Nationalmannschaft, gab Gosens mit Blick auf die EM im nächsten Jahr in Deutschland eine erste Bewerbung ab.

Gosens trifft schon nach vier Minuten für Union Berlin

Den Darmstädter Clemens Riedel tanzte Gosens aus, dessen Mitspieler Christoph Klarer düpierte er gleich mit, als er den Ball überlegt links unten zum 1:0 einschob (4.). Noch unter der Woche hatte Gosens seine Dankbarkeit für die Erfüllung seines Bundesliga-Traums in Richtung Union Berlin dokumentiert. Er wolle dies mit Leistung zurückzahlen, sein Premierentreffer darf als erste Rate angesehen werden.

Es war zugleich der Höhepunkt der ersten Partie in Darmstadt, die nach 21 Minuten enden sollte. Spiel zwei musste Union in Unterzahl bestreiten, mehr als 70 Minuten lang. Brenden Aaronson erwies der Mannschaft einen Bärendienst, nachdem er bereits nach fünf Minuten Gelb wegen Ballwegschiebens gesehen hatte, obwohl Schiedsrichter Patrick Ittrich (Hamburg) bereits abgepfiffen hatte.

Als der offensive Mittelfeldspieler dann nach einem Einwurf mit langem Bein den Ball zu erobern versuchte, stattdessen aber unglücklich den Fuß von Fabian Nürnberg traf, zeigte Ittrich dem US-Amerikaner schließlich Gelb-Rot (21.). Hart, aber vertretbar. Coach Fischer stellte um, Stürmer David Fofana musste weichen, Sheraldo Becker wurde für das Mittelfeld eingewechselt.

Behrens erzielt sein viertes Saisontor für Union Berlin

Folglich begann Union die „neue“ Partie auch unsortiert. Das nutzte Darmstadt aus. Durch die Mitte wurde Marvin Mehlem angespielt – 1:1 (24.). Luca Pfeiffer hatte Unions Abwehrchef Robin Knoche mit einer Hackenweiterleitung zuvor überrascht. Doch Union fing sich schnell, bekam die Partie trotz Unterzahl wieder unter Kontrolle. Ein Beleg in dieser noch jungen Saison für die Entwicklung der Köpenicker.

Es waren zwei Standards, die Unions 3:1-Führung zur Halbzeit bringen sollten. Freistoß von Josip Juranovic, Gosens per Kopfball – die Berliner führten nach 35 Minuten wieder. Fischer hatte seine Startelf auf exakt zwei Positionen verändert: Gosens für Jerome Roussillon, Juranovic für Christopher Trimmel. Eine Rechnung, die aufging, trotz eines Spielers weniger.

Unions 3:1 durch Kevin Behrens nach 39 Minuten entsprang einem Eckball und der unglücklichen Vorlage durch Darmstadts Matej Maglica. Und doch zeigte diese Szene: Behrens, nach dem Platzverweis für Aaronson einzig verbliebene Spitze, stand bei seinem vierten Saisontor zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Ein weiterer Beleg für die Entwicklung des gebürtigen Bremers.

Becker verletzt sich am linken Oberschenkel

Nach dem Seitenwechsel war das Duell wie gemalt für Union. Der Aufsteiger mühte sich um Ergebniskorrektur, der Champions-League-Teilnehmer hatte das Geschehen mit seiner Kompaktheit und Organisation weitestgehend im Griff. Rönnow konnte sich gegen Braydon Manu auszeichnen (61.), Danilho Doekhi erhöhte per Kopf schließlich auf 4:1 (65.).

Einen weiteren Wermutstropfen gab es dennoch: Sheraldo Becker zog sich beim Konter eine Verletzung am hinteren linken Oberschenkel zu. Der Offensivmann musste ausgewechselt werden. So brachte Union den zweiten Sieg im zweiten Saisonspiel mit Einsatz und Leidenschaft gegen zu harmlose Darmstädter ins Ziel.