1. FC Union

Pohjanpalo: Über den 1. FC Union zur EM

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Marcel Stein
Joel Pohjanpalo (l.) in einem seiner wenigen Einsätze für den 1. FC Union.

Joel Pohjanpalo (l.) in einem seiner wenigen Einsätze für den 1. FC Union.

Foto: Matthias Koch / picture alliance / SVEN SIMON - Matthias Koch

Der Finne soll dem Angriff von Union nach seiner Verletzung wieder mehr Durchschlagskraft verleihen. Seine Ambitionen sind groß.

Berlin. Er sieht entspannt aus, lacht. Als wären die vergangenen Wochen eher eine leichte Übung gewesen als eine Herausforderung. Trotz Knöchelbruch samt Sprunggelenksverletzung. Aber Joel Pohjanpalo hatte ja genug Ablenkung. In seiner eigenen Reha musste er den Umzug seines Reha-Zentrums in Helsinki, bei dem er Mitbesitzer ist, organisieren. „Dabei geht viel Zeit drauf“, sagt der Finne. Außerdem kennt er sich mit Verletzungen aus und wusste relativ schnell, dass diese hier recht gut planbar war. Zehn Wochen nur brauchte der Angreifer des 1. FC Union, bis er wieder in der Fußball-Bundesliga auf dem Platz stehen konnte.

Der erste kurze Einsatz gegen Mönchengladbach (1:1) am vergangenen Wochenende signalisierte ihm, dass alles wieder passt. „Ich merke das gar nicht, es fühlt sich fast normal an“, so der Stürmer, in dessen Fuß nun immerhin zwei gut sieben Zentimeter lange Schrauben stecken. Ursprünglich sollte sogar noch eine dritte hinein, aber „der Knöchel war zu stark und hat die Schraube kaputtgemacht“. Der Fuß ist auch so stabil genug.

Verletzungen bremsten die Entwicklung des Union-Stürmers

So gelassen wie jetzt konnte der finnische Nationalspieler nicht immer umgehen mit den Einschränkungen, die sein Körper ihm auferlegte. Vor drei Jahren litt er an Durchblutungsstörungen im rechten Sprungbein, fiel eine ganze Saison aus. „Meine Karriere war fast komplett kaputt, das war viel komplizierter. Wenn man so etwas überstanden hat, ist es danach viel einfacher“, erzählt der 26-Jährige, der noch einige Zeit an Folgeverletzungen laborierte. Das beeinflusste seine Bundesliga-Karriere nachhaltig, durchsetzen konnte er sich bei Bayer Leverkusen nie. Weshalb er auch zu Saisonbeginn von den Rheinländern an Union ausgeliehen wurde.

Der Einstand glückte, schon beim Debüt gegen Mainz (4:0), wo die Köpenicker am Sonnabend antreten (15.30 Uhr, Sky), traf der Finne. In den sechs Partien bis zur erneuten Verletzung gelangen ihm zwei Tore, mit denen er seinen Nimbus als Joker stärkte. Pohjanpalo hat bislang jeden seiner neun Bundesliga-Treffer für Leverkusen (7) und Union (2) als Einwechselspieler erzielt. Auch in Mainz dürfte ihm wieder diese Rolle zufallen. „Er konnte in dieser Trainingswoche einen weiteren Schritt machen, dass er vielleicht für mehr Minuten zur Verfügung steht“, sagt Trainer Urs Fischer.

Der Schweizer ist froh, dass er im Angriff wieder Entscheidungen treffen muss. Zwar ist die Liste seiner Stürmer lang, die der körperlichen Defizite war es aber nicht minder, sodass der Trainer zuletzt meist keine andere Wahl hatte, als Taiwo Awoniyi einzusetzen. Der immerhin erfüllte seine Aufgabe ordentlich. „Das zeigt, wie stark wir sind als Mannschaft“, so Pohjanpalo. Mit seiner Rückkehr entspannt sich die Situation in der Spitze aber nun etwas, zumal Fischer auch die neu verpflichteten Leon Dajaku (Bayern München) und Petar Musa (Slavia Prag) zur Verfügung stehen. „Konkurrenz ist gut, das pusht jeden Spieler. Als Stürmer ist es immer ganz einfach: Wer Tore schießt, der spielt“, sagt Pohjanpalo, der mit einem besonderen Ehrgeiz in den Rest der Saison geht. Denn Finnland hat sich erstmals für die EM qualifiziert. Und da möchte er im Sommer unbedingt dabei sein.

Schrauben bleiben mindestens bis zur EM im Knöchel

In Berlin will er sich für das Turnier in Form bringen, und Trainer Fischer dürfte ihm die Möglichkeiten einräumen. „Er ist für mich ein Strafraumspieler, er weiß, wo er hin muss. Er ist auch jemand, mit dem du eine Spielfortsetzung hinbekommst“, so Fischer. Wenn er fit ist, ist der Finne ein robuster Kämpfer in der vordersten Reihe, ein Profi mit Torriecher, der gut zu dem passt, was Fischer im Spiel seiner Mannschaft sehen möchte. „Jetzt muss ich zeigen, dass ich ein Spiel für uns entscheiden kann“, formuliert der Hobbykoch den Anspruch, mit dem er antritt.

Sicher wäre es für seine Ambitionen ebenso hilfreich, das Tor endlich mal als Stammspieler zu treffen. Das würde nicht nur seine Position im finnischen Nationalteam stärken, sondern auch die Möglichkeiten am Ende der Saison deutlich vergrößern. Ein Jahr hat er noch Vertrag bei Bayer Leverkusen, Union besitzt eine Kaufoption. Doch ein gutes EM-Turnier kann die Lage noch einmal drastisch verändern, weshalb sich Pohjanpalo derzeit nicht den Kopf über die Zukunft zerbricht. „Es macht keinen Sinn, jetzt darüber zu sprechen, was man nach der Europameisterschaft macht.“ Aktuell weiß er nicht einmal, ob die Schrauben wieder aus dem Knöchel kommen. Erst nach der EM wird das von den Ärzten entschieden.

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