Für Rani Khedira, den Mittelfeldspieler von Union Berlin, war es „ein Rätsel, warum wir in der ersten Halbzeit nicht hundert Prozent auf den Platz gebracht haben“. Entsprechend sei die Stimmung in der Kabine auch so gewesen, „wie sie nach einer unnötigen Niederlage sein sollte“. So war es in Khediras Augen ein „gebrauchter Nachmittag“, den der Berliner Fußball-Bundesligist am Sonnabend erlebte.
Es hätte der vorentscheidende Schritt in Richtung Champions League sein können, stattdessen beginnt bei der Mannschaft von Trainer Urs Fischer nach dem 2:4 (1:2) bei der TSG Hoffenheim das große Zittern um einen Platz in der Königsklasse.
Union Berlin liegt nur noch vier Tore vor dem SC Freiburg
Union liegt vor dem letzten Spieltag nur noch wegen der um vier Treffer besseren Tordifferenz vor Freiburg, das bereits am Freitagabend mit 2:0 gegen den VfL Wolfsburg gewann. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer empfängt am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) Werder Bremen in der Alten Försterei, Freiburg muss zeitgleich bei Eintracht Frankfurt ran.
„Fußball ist ein Fehlerspiel, heute haben wir zu viele individuelle Fehler, zu viele Geschenke verteilt“, sagte Trainer Fischer, „die zweite Hälfte war sehr gut, wir haben Druck erzeugt, hatten zwei Riesen-Möglichkeiten zum 2:2. Doch dann legst du dem Gegner wieder auf. So wird es schwierig, ein Spiel in der Bundesliga zu gewinnen.“
Union Berlin erstmals vor vollem Haus in Sinsheim
Erstmals fand das Duell der beiden Mannschaften in Sinsheim vor vollem Haus (31.150 Zuschauer, ausverkauft) statt. Unions erste drei Gastspiele bei der TSG Hoffenheim hatten wegen der Corona-Pandemie vor leeren Rängen oder im halbvollen Stadion stattfinden müssen. Nun hatten sich rund 5000 Union-Anhänger in den Kraichgau aufgemacht, um ihre Mannschaft beim vorentscheidenden Schritt in die Champions League lautstark zu unterstützen. Sie wurden enttäuscht.
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Ohne Abwehrchef Robin Knoche (Danilho Doekhi rückte in die Mitte der Dreierabwehrkette, Paul Jaeckel an seine Seite) und mit Morten Thorsby für den verletzten Andras Schäfer (vorzeitiges Saison-Aus) ließ Trainer Fischer seine Elf beginnen.
Die zwei nicht geplanten Veränderungen der Startelf hatten jedoch massive Auswirkungen auf das Spiel der Köpenicker. Die Dreierkette wirkte mit zunehmender Spieldauer immer anfälliger, und Thorsby hatte doch so seine Probleme, ins Spiel zu finden.
Kapitän Trimmel erneut in der Startelf von Union Berlin
Mit Spannung wurde die Besetzung des Rechtsverteidigers erwartet. Hier entschied sich der Union-Coach erneut für Christopher Trimmel, Josip Juranovic nahm zunächst auf der Bank Platz. Trimmel hatte erst am vergangenen Dienstag mit klaren Worten zu seiner derzeitigen Situation, zuletzt als Kapitän öfter mal auf der Bank zu sitzen, geäußert.

In Sinsheim zeigte Trimmel bei einem Eckball nun gleich wieder seine Qualität. Seine Hereingabe wuchtete Doekhi per Kopf ins Hoffenheimer Tor (45.+4). Das Problem: Es war nur der Anschlusstreffer zum 1:2 kurz vor der Pause.
Unions Problem beim letzten Gastspiel der Saison: Der Tabellenvierte brachte offensiv zu wenig zustande und hatte in Diogo Leite einen Pechvogel, der beide Gegentreffer einleitete. Beim 0:2 durch Ihlas Bebou misslang dem Innenverteidiger eine Kopfball-Rückgabe zu Union-Torwart Frederik Rönnow gründlich. Hoffenheims Stürmer war zur Stelle, umkurvte Rönnow und schoss ein.
Doekhi erzielt den Anschlusstreffer für Union Berlin
Beim 0:2 war es der Videoassistent, der Schiedsrichter Christian Dingert (Lebecksmühle) dazu veranlasste, auf Strafstoß für Hoffenheim zu entscheiden, obwohl er die Partie von sich aus hätte weiterlaufen lassen. Leite hatte beim Klärungsversuch gegen Christoph Baumgartner zunächst den Ball, dann den TSG-Angreifer getroffen. Für Dingert Grund genug, auf Elfmeter zu entscheiden, den Andrej Kramaric nutzte (36.).
Fischer reagierte zum zweiten Halbzeit und brachte Aissa Laidouni für den enttäuschenden Thorsby und Timo Baumgartl für Leite. Union wurde druckvoller – blieb hinten jedoch anfällig. Laidouni nach einem Trimmel-Freistoß aus dem Hinterhalt (50.), Becker nach Flanke von Trimmel aus fünf Metern (!) über das Tor (54.), dann stand Unions Top-Torjäger TSG-Keeper Oliver Baumann im Weg (64.) – jetzt war Union im Spiel.
Union Berlin setzt in Schlussphase voll auf Offensive
Fischer wechselte erneut, Juranovic (für Trimmel) und Jamie Leweling (für Janik Haberer) kamen (69.), später noch Jordan Siebatcheu für Jaeckel (80.). Mehr Offensive für den großen Traum. Vergeblich. Stattdessen versetzte Kramaric Union mit dem 1:3 den endgültigen K.o. (89.). Laidouni konnte in der Nachspielzeit nur noch auf 2:3 verkürzen, ehe Munas Dabbur wieder den alten Abstand herstellte.
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„Die Gegentore haben wir uns alle selbst eingeschenkt“, ärgerte sich Khedira, „weil wir nicht zielstrebig und konsequent genug gewesen sind.“ Eigenschaften, auf die sich Union besinnen muss, wenn vor heimischer Kulisse gegen Bremen der große Traum Champions League Wirklichkeit werden soll. Oder wie es Coach Fischer formulierte: „Heute sind wir hingefallen. Es gilt, diese Woche schleunigst wieder aufzustehen und die letzte Aufgabe entsprechend anzugehen.“



