Bundesliga

Union kassiert gegen Freiburg eine gefühlte Niederlage

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Inga Böddeling
Robert Andrichs (l.) Treffer zum 1:1 reichte Union Berlin nicht, am Ende gibt es nur einen Punkt gegen den SC Freiburg.

Robert Andrichs (l.) Treffer zum 1:1 reichte Union Berlin nicht, am Ende gibt es nur einen Punkt gegen den SC Freiburg.

Foto: Pool / Andreas Gora - Pool/Getty Images

Union Berlin holt trotz großem Chancenplus nur ein 1:1 gegen den SC Freiburg. 22 Torschüsse reichen nicht zum Sieg.

Berlin. Das Backblech war nicht kleinzukriegen. Ebenso wenig wie die Topfdeckel und die Bratpfannen. Unermüdlich schepperten die 4500 Anhänger des 1. FC Union mit Kochlöffeln und Co., um wenigstens ein bisschen Stimmung in die Alte Försterei zu kriegen. Fangesänge und Sprechchöre waren auf Grundlage der Berliner Infektionsschutzverordnung schließlich verboten.

Am Ende war es sowohl auf den Rängen als auch auf dem Platz eine (laut)starke Performance. Belohnt wurde dafür niemand so richtig. Das 1:1 (1:1) des Köpenicker Fußball-Bundesligisten am Sonnabend gegen den SC Freiburg fühlte sich wie eine Niederlage an.

„Wir ärgern uns, dass wir nicht drei Punkte mitgenommen haben“, sagte Innenverteidiger Marvin Friedrich. „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft.“ Die bessere, die spielbestimmende Mannschaft von der ersten Minute an. Union ließ die Freiburger, die von Trainer Christian Streich unermüdlich angepeitscht wurden, unerwartet ungefährlich daher kommen.

Sheraldo Becker glänzt als Arbeitstier bei Union Berlin

Dabei hatte Coach Fischer sein recht eingespieltes Team im Vergleich zum 1:1 auf Schalke in der Vorwoche ein wenig umbauen müssen. Torhüter Loris Karius musste verletzt passen, für ihn nahm Nachwuchsmann Lennart Moser auf der Bank Platz. Hinzu kamen zwei Änderungen in der Startelf. Christian Gentner rotierte nach überstandener Wadenblessur zurück auf seinen angestammten Platz im defensiven Mittelfeld, Marcus Ingvartsen durfte für Marius Bülter den linken Flügel beackern.

Verunsichert war von den kleinen Umbaumaßnahmen niemand. Es war noch nicht mal eine Viertelstunde gespielt, da hätten die Hausherren schon gut und gern 3:0 führen können. Joel Pohjanpalo verpasste auf der Torlinie (4. Minute), Marcus Ingvartsens Schuss (6.) und Max Kruses Kopfball (7.) landeten in den Händen von SC-Keeper Florian Müller.

Die Vorarbeit für das Köpenicker Offensivfeuerwerk in der Anfangsphase machte fast immer Sheraldo Becker. Der Niederländer sprintete auf der rechten Außenbahn die Gegner schwindelig, lieferte eine passgenaue Flanke nach der anderen – und versuchte sich auch selbst in der Vollstreckung (24.).

Dreifachwechsel bei Union Berlin bleibt ohne Wirkung

Es brauchte aber erst eine kalte Dusche, bis sich die Berliner selbst belohnten. Als Vincenzo Grifo in der 34. Minute den ersten Freiburger Torschuss gleich ins 0:1 ummünzte, schüttelte sich Union kurz und versenkte den nächsten Angriff – nur 111 Sekunden später – im gegenüberliegenden Netz. Robert Andrich hatte Glück, dass sein Schuss aus rund 25 Metern noch leicht abgefälscht wurde. „Es war total wichtig, direkt nachzulegen“, sagte der Torschütze. „Vor allem für unsere Moral.“

Denn es war überraschend ansehnlich, was die Mannschaft von Trainer Fischer präsentierte. Von der Spieleröffnung über die Verteilung im Mittelfeld bis zur Kreation von Torchancen – es lief flüssig beim Tabellenneunten. So ging es in Halbzeit zwei nahtlos weiter. Auch wenn die Freiburger etwas munterer wurden, Union machte das Spiel.

Dass weder Becker (48.), noch Ingvartsen (49.) oder Kruse (51.) das Chancenplus (22:8 Torschüsse) in ein Punkteplus umwandeln konnten, wollte sich Trainer Fischer irgendwann aber nicht mehr länger anschauen. Der Schweizer brachte mit Keita Endo, Taiwo Awoniyi und Sebastian Griesbeck gleich drei frische Kräfte auf einen Schlag (71.). Offensiv passierte aber erst mal nur wenig. Stattdessen musste Keeper Andreas Luthe gleich mehrfach gegen aufmüpfige Freiburger retten (58./60.).

Union Berlins Trainer Fischer ist mit dem Resultat unzufrieden

Ein Schuss von Innenverteidiger Friedrich aus 25 Metern, Marke „Hier geht noch was“ hätte noch einmal ein Weckruf für die Unioner Offensive sein können. War es aber nicht. Mit einer solchen Überlegenheit über weite Strecken der Partie hätten die Berliner nicht nur mehr als einen Punkt holen können, sie hätten dreifach punkten müssen. Dementsprechend überschaubar fielen die Jubelszenen nach Abpfiff auf. Vielerorts nur hängende Schultern und schüttelnde Köpfe. Allen war klar: Hier war mehr drin gewesen.

„Ich bin mit der Leistung der Mannschaft sehr zufrieden“, bilanzierte Trainer Fischer. „Aber mit dem Resultat dürfen wir nicht zufrieden sein. Wenn du einen so hohen Aufwand betriebst, so viele Torschüsse hast, musst du am Ende gewinnen.“ Jetzt heißt es, Wunden lecken und den Fokus auf die nächste Aufgabe richten. Am 2. November geht es für den Union-Tross zur TSG Hoffenheim (20.30 Uhr).

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