1. FC Union

Der 1. FC Union schreibt auf Schalke Geschichte

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Marcel Stein
Sven Michel (M.) wird nach dem 6:1 für den 1. FC Union von den Kollegen umarmt.

Sven Michel (M.) wird nach dem 6:1 für den 1. FC Union von den Kollegen umarmt.

Foto: David Inderlied / dpa

Mit dem 6:1 bei Schalke 04 gelingt dem 1. FC Union der höchste Sieg in der jungen Bundesliga-Historie des Klubs.

Gelsenkirchen/Berlin.  Die Blicke der Menschen in der blauen Kleidung verrieten, dass sie nicht recht wussten, was da gerade passiert war. Ein bisschen Entsetzen war dort zu sehen, auch Hilflosigkeit, die verzweifelte Erkenntnis vielleicht, dass so ein Auftritt zu wenig in der Bundesliga ist. Insbesondere, wenn man auf einen Gegner trifft, der sich in guter Form befindet. Mit gnadenloser Kaltschnäuzigkeit zerlegte der 1. FC Union den Aufsteiger Schalke 04 in dessen Stadion. 6:1 (3:1) hieß es am Ende für die Berliner, die erstmals in der Fußball-Bundesliga gegen die „Königsblauen“ siegten.

Eine Woche vor dem Duell mit Serienmeister Bayern München lässt sich der eigene Status als Spitzenteam in der Tabelle kaum klarer definieren. Mit dem höchsten Erfolg der jungen Köpenicker Bundesliga-Geschichte beeindruckte die Mannschaft von Trainer Urs Fischer einmal mal, blieb zum elften Mal in Serie ungeschlagen. „Es lief einfach alles für uns“, sagte Janick Haberer, einer der Torschützen vor den 62.271 Zuschauern in der ausverkaufen Arena. Manager Oliver Ruhnert lobte: „Die Mannschaft macht es im Moment toll.“

Unglaublich war auf Schalke die Effizienz der Berliner, die gut eine halbe Stunde eine Partie durchaus auf Augenhöhe erlebten, ehe sich die Fehler beim Aufsteiger häuften. Die Köpenicker nutzen dies eiskalt aus und kamen zum ersten Auswärtssieg der Saison. „Es wird wichtig sein, dieses Resultat richtig einzuordnen. Die 3:1-Pausenführung war eher glücklich, Schalke war in der ersten Hälfte besser im Spiel, aggressiver, agiler als wir“, sagte Fischer.

Union Berlin spielt in der Europa League zuerst daheim

Noch bevor die Mannschaft den Platz berat, wurde zumindest beim Anhang der Blick auf das internationale Geschäft nach der Auslosung der Gruppen in der Europa League am Freitag auch am Sonnabend noch einmal zum Thema. Denn der europäische Verband Uefa hatte die Spieltermine fixiert und bescherte den Köpenickern einen Heimauftakt in der für sie neuen Spielklasse. Am 8. September empfangen die Berliner zunächst Royale Union Saint-Gilloise in der Alten Försterei (18.45 Uhr).

Die Profis mussten mit ihren Gedanken voll und ganz auf Schalke bleiben. Denn die Gelsenkirchener wirkten, als wollten sie nach dem Aufstieg im vierten Anlauf ihren ersten Sieg in der Liga realisieren. Kaum lief die Partie, standen die „Königsblauen“ schon vor dem Tor von Frederik Rönnow. Dass der Lauf der Fischer-Truppe in Gelsenkirchen anhalten würde, schien eine Zeit lang nicht selbstverständlich.

Ex-Unioner Bülter gleicht aus

Zwar konnten die Köpenicker früh ein Zeichen setzen. Alle drei Profis, die im Vergleich zum 2:1 gegen Leipzig in der Vorwoche in die Startelf drängten, waren daran beteiligt: Niko Gießelmann flankte nach einer Ecke, Danilo Doekhi köpfte den Ball bei seinem Debüt ins Zentrum und Morten Thorsby drückte ihn ebenfalls per Kopf bei seinem ersten Einsatz von Beginn an über die Linie (6.). Nach der Führung hatte Union allerdings gut zu tun. Schalke präsentierte sich als mutiger Kontrahent, der immer wieder Druckphasen erzeugte. Rönnow war machtlos, als Ex-Unioner Marius Bülter vom Elfmeterpunkt traf (31.). Innenverteidiger Robin Knoche hatte zuvor einen langen Ball mit der Hand abgewehrt.

Der Ausgleich war verdient, Union tat zu wenig für den Spielaufbau und zog sich im Duell der beiden Teams mit dem geringsten Ballbesitz in den ersten drei Ligapartien (Schalke 33, Union 43 Prozent) auf das beliebte Konterspiel zurück. Allerdings besitzen die Berliner inzwischen genug Qualität, um Fehler des Gegners konsequent zu nutzen. Das taten sie auch gegen die Schalker, die in den Zweikämpfen nachließen. Nutznießer dessen war Sheraldo Becker (36.).

Becker und Michel treffen doppel für Union Berlin

Gejubelt wurde nach dem 2:1 nur kurz, denn unmittelbar nach dem Treffer stürzte ein Berliner Fotograf in den Graben hinter der Rasenfläche, das Spiel war unterbrochen. Als die Zeit am Ende der ersten Hälfte nachgespielt wurde, versetzten die Berliner den bis dahin ordentlich auftretenden Gastgebern einen herben Schlag. Haberer schoss aus 25 Metern direkt, Ex-Hertha-Keeper Alexander Schwolow konnte den Ball erst spät sehen und nicht parieren – 3:1 (45.+3).

Direkt nach Wiederanpfiff entschied Union das Spiel, die Schalker Unentschlossenheit in den Zweikämpfen wirkte wie eine Einladung, die Becker erneut annahm (46.). „Nach dem 4:1 ging das Spiel wirklich in eine Richtung, zum Schluss war es ein zu hohes Resultat“, so Fischer. Die Partie verlor an Dynamik, Schalke hatte den Ball, öfter sogar als Union, und sammelte sich. Während die Berliner mit viel Ruhe und Cleverness, aber stets aufmerksam, die Zeit herunterlaufen ließen. Und die Unzulänglichkeiten im Schalker Abwehrverhalten bestraften. Der eingewechselte Sven Michel durfte nach langen Bällen noch zweimal abschließen (87./90.) und ließ die Gastgeber konsterniert zurück.

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