Bundesliga

Union-Trainer Fischer im Haifischbecken

Union-Trainer Fischer steht wie der Aufsteiger vor seiner Bundesliga-Premiere. Diese neuen Herausforderungen warten auf den Schweizer.

Union-Trainer Urs Fischer hat die Fans hinter sich.

Union-Trainer Urs Fischer hat die Fans hinter sich.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Herausforderungen kennt Urs Fischer zur Genüge. Damals, als der Schweizer Trainer – direkt nach seinem Wechsel vom FC Zürich – den FC Basel zu nichts weniger als dem Meistertitel führen sollte. Was ihm gelang, gleich zweimal, ein Pokalsieg inklusive. Oder als er vergangenes Jahr mit Antritt beim 1. FC Union nichts Geringeres als den Aufstieg vollbringen sollte. Gelang ihm auch.

Fischer, selten um eine Begründung verlegen, findet mit der Reduzierung auf das Wesentliche in der kickenden Branche auch gleich die Antwort auf der Suche nach seinem Erfolgsrezept. „Am Schluss ist es nur ein Fußballspiel“, sagt der 53-Jährige.

Doch selbst Fischer – selbst ein guter Beobachter, was ohne Zweifel von Vorteil ist, wenn man den Trainerberuf ausübt – kam nicht umhin, die Veränderung festzustellen, wenige Tage bevor er erstmals mit den Köpenickern auf der Plattform Bundesliga unterwegs ist, bevor es im allerersten Auftritt am Sonntag gegen RB Leipzig geht (18 Uhr, Alte Försterei).

Fischer fordert Mut von seinem Team

„Das Drumherum ist ein bisschen anders“, erklärt Fischer. Aber es gehöre auch dazu dazuzulernen: „Das ist auch für mich eine neue Herausforderung, auch wenn ich in Basel sicher schon ähnliche Verhältnisse erlebt habe.“

Und Fischer wird dazulernen, weil seine Mannschaft dazulernen muss, um im Haifischbecken Bundesliga bestehen zu können. Bestehen die Profis in den folgenden 34 Spieltagen, hat auch Trainer Fischer bestanden. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, der Verbleib in der Liga wäre folglich nicht das schlechteste Argument für eine weitere Zusammenarbeit.

Wie dies gelingen kann, hat Fischer auch schon vor Augen. Wenn seine Mannschaft die neuen Gegebenheiten „annimmt, mutig bleibt und nicht überrascht ist. Wichtig ist, dass wir uns auf unsere Aufgabe konzentrieren, und die heißt: Fußball spielen. Egal welche Liga, egal, wie viel Zuschauer, es geht ums Spiel. Wenn uns das gelingt, dann bin ich auch zuversichtlich.“ Das Relegationsduell gegen den VfB Stuttgart (2:2, 0:0) könnte wegen der medialen und öffentlichen Wucht, die von den beiden Spielen ausging, dabei hilfreich sein.

Unions Aufstiegshelden in neuen Rollen

Zwei Neuheiten sind es, die Fischer in dieser ersten Bundesliga-Saison zu bewältigen hat. Da ist zum einen die Moderation der Härtefälle innerhalb des Kaders. 31 Spieler wollen die elf Plätze auf dem Rasen oder zumindest einen der neun auf der Bank ergattern.

Das erhält zusätzliche Brisanz dadurch, dass sich der eine oder andere Aufstiegsheld mit einer neuen, weniger auffälligen Rolle anfreunden muss. Was angesichts der elf Zugänge nicht verwundert. Es war eine von Fischers großen Stärken im Aufstiegsjahr, aus jedem Rückschlag etwas Positives zu ziehen und der Mannschaft neuen Mut, neue Kraft zu verschaffen.

„Wenn wir in eine Schockstarre verfallen, wird es schwierig. Die Jungs müssen sich auf ihre Aufgabe fokussieren“, nimmt Fischer schon jetzt jeden in die Pflicht: „Wir müssen so schnell wie möglich versuchen, die Gegebenheiten zu adaptieren.“

Union muss das Verlieren wieder lernen

Dies gelang in Liga zwei auch deshalb, weil die Mannschaft im Grunde durchgehend Erfolg hatte. Es gab wenig Grund zur Unzufriedenheit. Das könnte schneller vorbei sein, als es Union lieb ist.

So warten auf Union bis zum ersten Bundesliga-Derby gegen Hertha BSC Anfang November neun Spieltage, an denen es sechs Mal gegen Mannschaften geht, die im Europacup unterwegs sind. Allein innerhalb der ersten fünf Spieltage warten drei Champions-League-Teilnehmer (Leipzig, Dortmund, Leverkusen).

Union wird – das ist die zweite Neuheit – das Verlieren wieder lernen müssen. Doch Fischer weiß auch: „Das lernst du nie. Niederlagen sind nicht schön. Aber ich denke schon, dass wir das ansprechen mussten: Jungs, ich glaube nicht, dass wir wieder so eine Serie haben werden, nur alle sechs, sieben Spiele zu verlieren.“ Nur fünf Niederlagen in 2018/19 bedeuteten Zweitliga-Bestwert. „Doch wir werden natürlich alles daran setzen, dass es vielleicht doch möglich sein könnte“, sagt Fischer.

Fischer legt mehr Wert auf Ballbesitz

Entsprechend hat er seine Mannschaft in den vergangenen sieben Vorbereitungswochen eingestellt. Die defensive Stabilität der Vorsaison als Grundgerüst stand vor allem das Spiel mit dem Ball im Vordergrund. Und wieder: Die Mannschaft folgte ihrem Trainer, wie Grischa Prömel berichtet.

„Wie man mit Ballbesitzphasen umgeht, ist in der Bundesliga nochmal viel wichtiger“, sagt der Mittelfeldspieler: „Uns war allen klar, dass wir das verbessern müssen. Sonst kann es passieren, wenn man zum Beispiel gegen Dortmund spielt und die Bälle nicht halten kann, dann wird man irgendwann erdrückt. Eigener Ballbesitz ist dazu da, dass man sich auch immer ein bisschen erholen kann.“

Schon am Sonntag gegen Leipzig kann die Mannschaft zeigen, wie sehr sie die Arbeit der Vorbereitung verinnerlicht hat. Für Fischer ist das „in erster Linie nicht eine Systemfrage. Für mich geht es in erster Linie um Defensive und Offensive.“ Letztendlich sei es „eine Interpretationsfrage, wie die Mannschaft das umsetzen kann, was du ihr vorgibst.“ Da ist sie wieder, die Forderung nach dem Teamgeist, der Union in Liga zwei so stark gemacht hat.

RB Leipzig gleich große Herausforderung

Vorfreude darauf, dass es endlich losgeht, ist bei Fischer jedenfalls spürbar. „Wir haben sechs, sieben Wochen hart dafür gearbeitet“, begründet der Schweizer. Auch wenn mit RB Leipzig gleich eine der größten Herausforderungen in dieser Saison wartet, für die Mannschaft und den Verein.

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