Bundesliga

Wie die Bundesliga Union verändern wird

Aufsteiger Union startet gegen RB Leipzig ins Abenteuer Bundesliga und damit auch die für die erste Liga notwendige Weiterentwicklung.

Union ist bereit für die Premiere in der Bundesliga.

Union ist bereit für die Premiere in der Bundesliga.

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin. Dass die Premiere in der Bundesliga emotional überfrachtet sein wird, war in dem Moment klar, als der 1. FC Union das Tor ins Oberhaus des deutschen Fußballs passiert hatte. Die Köpenicker würden ihrem Debüt am Sonntag schon einen entsprechenden Rahmen geben, der in Erinnerung bleibt, so die einhellige Meinung.

Erinnert wird an verstorbene Unioner, die den Verein auf dem Weg in die Bundesliga über all die Jahre begleitet haben, jedoch nicht mehr dabei sein können. Sie werden vor Anpfiff unter dem Motto „Endlich dabei“ mit hunderten Plakaten gefeiert, auf denen ihre Gesichter zu sehen sind. Eine tolle Geste, die eindrucksvoll das Gemeinschaftsgefühl bei Union dokumentiert.

Erinnert wird in den ersten 15 Minuten der Premieren-Partie gegen RB Leipzig (18 Uhr, Alte Försterei) auch an die Ablehnung des vermeintlichen Marketingkonstruktes aus Leipzig durch die Fans, mittels einer Choreo im Union-Block – und 15-minütigem Schweigen. Eines, das nicht bei jedem ankommt.

Union-Profis wünschen sich sofortige Stimmung

Allein hier wird deutlich: Die Bundesliga wird Union verändern. Auf der einen Seite stehen jene, die darum kämpfen, nicht alle Werte über Bord zu werfen, auf der anderen Seite jene, die das Ereignis des ersten Erstliga-Auftritts eher gewürdigt wissen wollen, anstatt dem Gegner derart viel Aufmerksamkeit zu widmen.

Nein, es ist mitnichten so, dass das Schweigen von jedem im Union-Lager goutiert wird. Zahlreiche Spieler, dazu die sportliche Leitung um Trainer Urs Fischer, tolerieren es, hätten jedoch lieber Stimmung von der ersten Minute an. Auch bei den Fans gehen die Meinungen auseinander, was bei inzwischen 30.000 Mitgliedern nicht verwundert.

Die Neugier auf Union ist seit dem Aufstieg Ende Mai enorm gewachsen. Weil die Bundesliga als Plattform weit über regionale Begehrlichkeiten hinausgeht. Sie will internationalen Ansprüchen genügen, was das Interesse betrifft. Und ein Verein, der sich selbst in all den Zweitligajahren ein gewisses Maß an Eigenständigkeit bewahrt hat, weckt das Interesse weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Union wird nun immer Erstligist sein

Die Zeiten des Unter-sich-bleibens – wie von nicht wenigen alteingesessenen Union-Fans gewünscht – sind aber endgültig vorbei an der Alten Försterei, wenn Sender wie „Al Jazeera“ oder japanische Magazine um Interviews anfragen. Union ist kein Verein mehr nur für Köpenick – und er wird es nie wieder sein.

Mit dem Aufstieg wurde ein Bereich verlassen, zu dem es kein Zurück mehr gibt. Union wird ab sofort immer als Erstligist gehandelt werden, erst recht, sollte es für die Köpenicker nach nur einem Jahr wieder runtergehen. Und der Klub scheint Gefallen an der Transformation gefunden zu haben.

Union sei gekommen, um zu bleiben, lässt Klubchef Dirk Zingler immer wieder wissen. Nein, er werde es nicht zulassen, dass irgendjemand bei Union auf den Gedanken kommt, die Bundesliga-Saison sei tatsächlich nur ein Urlaub, womit Zingler selbst sie einst verglich.

Unions neuer Sponsor polarisiert

Mit dem neuen Hauptsponsor, dem Immobilienunternehmen „Aroundtown“, wurden damit wirtschaftlich die Weichen gestellt. Und zugleich jener Pfad verlassen, allen Unionern genehm zu sein. „Bemerkenswert instinktlos“ war noch einer der harmloseren Kommentare auf den Zweijahresvertrag, der Union dem Vernehmen nach 2,5 Millionen Euro pro Saison bringen soll – in der Bundesliga.

Um im Kreise der 18 Erstligisten auf Dauer bestehen zu können, braucht es ein finanziell starkes Gerüst. Dass die Klubführung sich für einen in Fankreisen eher skeptisch beäugten Sponsor entschied anstatt für einen, der weniger Einnahmen generiert, unterstreicht die wirtschaftlichen Interessen, die ein Erstligist haben muss.

Es spricht für Zingler, wenn er davor warnt, Union einen Heiligenschein aufzusetzen. „Wir sind nicht wirklich so viel anders als andere Profivereine“, sagte der 54-Jährige unlängst dem „RBB“. Fußball steht bei Union im Vordergrund. Um diesen erfolgreich zu bestreiten, ist die permanente Weiterentwicklung der Mannschaft notwendig. Und dafür braucht es eine gut gefüllte Klubkasse.

Zingler nennt Fan-Schweigen „schmerzhaft“

Sicher, Union hat sich als einer von nur noch wenigen Erstligisten (außerdem Schalke 04, Mainz 05 und Fortuna Düsseldorf) den Status eines eingetragenen Vereins bewahrt. Das ermöglicht den Mitgliedern jene Mitbestimmung, jene Teilhabe, auf die viele Wert legen.

Dazu passt, dass Zingler die Initiative der aktiven Fanszene gegen RB Leipzig „unterstützt, auch wenn sie an diesem Tag schmerzhaft ist“, wie der Union-Präsident in einer Pressemitteilung des Klubs zitiert wird. Union soll authentisch bleiben.

Dennoch weiß auch der Vereinsboss um die Veränderungen, die Union annehmen muss, um langfristig ein Mitglied in der größten Sportunterhaltungsbranche der Welt zu sein. „Wir sollten nicht zwingend versuchen, permanent anders zu sein“, so Zingler.

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