1. FC Union Berlin

Union braucht gegen die Bayern den perfekten Tag

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Marcel Stein
Im Hinspiel erkämpfte sich Union Berlin um Grischa Prömel (l.) gegen die Bayern mit Leroy Sané ein 1:1.

Im Hinspiel erkämpfte sich Union Berlin um Grischa Prömel (l.) gegen die Bayern mit Leroy Sané ein 1:1.

Foto: nph / Engler / picture alliance / nordphoto

Union Berlin trifft auf ein dezimiertes Bayern München und hofft auf einen ähnlichen Coup wie in der Hinrunde.

Berlin. Die wichtigsten Dinge sind längst geregelt. Egal welcher Rechner noch andere Ergebnisse ausspuckt. Wenn die Historie der Fußball-Bundesliga eines gezeigt hat, dann dass es mit 39 Punkten nach 27 Spieltagen quasi unmöglich ist, sich noch mal eine Etage tiefer orientieren zu müssen. Zumindest hat es bisher kein Team geschafft, so eine Zwischenbilanz mit einem Abstieg zu torpedieren. Und derart gefestigt, wie der 1. FC Union auftritt, besteht auch keinerlei Grund zu der Annahme, dass die Berliner die ersten sein könnten, denen das gelingt.

Vielleicht wäre jetzt also der richtige Zeitpunkt, den Ernst der Liga hinter sich zu lassen. Den Rest einfach nur noch zu genießen. Zumal die Berliner am Sonnabend ohnehin als großer Außenseiter beim FC Bayern antreten (15.30 Uhr, Sky).

Doch eine Mannschaft, deren wesentlicher Charakterzug das Kämpferische ist, kann ihre Identität nicht einfach so ausblenden. „Es entspricht nicht unserer Einstellung, dass es keine Rolle spielt, ob wir verlieren“, sagt Trainer Urs Fischer. Außerdem hat der Schweizer mal kurz addiert: 13 Tore erzielten die Münchner in den jüngsten drei Heimpartien. „Nur mit Spaß und Freude wird es da sehr schwierig“, sagt der Coach. Lust am Untergang verspürt er keine.

Union Berlin offenbar vor Verpflichtung von Rani Khedira

Mit der richtigen Attitüde lässt sich nämlich auch gegen die Bayern etwas mehr erreichen. In der Hinrunde demonstrierten die Köpenicker, die laut „Kicker“ vor einer Verpflichtung des Augsburgers Rani Khedira (27) stehen, dies beim 1:1. Als eines von nur zwei Teams ist Union (neben Mönchengladbach) damit in dieser Saison noch ohne Niederlage gegen den Meister, der gerade dabei ist, sein Titelabonnement zu verlängern.

Die Erfahrungen dieser Partie im Dezember ermutigen die Mannschaft von Trainer Fischer, an etwas mehr zu glauben. „Es hilft uns, zu wissen, dass wir nah dran waren“, sagt der 55-Jährige. Natürlich gehörte auch Glück dazu, doch vor allem mit defensiver Solidarität untereinander, mit gutem Abwägen zwischen offensiven und defensiven Aktionen schafften es die Berliner, dem Favoriten standzuhalten.

Diesmal scheinen die Voraussetzungen für Union sogar etwas besser als im Dezember. Bayern fehlt eine Reihe prominenter Profis wegen Verletzungen oder Krankheit – allen voran Stürmerstar Robert Lewandowski. In den bisherigen beiden Partien ohne ihn gaben die Bayern die wenigsten Torschüsse der Saison ab (sechs gegen Köln, 2:1, und neun gegen Leipzig, 1:0). Doch davon will sich Fischer nicht blenden lassen.

Trainer von Union Berlin schwärmt über Bayern-Star Müller

In der Champions League hatten die Münchner beim 2:3 gegen PSG gerade genügend Gelegenheiten, auch ohne Lewandowski. „Wir tun gut daran, dieses Spiel dementsprechend anzugehen“, so der Trainer, der nicht mit einem weniger drängenden Gegner kalkuliert, sondern eher mit einem Kontrahenten, der nach einer Niederlage eine gewisse Wut im Bauch trägt.

Ohnehin gibt es keinen Anlass, die Bayern abzuwerten aufgrund der Ausfälle. Ihre Position bekleiden sie auch deshalb, weil der Kader qualitativ breit aufgestellt ist. Und ein Thomas Müller in Topform spielt. Vier Mal traf er in den jüngsten drei Ligaspielen, dazu gegen PSG. Er ist mit 15 Assists bester Vorlagengeber der Liga.

„Müller zieht die Mannschaft mit, er steuert, ist ein Kommunikator und unermüdlich. Das ist vorbildlich, und es macht unheimlichen Spaß, ihm zuzuschauen“, sagt Fischer, der sich trotz allem weniger auf die Gegenspieler konzentrieren will, sondern wie üblich auf seine Mannschaft.

Union Berlin steht in der Defensive besser als die Bayern

Gegen die Bayern bedeutet das wohl mehr als sonst, sich auf die eigenen Stärken zu fokussieren. Auf die gute Abwehrarbeit im Verbund etwa, mit der die Berliner weniger Treffer kassierten (33) als die Mannschaft von Trainer Hansi Flick (35). Auf die Fähigkeit, gut in ein Spiel zu kommen, denn kein Team in der Liga trifft so oft in der Anfangsviertelstunde wie Union (11). Auf die Kopfballstärke vor dem gegnerischen Tor. Da werden die Köpenicker (12) ligaweit nur von den Bayern (15) übertroffen, wobei ein Drittel der Kopfballtore Lewandowski erzielte.

„Wir müssen versuchen, unsere Spielweise auf den Platz zu bringen. Wir dürfen uns nicht allzu viele Gedanken machen, wer auf der anderen Seite steht“, sagt Unions Trainer, der sich darüber im Klaren ist, dass selbst das Resultat des Hinrunden-Duells nur unter größten Anstrengungen zu erreichen sein wird.

„Wir benötigen einen perfekten Tag“, so Fischer, während die Bayern nicht ihren besten erwischen sollten. Kommen diese Dinge zusammen, könnte sich der Tabellensiebte vielleicht noch etwas weiter nach oben orientieren.

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