1. FC Union Berlin

Union ist vom Meister einfach nicht zu schlagen

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Marcel Stein
Die Union-Profis Marcus Ingvartsen (weiß, l.) und Robert Andrich bejubeln den Ausgleich gegen die Bayern.

Die Union-Profis Marcus Ingvartsen (weiß, l.) und Robert Andrich bejubeln den Ausgleich gegen die Bayern.

Foto: Matthias Hangst / Getty Images

Zum zweiten Mal in dieser Saison gelingt dem 1. FC Union ein 1:1 gegen Bayern München. Ingvartsen trifft spät zum Ausgleich.

München/Berlin. Der Widerstand schien gebrochen, das Spiel nahm bereits einen eher unspektakulären Verlauf. Der 1. FC Union zeigte sich kaum weit jenseits der Mittellinie in der zweiten Hälfte in der Münchner Arena. Doch der Kampfgeist trieb das Team der Berliner noch einmal an, als die Uhr langsam auf die 90. Minute zusteuerte. Cedric Teuchert schnappte sich den Ball für einen schnellen Einwurf auf der linken Seite, Robert Andrich holte noch einmal alles für einen letzten Sprint in die Spitze heraus. Er passte nach innen, wo Marcus Ingvarsten den Ball über die Linie schieben konnte (86.). Freudenschreie durchdrangen das Stadion.

Es war das 1:1 beim FC Bayern, das Ingvartsen erzielte. Womit dem 1. FC Union etwas gelang, was nur wenigen Mannschaften überhaupt in den vergangenen Jahren in der Fußball-Bundesliga vergönnt war. Nachdem die Köpenicker auch das Hinrunden-Spiel mit einem 1:1 beendet hatten, sind sie das bislang einzige Team, das in dieser Saison in zwei Duellen ungeschlagen ist gegen den Titelverteidiger. „Es war toll, reinzukommen und zu treffen“, sagte der Torschütze, der für Marius Bülter in die Partie gekommen war (67.). Kapitän Christopher Trimmel freute sich ebenfalls: „Wir haben in München einen Punkt mitgenommen. Das ist nicht normal, das ist schon ein Erfolg.“ Jamal Musiala hatte die Bayern in Führung gebracht (68.).

Zum Erreichen des Saisonziels lässt sich Union jetzt gratulieren

Mit nun 40 Punkten auf dem Konto wollten die Berliner auch die Diskussionen um das bisherige Saisonziel abschließen. „Die Glückwünsche zum Klassenerhalt nehmen wir an“, sagte Sportchef Oliver Ruhnert. Die Bayern hingegen haben durch die spät vergebenen Zähler nun Leipzig wieder dichter im Nacken. Der Vorsprung des Tabellenführers ist auf fünf Punkte geschrumpft. „Das ist natürlich sehr ärgerlich. Wir haben über weite Strecken mit der Mannschaft ein gutes Spiel gemacht", sagt Bayern-Torhüter Manuel Neuer.

Ein berauschendes Fußballfest hatten die beiden Kontrahenten in München wahrlich nicht geboten. Die Partie wirkte eher verhalten. Was beim Rekordmeister viel mit der personellen Situation zu tun hatte. Fast ein komplettes Team fehlte den Münchnern, Stars wie Serge Gnabry, Robert Lewandowski oder Leon Goretzka waren darunter. So musste Trainer Hansi Flick eine gänzlich neue Viererkette aufbieten im Vergleich im Champions-League-Spiel am Mittwoch, als die Bayern im Viertelfinale-Hinspiel gegen Paris St. Germain 2:3 verloren hatten.

Bülter mit der besten Union-Chance in der ersten Halbzeit

Auch Union-Trainer Urs Fischer nahm im Vergleich zum Derby gegen Hertha (1:1) drei Änderungen vor. Er brachte Keita Endo und Bülter auf den Außenbahnen, um dort mehr Geschwindigkeit zu erzeugen, stellte mit Christopher Lenz hinten auf eine Viererkette um. Was allerdings nur bedingt für mehr offensive Durchsetzungskraft sorgte. Die Bayern gaben erwartungsgemäß schnell den Ton an, sprühten mit ihrer zweiten Mannschaft allerdings nicht vor Ideen. Union gab sich mutig, wagte sich hin und wieder etwas nach vorn und hatte nach einem Konter über Endo eine gute Chance durch Bülter. Dessen Kopfball kam jedoch zu unplatziert auf Torwart Manuel Neuer (23.). „Da musst du mehr draus machen“, sagte Ruhnert.

Einiges an Unruhe hatte es bei den Bayern in den vergangenen Tagen nicht nur wegen der Verletzungen, sondern auch wegen interner Querelen zwischen Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic gegeben. Dabei ging es auch um die Qualität der Mannschaft. Trimmel gab immerhin zu, dass es auch ohne die Topleute der Münchner, bei denen zur Halbzeit zudem Kingsley Coman angeschlagen vom Feld musste, „schwierig war. Wir können sicher besser Fußball spielen, anfangs waren wir ein bisschen nervös“. Dennoch zeigten sich die Köpenicker taktisch diszipliniert, hielten die Bayern recht weit entfernt vom eigenen Tor, boten ihnen kaum Räume an.

Musiala trifft um 1:0 für die Münchner gegen Union

Doch wie bei den Münchnern gelang es auch bei den Berlinern lange nicht, die wenigen Bälle in Spitze an den Adressaten zu bringen. Zwar kam Max Kruse nach einer Flanke von rechts zu einem Schuss, verzog jedoch (57.). Anschließend hatte der Titelverteidiger eine stärkere Phase, die in einem Freistoß von Joshua Kimmich kulminierte. Der war fast geklärt, doch der Ball kam erneut hoch in den Strafraum, fiel dort Marvin Friedrich so vor die Füße, dass er nicht reagieren konnte. Thomas Müller leitete auf Musiala weiter, der geschickt einen Haken schlug und zur Führung einschob. „Das hat er gut gemacht“, lobt Union-Torhüter Andreas Luthe.

Für die Bayern schien das Spiel damit seinem erwarteten Ende entgegenzusteuern, und sie neigten wohl dazu, bereits an das Rückspiel gegen PSG in der nächsten Woche zu denken. Doch das passte durchaus in die Kalkulation der Berliner. „Irgendwann war klar, dass bei Bayern die Kraft nachlässt wegen der Doppelbelastung. Daher wollten wir hinten raus noch was machen“, so Trimmel, dessen Team plötzlich aktiver wurde kurz vor Schluss. Trainer Fischer nahm den Punkt aus München gern mit, haderte jedoch etwas mit der Spielweise: „Unser Spiel mit dem Ball war extrem unpräzise, sehr wild. Wir haben uns das Leben selbst schwergemacht.“ Aber dass es einfach werden würden in München, hatte ohnehin niemand gedacht.

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