Drei Tage nach seinem 300. Spiel für Union Berlin hat Christopher Trimmel klare Worte für seine derzeitige Situation beim Berliner Fußball-Bundesligisten gefunden. „Man hat mir intern schon angesehen, dass es wieder an der Zeit war, dass ich mal wieder spiele“, sagt der Kapitän des Bundesliga-Vierten am Dienstag in einer Medienrunde.

In der Hinrunde dieser Saison praktisch noch gesetzt auf der Position des Rechtsverteidigers, sieht sich Trimmel seit der Winterpause mit einer anderen Rolle konfrontiert. Sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League hatte der Österreicher Winterzugang Josip Juranovic oft den Vortritt lassen müssen. In den vergangenen acht Ligaspielen kam Trimmel nur zweimal über die volle Distanz zum Einsatz.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

So auch beim Sieg gegen den SC Freiburg (4:2). „Das hat der Trainer auch gespürt, dass es mich beschäftigt. Aber der Trainer trifft die Entscheidungen, das ist oft hart“, erklärt Trimmel. Als Spieler müsse man sich gut überlegen, „ob man mit dieser Situation so umgehen möchte, ob der Konkurrenzkampf eng ist oder ob der Trainer ganz klar einen anderen Spieler davor sieht“.

Trimmel geht in sein zehntes Jahr bei Union Berlin

Trainer Urs Fischer hatte in den vergangenen Wochen des Öfteren erklärt, dass sich Trimmel „in einer neuen Rolle befinde“ und diese auch „gut angenommen“ habe. Eine Aussage, die ihn überrascht habe, lässt Trimmel nun wissen.

„Ich wünsche mir, dass die Leute immer ehrlich zu mir sind. Wenn ein Trainer zu mir sagt: Hey Trimmi, ich sehe den anderen Spieler ganz klar vor dir, akzeptiere ich das – nur ich möchte es hören. Was ich nicht hören möchte, ist: Es ist alles gleich und eng und im Endeffekt sitzt du vielleicht die gesamte Saison auf der Bank.“ Der Union-Kapitän wirkt in diesem Augenblick ungewohnt angefressen.

Trimmel spielt seit 2014 für Union Berlin. Als Urs Fischer 2018 Trainer bei den Köpenickern wurde, machte er Trimmel zu seinem Kapitän. In der Winterpause verlängerte der Nationalspieler seinen Vertrag um ein weiteres Jahr, womit er in seine zehnte Saison bei den Köpenickern geht. Kurze Zeit später verpflichtete Union Juranovic.

Trimmel hat sich über Zugang Juranovic gefreut

„Ich habe mich gefreut, weil er ein guter Spieler ist, er wertet die Mannschaft ja auch auf“, erzählt Trimmel über Juranovic und verweist zugleich auf seine Situation bis zum Winter: „Julian war kein schlechterer Spieler. Und ich habe den Konkurrenzkampf immer gern angenommen.“ Julian Ryerson wechselte in der Winterpause zu Borussia Dortmund und hat sich beim Titelkandidaten inzwischen einen Stammplatz erspielt.

Gleichwohl macht der Tattoo-Fan deutlich, dass diese zehnte Saison nicht in Stein gemeißelt ist, auch wenn es durch die Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Europapokal ohne Zweifel wieder Rotationen in der Startelf geben wird.

Trimmel schaut sich nächste Hinrunde bei Union Berlin genau an

In der Vorbereitung „geht es nur darum, dass man gesagt bekommt, dass die Chancen gleich stehen, auf welchem Niveau auch immer“, so Trimmel. Aber: „Wenn ich nächste Saison in der Hinrunde gar nicht spiele, werde ich mich – so wie ich mich kenne – verändern wollen. Aber ich bin fit, trainiere mit 18- und 19-Jährgen und sehe mich da nicht im Nachteil.“

Trimmel umreißt seine Zukunftspläne wie folgt: „Ich will noch zwei, drei Jahre Fußball spielen. Ich bin jetzt seit zwölf Jahren dabei und habe in dieser Zeit fast immer gespielt. Ich möchte auch weiterhin Profi bleiben, und wenn man noch so lange im Geschäft bleiben möchte, muss man auch auf dem Platz stehen.“

Zumal auch die Nationalmannschaft weiter ein Thema bleiben soll, auch wenn Nationaltrainer Ralf Rangnick Trimmel zuletzt nicht berücksichtigt hat. „Rangnick ist keiner, der den Kader nominiert und sich gar nicht meldet“, sagt Trimmel: „Wichtig ist, dass die Leute mir das begründen, dann ist alles in Ordnung.“

Dass er bei Union Berlin die 300-Spiele-Marke geknackt hat, erklärt der Österreicher so: „Es geht ja um Entwicklung, ob beim Verein oder beim Spieler. Natürlich gab es auch bei mir eine Phase, wo ich mich damit beschäftigt habe, noch mal ins Ausland zu wechseln. Aber am Ende hatte ich immer das Gefühl, dass ich mich bei Union wohlfühle, meine Entwicklung da ist und auch die von Union.“

Die Entwicklung hat Trimmel und auch den Verein bis an die Champions League herangeführt. Schon am Sonnabend kann der große Traum Realität werden, sollte Freiburg am Freitag gegen den VfL Wolfsburg nicht gewinnen und Union am Sonnabend bei der TSG Hoffenheim (15.30 Uhr, Sky) mehr Punkte holen als die Breisgauer.

Union Berlin muss den Fokus hochhalten

„Die Schwierigkeit wird bleiben, den Fokus hochzuhalten. Der eine oder andere meint vielleicht es ist ein Selbstläufer, weil wir schon so viele Ziele wieder erreicht haben, aber das ist die Schwierigkeit“, sagt Trimmel und warnt vor dem kommenden Gegner: „Sie sind ganz schwierig zu bespielen, sie können Druck erzeugen wie kaum eine andere Mannschaft, weil sie in meinen Augen eine gute Offensive haben und guten Fußball spielen. Aber wir wissen natürlich, die haben jetzt Probleme – es geht für beide Mannschaften um sehr viel.“

Trimmels Prognose, ob Union dieser letzte Schritt auch gelingt, lautet: „Es liegt natürlich viel an uns. Klar kann man Spiele verlieren, aber die Art und Weise ist immer wichtig. Gegen Freiburg hatten wir auch wieder 15 Minuten, die nicht gut waren. Insofern müssen wir über 90 Minuten ein gutes Spiel machen. Aber wir haben es in der eigenen Hand.“